Borussia: Matmour will den Afrika-Cup
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 06.01.2010 - 15:1850 Bundesligaspiele am Stück hat Karim Matmour für Borussia Mönchengladbach gemacht. Dann kamen Zahnschmerzen, eine Operation und das Aus für das letzte Hinrundenspiel in Leverkusen. Nun fehlt der schnelle Algerier auch im Trainingslager der Gladbacher im spanischen La Cala de Mijas. Er wird nicht nur die Vorbereitung verpassen, sondern möglicherweise auch die ersten drei Spiele der Rückrunde. Matmour wäre das sogar recht, denn es würde bedeuten, dass er mit dem Nationalteam seines Heimatlandes einen richtig guten Afrika-Cup abgeliefert hat.
Vom 10. bis 31. Januar spielt der schwarze Kontinent in Angola seinen Fußballmeister aus. Algerien hat sich Respekt verschafft bei der Konkurrenz, da es im Entscheidungsspiel um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft im Sommer in Südafrika den amtierenden Afrika-Champion Ägypten bezwang. "Favorit auf den Titel sind wir nicht. Doch alle trauen uns viel zu, weil wir Ägypten ausgeschaltet haben", sagt Matmour.
Der 24-Jährige weiß, dass er und der Rest des jungen algerischen Teams in diesem Jahr Geschichte schreiben können. Noch immer ist 1982 der Maßstab für alle Fußballer aus dem nordafrikanischen Land. Damals, bei der ersten WM-Teilnahme, spielte das Ensemble um Superstar Rabah Madjer eine grandiose Vorrunde in Spanien, besiegte Deutschland und schied nur wegen des skandalösen 1:0-Sieges der DFB-Mannschaft gegen Österreich aus. "Von 1982 spricht in Algerien noch jeder, immer wieder laufen die Bilder im Fernsehen", sagt Matmour. Zumal, seit sich Algerien für das kommende Weltturnier qualifiziert hat, erstmals seit 1986. "Eine WM-Teilnahme ist wichtig für Algerien", sagt der Gladbacher.
"Wir können bei der WM für eine Überraschung sorgen", glaubt Matmour. Vielleicht sogar eher als nun beim Afrika-Cup. "Bei der WM kennt uns keiner, beim Afrika-Cup alle", sagt Matmour. Zum ersten und bislang einzigen Mal holte Algerien 1990 den Titel, die letzten beiden Turniere verpasste es gar. Malawi, Mali und Angola sind Algeriens Konkurrenten in der Vorrunde. Keine leichte Gruppe sei das, urteilt Matmour. "Die Qualität des afrikanischen Fußballs hat sich gesteigert", sagt er.
Dass er für den Afrika-Cup seinen Hauptjob in Mönchengladbach vernachlässigen muss und den Stammplatz aufs Spiel setzt, sei schade. "Aber es ist eine Ehre, für mein Land zu spielen, ein Verzicht kommt nicht in Frage", sagt Matmour. Schon die erreichte WM-Qualifikation hat ihn und seine Kameraden zu Volkshelden gemacht. Nach dem Triumph gegen Ägypten war das Team bei Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika eingeladen, Matmour und andere Spieler wurden sogar im Flugzeug des Staatsoberhaupts zurück nach Europa geflogen. In diesem Jahr können sie nun 1982 vergessen machen. Wenn es gut läuft beim Afrika-Cup und bei der WM.
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