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mike hanke panorama dapd 2011
  Foto: dapd, dapd
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Borussia Mönchengladbach: Mach’s noch einmal, Mike!

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 25.05.2011 - 11:49

Borussias Stürmer hatte schon in der vergangenen Saison ein Abstiegsfinale in Bochum – da noch im Trikot von Hannover 96. Hanke erzielte ein Tor zum 3:0-Sieg. In Gladbach trat der Neue, der in der Winterpause kam, bisher vor allem als Torvorbereiter in Erscheinung.

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Mike Hanke hat in dieser Saison das eine oder andere Déjà-vu-Erlebnis. Denn er hat das, was in den vergangenen Wochen bei Borussia passiert ist schon erlebt. Im vergangenen Jahr bei Hannover 96. Auch die Niedersachsen waren schon abgeschrieben von den Fachleuten, so wie jetzt Borussia, spätestens nachdem sie 0:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern verloren hatte.

Auch die Hannoveraner rückten in dieser Situation immer enger zusammen und machten aus der keinen Chance eine Chance, so wie jetzt die Borussen. Zwar kam Hannover vor einem Jahr ohne Relegation davon, doch auch damals hatten Hanke und seine damaligen Teamkameraden ein Endspiel in Bochum. So wie jetzt Borussia. „Es bisschen anders ist es ja schon“, sagt Hanke. „Wir mussten mit Hannover unbedingt in Bochum gewinnen. Jetzt reicht uns ein unentschieden“, sagt er.

„Wir wollen aber voll auf Sieg spielen“, sagt er schnell hinterher und grinst. Das haben die Borussen zuletzt immer getan, weil sie es mussten. Verlieren war verboten nach der Niederlage gegen Kaiserslautern, sonst wäre es vorbei gewesen mit der Hoffnung. So war es auch ein Jahr zuvor in Hannover. In den letzten beiden Spielen gab es zwei Siege, erst das 6:1 gegen Gladbach und dann das 3:0 in Bochum, mit dem die „Roten“ sich selbst retteten und den VfL zugleich in die Zweite Liga beförderten. Hanke traf in beiden Spielen. Und Tore hat er auch für Gladbachs entscheidende Spiele angekündigt.

Das erste hat er gegen Freiburg erzielt, mit seinen grünen Glücksschuhen. Im ersten Relegationsspiel gegen Bochum halfen sie nicht, weil VfL-Torwart Andreas Luthe überragend hielt.

Wer Hanke kennt, der weiß, dass er sich nun seinen Treffer für das Rückspiel vorgenommen hat. In der Winterpause ist er gekommen, um Borussia zu retten. In Hannover war es nicht mehr gut gelaufen, im Konzept von Trainer Mirko Slomka waren andere wichtig, nicht er. Getroffen hat er dennoch für 96, auch gegen die Borussen.

Als Hannover 2:1 gewann in Mönchengladbach, schoss Hanke das 1:1. „Im Nachhinein hätte ich das Tor besser nicht gemacht“, sagte Hanke. So sollte er nun die Karre aus dem Dreck ziehen, die er eigenfüßig noch tiefer hinein geschoben hatte. Hanke wollte in Gladbach der Tormacher werden. Doch erst mal war er Vorbereiter, das war in Nürnberg, beim ersten Rückrundenspiel, als er Roman Neustädter gekonnt das Siegtor auflegte.

Danach kam Hanke aber nicht so richtig an in Gladbach. Mal drinnen, mal draußen war er. Erst als Lucien Favre für Hanke die Position der Neuneinhalb erfand, die des „abkippenden Stürmers“ (Sportdirektor Max Eberl), da war er mitten drin und voll dabei – weiterhin aber als Vorbereiter.

Gegen Köln, im Derby, leitete er drei der fünf Gladbacher Tore ein, auch das von Marco Reus, das fast das schönste des Monats geworden wäre. Nun ist es so, dass ein Stürmer vor allem an Toren und nicht an seinen Teamwork-Qualitäten gemessen wird. Darum waren sich viele uneins, ob Hanke tatsächlich ein guter Griff war. Dann aber schoss er an einem sonnigen Samstag das so wichtige 1:0 gegen den SC Freiburg und spielte zudem den wundervollen Pass, der Marco Reus‘ 2:0 auf den Weg brachte. Hanke hatte in den Tagen zuvor seinen Treffer angekündigt, was seine Tat nochmal mehr mystifizierte.

Zumal er es auch ein Jahr zuvor in Hannover getan hatte – die Tore zur richtigen Zeit zu schießen eben. Doch auch jenseits des Platzes ist Hanke wichtig. Weil er vieles schon kennt, was im Abstiegskampf so los ist, ist er für seine Kollegen, gerade die jüngeren, immer ein dankbarer Ansprechpartner. Zudem hat der Mann aus dem westfälischen Hamm ein sonniges Gemüt, ist stets gut gelaunt und voller Zuversicht. „Wir werden es schaffen, davon bin ich hundertprozentig überzeugt“, pflegte Hanke immer wieder zu sagen. Und man nahm ihm ab, dass dies nicht nur als Durchhalteparole gemeint war.

Die Erfahrung aus Hannover, wo die Abstiegsverhinderung ein Gemeinschaftswerk war, hat er weitergegeben – und wenn sich die Borussen im zweiten Relegationsspiel in Bochum endgültig für ein weiteres Jahr in der Bundesliga qualifizieren, dann war auch dieses Wunder eines, das viel mit Teamgeist zu tun hatte.

Hanke ist kein Schamane, der märchenhafte Dinge erzählt hat, über das was da passiert ist bei 96, sondern ein Fußballer, der weiß wie es geht, sich zu retten. In manchen Situationen ist das Spiel ganz einfach: Man muss an sich glauben, und an die Chance, die man hat. Und wenn ein Stürmer nicht trifft, dann ist er nicht im Torgefängnis, sondern bringt sich anders in die Mannschaft ein, so wie es Hanke getan hat.

Kurz: Man muss das Richtige tun. Für Lucien Favre ist Hanke ein „wichtiger Spieler“, vor allem weil er team-taktisch richtig gut funktioniert. Neben dem wilden Mo Idrissou, der indes mit seinen Defensivkopfbällen und seiner unberechenbaren Art ein Faktor ist, ist Hanke der aufgeräumtere Part im Zweierangriff: der Ballschlepper, der Ballverteiler, der, der die Bälle auch mal halten kann. Aber auch der, der eines der wichtigsten Tore in dieser Saison gemacht hat.

Bis jetzt. Mittwoch führt ihn der Fußball, der nun mal gern solche Geschichten schreibt, zurück nach Bochum, um dort das nächste Endspiel zu bestreiten. Jeder, der dort ein Tor macht, wird als Held des Abstiegskampfes in die Borussen-Geschichte eingehen. Hanke hat vergangene Saison bei Hannovers Triumph das zweite Tor gemacht.

Den Treffer also, der die Vorentscheidung brachte, der Bochums Hoffnung wegwischte. Hanke sagt, er mag Spiele, in denen es um alles geht. „Das macht Spaß, dafür spielt man Fußball“, sagte er. Für ihn ist es ein Abstiegsfinale reloaded in der Bochumer Arena. „Als wir es geschafft haben, war es ein geiles Gefühl. Das will ich wieder erleben“, sagte Hanke. Mach‘s noch einmal Mike, das ist der Auftrag der Borussen-Fans an ihre Nummer 19.

Quelle: RP

 
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