Borussia: Kommentar: Spektakuläre Kompaktheit
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.11.2009 - 10:42Als der Fußball noch ein anderer war, weniger athletisch und etwas verspielter, stand Borussia für spektakulären Angriffsfußball. „Fohlen-Elf“ ist heute der Sammelbegriff für diese schönen Jahre. Für die aktuelle Erfolgsserie der Gladbacher steht das Wort „kompakt“.
Zuvorderst meint es disziplinierte Defensivarbeit. Nun gibt es im Fußball viele Umschreibungen für das Verhindern von Gegentoren: „Schweizer Riegel“ zum Beispiel, oder „Catenaccio“. Beides sind radikalere Ansätze als der von Trainer Michael Frontzeck. Sie meinen Zerstören und Verhindern, sind rein destruktiv. Frontzecks Idee ist auch konstruktiv, weil sie zugleich ein gezieltes Spiel nach vorn beinhaltet.
Da viele Teams so arbeiten (auch mangels herausragender Spielmacher) gibt es oft Spiele wie das Borussias gegen Schalke, in denen Taktik und Disziplin dominieren: „Rasenschach“ heißt das im Fachjargon. Tore fallen dabei nicht selten durch Standardsituationen – oder durch Geniestreiche. Borussias Siegtor war ein solcher: ein fußballerisches Gesamtkunstwerk.
Ergebnisorientierter Kontroll-Fußball war früher ein Privileg des FC Bayern. Der ist der nächste Gegner Borussias. Als Gladbach noch stürmisch war, schafft es nie einen Sieg in München. Der einzige überhaupt gelang am 1995 einer stürmerlosen und defensiv disziplinierten Borussia. Letzte Saison ermauerte Hans Meyer ein 1:2. Die neue, selbstbewusste Borussia will an der Isar punkten.
Frontzecks Serientäter (fünfmal ungeschlagen, zwei Auswärtssiege in Folge, drei Heimspiele ohne Gegentor) haben gegen Schalke gezeigt, wie das gelingen kann: mit Kompaktheit, die im entscheidenden Moment auch spektakulär ist.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









