Anstoss: Konstruktiv, nicht destruktiv
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.05.2011Es gab keinen Putsch im Staate Borussia. Die Initiative , die angetreten war, via Satzungsänderungsanträge die Führungsriege des Bundesligisten zu stürzen, scheiterte kläglich. Sieben Prozent der Stimme bekam die Gruppe um Stefan Effenberg. Der Hauptdarsteller zog es vor, wortlos zu verschwinden, bevor das Wahlergebnis feststand. Das zeugt nicht von Größe.
Effenberg war mit markigen Worten angetreten, doch ein Konzept, die Mitglieder von seiner Sache zu überzeugen, das hatte er nicht. So wird die Initiative vor allem durch den aggressiven und zuweilen polemischen Wahlkampf in Erinnerung bleiben. Die Internetseite der Oppositionsgruppe war schon gestern am frühen Abend nicht mehr vorhanden.
Dennoch hinterlassen die vergangenen Monate Spuren. Der Streit der Alt-Borussen Bonhof, Netzer, Vogts, Köppel und Effenberg, den ganz Deutschland mitbekam, kratzte am Image des Klubs. Vermutlich sind lange Fußballer-Freundschaften beschädigt worden. Allerdings sollte das Auftreten der Initative den Borussen-Bossen auch einen Denkanstoß geben. Es gilt, sich noch mehr als bislang zu hinterfragen. Allerdings konstruktiv und nicht, wie es der Ansatz der Initiative war, destruktiv.
Borussia ist gut aufgestellt. Wirtschaftlich sowieso, aber, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, auch sportlich. Die Mannschaft hat unter der Anleitung von Lucien Favre bestätigt, was zu Saison-Beginn gesagt wurde: Sie hat die Qualität, in der Bundesliga mitzuhalten. Nun gilt es, aus dieser Basis eine sportliche Konstanz zu konstruieren. Daran arbeitet Max Eberl mit Lucien Favre nun. Die ersten neuen Spieler sind verpflichtet, sie sollen den Kader punktuell verbessern.
Es wird auch in der nächsten Saison keinen Gipfelsturm geben. Hannover, das vom Fast-Absteiger zum Euopa-League-Teilnehmer wurde, ist ein hübsches Beispiel, was passieren kann, wenn ein Team einen Lauf hat und angespornt ist durch eine So-gerade-Rettung. Doch so etwas ist nicht planbar. Ein Mittelfeldplatz ist das realistische Ziel, alles andere ist Träumerei. Und vergangene Meisterschaften sind nun mal kein angeborenes Recht auf einen Spitzenplatz in der Bundesliga. Allerdings sollten die Borussen alles daran setzen, einen Albtraum, wie die Hinrunde der just vergangenen Saison einer war, nun zu vermeiden.
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