Testspielpleite in Israel: Matthäus bemitleidet Gladbach
VON KARSTEN KELLERMANN UND CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 15.12.2008 - 11:37Tel Aviv (RP). Die meisten Niederlagen aller 36 Profi-Mannschaften, die meisten Gegentore und die wenigsten Punkte in der Fußball-Bundesliga - auf der Israel-Reise konnte Borussia Mönchengladbach nicht gerade mit neuen Erfolgsgeschichten prahlen.
Da tat es ganz gut, sich bei der dreitägigen Gastspielreise nach Israel zu vergewissern, dass „die Borussia hier sehr beliebt ist”, wie Präsident Rolf Königs am Rande einer Trainingseinheit im Nationalstadion von Ramat Gan sagte.
Einen guten Namen hat auch Lothar Matthäus, deutscher Rekordnationalspieler und nun Trainer des israelischen Erstligisten Maccabi Netanya. „Borussias Tabellenstand tut mir sehr leid”, sagte der 47-Jährige. Mit 0:1 unterlagen die Rheinländer in dem Treffen, das unter dem Motto „Tore für den Frieden” stand.
„Sportlich bringt eine solche Reise nach dem letzten Spiel nicht viel. Aber das was wir hier noch gesehen haben, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zum Beispiel, das hat uns sehr viel gebracht“, sagte Trainer Hans Meyer. Heute kommen er und die Spieler zurück. Was sie nach der Reise ins sonnige Israel erwartet, ist der graue Alltag in Mönchengladbach.
„Die Rückserie wird sehr, sehr kompliziert“, sagt Sportdirektor Max Eberl. Der 35-Jährige ist nicht mit Richtung Süd-Osten geflogen, sondern verhandelt, gemeinsam mit Geschäftsführer Stephan Schippers, mit neuen Spielern. „Mit zweien sind wir uns einig“, sagt Eberl. Nur die Vereine müssen sich noch einigen.
So, wie sich auch die beiden Borussen-Teams am letzten Spieltag der Hinrunde geeinigt haben. Darauf nämlich, dass die Dortmunder trotz eines wenig ansehnlichen Spiels zu Hause ungeschlagen bleiben und sogar den dritten Heimsieg feiern durften. „Was die Mannschaft bisher geleistet hat - Hut ab“, sagte Trainer Jürgen Klopp, der das Team zur erfolgreichsten Hinserie seit sechs Jahren führte. „Die Hinrunde hat allen Spaß gemacht.“
"Das musst du zwingen"
Zumindest in Dortmund, nicht aber in Mönchengladbach. „Irgendwann musst du so ein Spiel mal drehen, das musst du zwingen“, sagte Eberl, der gesehen hatte, dass sich die Gäste trotz Überzahl nur zwei Chancen erspielten.
Dass Johannes van den Bergh mit einem Volleyschuss die Zu-Null-Serie von Dortmunds Torhüter Roman Weidenfeller nach 498 Minuten beendete, brachte auch keinen neuen Schwung in eine Partie, die recht ruppig geführt wurde.
Tamas Hajnal sah nach seiner Attacke gegen den dann blutenden Torhüter Christofer Heimeroth Gelb-Rot, Jakub Blaszczykowski streckte Tony Jantschke mit dem Ellenbogen nieder, dass der bewusstlos und mit einer Schädelprellung liegen blieb.
Dass der beste Gladbacher nicht mehr mitspielen konnte, „passt in die Gesamt-Situation, die wir haben“, sagte Eberl. Genauso, dass die Gastgeber „in der ersten Halbzeit einmal aufs Tor schießen und der Ball dann drin ist. Da fehlen dir die Worte“. Nach Mohamed Zidans Traumtor traf der eingewechselte Nuri Sahin zum 2:0. Spätestens zu dem Zeitpunkt waren die ideenlosen Gladbacher ähnlich k.o. wie der zu diesem Zeitpunkt schon ausgewechselte Jantschke.
Wie schon eine Reihe von anderen Trainern setzte auch Jürgen Klopp die Tradition fort, dem Tabellenletzten Mut zuzusprechen. „Mit Mainz war ich selbst in der Situation, dass wir bei Halbzeit nur elf Punkte hatten. Aber da war die Konkurrenz weiter weg, und wir hätten es trotzdem fast geschafft.“ Aber nur fast.
Die Situation in Gladbach sieht düsterer aus.
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