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Borussia: Meyer lernt Ziege an

VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 20.10.2008 - 11:43

Christian Ziege ist Assistent des alten und neuen Cheftrainers Hans Meyer – auf eigenen Wunsch, wie es heißt. Max Eberl, im Klub bisher für die Nachwuchsarbeit verantwortlich, übernimmt das Amt des Sportdirektors.

Rolle rückwärts in die Zukunft, und das gleich doppelt und synchron: Borussia hat nicht nur einen neuen Chef-, sondern auch einen neuen Co-Trainer. Das Bemerkenswerte daran ist nicht mehr die seit Tagen erwartete Rückkehr Hans Meyers nach Gladbach, sondern der Positionswechsel Christian Zieges: vom ersten ins dritte Glied der offiziellen Rangordnung, statt Sportdirektor ab sofort nur noch Assistent Meyers. Dies sei, versicherten er und Präsident Rolf Königs, keinesfalls eine Degradierung, sondern geschehe auf eigenen Wunsch – als persönliche Chance für die Zukunft.

„Den Sportdirektor wollte ich nie für 20 Jahre machen. Und ich habe in den zehn Tagen als Interimstrainer nach der Trennung von Jos Luhukay sehr deutlich gemerkt, dass mir die Arbeit auf dem Platz mehr Spaß macht. Neben Hans Meyer kann ich meine Kenntnis der Mannschaft besser einbringen als in der Funktion des Sportdirektors.

Und ich kann gleichzeitig von ihm einiges lernen“, sagte der 36-jährige Ziege, der beim 2:2 in Bochum ein erfolgreiches Debüt als Cheftrainer gegeben hatte und nun ins dritte Glied zurück tritt. Neuer Sportdirektor ist Max Eberl (34), bisher für die Nachwuchsarbeit verantwortlich, einst Spieler unter Meyer und nun dessen Chef – soweit Meyer (knapp 66) einen Vorgesetzten auf dieser Ebene denn akzeptiert.

Chance für die Zukunft ohne neue Gesichter: Dies steht als Leitfaden über dem fünften Trainerwechsel innerhalb von nur vier Jahren in Gladbach. Und es soll auch für die Mannschaft gelten, die gegen den Abstieg kämpft. „Die große Einkaufstour ist wirtschaftlich sowieso nicht möglich. Und ich hoffe, dass wir auch eine einzelne Verstärkung in der Winterpause nicht nötig haben“, sagte Hans Meyer. „Seit ich vor fünfeinhalb Jahren Borussia verlassen habe, ist hier in der Nachwuchsförderung etwas richtig Gutes aufgebaut worden. Dies wollen wir im Team mit Christian Ziege und Max Eberl fortführen.“

Hans Meyer: Der Name stand schon einmal für Borussias Zukunft. 1999 hatte er die Mannschaft nach dem ersten Bundesligaabstieg als Letzten der Zweiten Liga übernommen und 2001 zurück ins Oberhaus geführt. Die Fans feierten ihn als Held und Kultfigur. Doch statt der erwarteten Orientierung Richtung Uefa-Cup gab es ein gutes Jahr später neuerlichen Abstiegskampf. Meyer vermisste die rückhaltlose Unterstützung des Präsidiums und trat am 1. März 2003 zurück. Um „Rosen zu züchten“, wie er sagte, und mit dem weit vorher ausgehandelten Anschlussvertrag drei Jahre den gut bezahlten Talentspäher für Borussia zu machen.

"Immer ein guter Freund"

Dass Meyer nur acht Monate später ganz kündigte, um Hertha BSC Berlin vor dem Abstieg zu retten, hat Borussias Präsidium nicht begeistert. Doch die Irritationen von damals sind vergessen. „Hans Meyer war immer ein guter Freund“, sagte Rolf Königs gestern. Der war der kantige Thüringer zuletzt auch zuerst beim 1. FC Nürnberg, den er 2006 ebenfalls vor dem Abstieg rettete, dann sogar in den Uefa-Cup und zum DFB-Pokalsieg 2007 führte – und der ihn im Februar dieses Jahres, wieder im Abstiegskampf angekommen, entließ.

Der Streit um eine Abfindung für den Trainer von 1,7 Millionen Euro wurde am Freitag beigelegt (560 000 sollen es geworden sein). Damit war der Weg zurück nach Mönchengladbach frei, wo Meyer einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010 erhält, mit Christian Ziege als erstem Assistenten. Und designierten Nachfolger? „Eine interessante Option“, sagte Rolf Königs.

Erst einmal nimmt Meyer („Borussia liegt mir am Herzen. Aber ich habe nicht nächtelang wachgelegen, als sie 2007 abgestiegen ist“) nun das Unternehmen Klassenerhalt in Angriff, durchaus zuversichtlich. „Es gibt keinen Grund zu Panik“, sagt er. Und dann: „Es kann nicht sein, dass Köln und Hoffenheim, die hinter Borussia aufgestiegen sind, so viel besser sind, wie es die momentane Tabelle darstellt.“

Quelle: RP

 
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