Borussia: Meyer genießt die Rettung und schweigt
zuletzt aktualisiert: 24.05.2009 - 10:15Erleichterung und Enttäuschung lagen im Borussia-Park gerade einmal 50 Meter auseinander: Vor der Gladbacher Fankurve zeigte Torhüter Logan Bailly einen perfekten Flickflack und stimmte mit den jubelnden Anhängern die ultimative Rettungs-Humba an, die Spieler von Borussia Dortmund lagen in der anderen Hälfte minutenlang regungslos auf dem Rasen oder saßen wie Keeper Roman Weidenfeller mit leerem Blick auf der Ersatzbank.
Das 1:1 (0:0), das für die Fohlen den Klassenerhalt bedeutete, stürzte den BVB in ein Tal der Tränen und eine Saison ohne internationalen Wettbewerb.
Während Dortmunds Coach Jürgen Klopp nach der ersten Enttäuschung versuchte, seine Mannschaft für eine "dennoch tolle Saison" zu loben, genoss sein Gegenüber Hans Meyer eher still den Erfolg seiner "Mission impossible" und wies alle Fragen nach seiner Zukunft in Mönchengladbach zurück.
"Heute denken alle Gladbach-Fans nur an den Klassenerhalt und nicht an Hans Meyer", sagte der 67 Jahre alte Trainer-Fuchs: "Darüber werden wir in den nächsten Tagen reden." Sportdirektor Max Eberl ist aber davon überzeugt, dass er keinen neuen Trainer suchen muss.
Statt über sich sprach Meyer, der zwischenzeitlich sogar an Rücktritt gedacht hatte, "weil ich nicht an die Mannschaft geglaubt hatte", lieber über sein Team, das sich mit nur 11 Punkten "quasi in die Winterpause gerettet" und dann mit vier Verstärkungen die erfolgreiche Aufholjagd gestartet hatte.
"20 Punkte in der Rückrunde bei nur acht Heimspielen, das ist lobenswert. Ich kann nur den Hut vor meiner Mannschaft ziehen. Wie sich die Jungs in der Rückrunde präsentiert haben, obwohl sie immer unter Druck standen und immer das Abstiegsgespenst vor Augen hatten, das war richtig gut", meinte Meyer.
Dabei hob er die "alten Männer" Paul Stalteri und Tomas Galasek hervor, der sich mit einem Erfolgserlebnis nach einem intensiven halben Jahr aus Gladbach verabschiedete, und lobte die im Winter für zusammen fünf Millionen Euro gekommenen Zukunftshoffnungen Dante und Logan Bailly.
Der Brasilianer hatte nach längerer Verletzungspause neben seiner starken Abwehrarbeit erst in Cottbus (90.) und dann in der 57. Minute gegen Dortmund auch ganz wichtige Tore geköpft. Und Keeper Bailly habe sich schon jetzt "richtig bezahlt gemacht", meinte Meyer.
Ob auch Nationalspieler Marko Marin im nächsten Jahr noch zu den Gladbacher Zukunftshoffnungen gehören wird, ist dagegen fraglich. "Wir wollten uns nach der Saison zusammensetzen", sagte Eberl, der noch versucht, Marin zum Bleiben zu überzeugen.
"Wenn ich das Publikum sehe und die Mannschaft, die lebt, da kann er sich richtig gut entwickeln", warb er für die Borussia. Dass der Abschied des Flügelflitzers nach Bremen längst fix sei, wies Eberl zurück: "Ich habe weder mit Klaus Allofs noch mit Dietmar Beiersdorfer oder mit den Managern von Sevilla, Tottenham, Middlesbrough oder Blackburn gesprochen."
Während er seine Mannschaft zum Feiern schickte ("Die Jungs können jetzt in Ruhe ein Bierchen trinken") will er sich selbst jetzt in die Arbeit stürzen. "Die Planungen liefen schon lange parallel, aber jetzt haben wir Gewissheit", sagte Eberl, der bislang den Niederländer Marcel Meeuwis aus Kerkrade als Ersatz für Galasek verpflichtet hat.
Während die Gladbacher sich in den Jubeltaumel stürzten, herrschte beim BVB nach dem Last-Minute-Sieg des Konkurrenten Hamburger SV in Frankfurt zunächst "unglaubliche Traurigkeit" (Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke). Bei Klopp war "die erste Enttäuschung" allerdings schnell verflogen. "Ich bin stolz darauf, was diese Truppe geleistet hat. Ich hoffe, dass wir viele tolle Erlebnisse aus diesem Jahr mitnehmen können", sagte er.
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