Borussia: Meyer und die Systemfrage
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 14.01.2009Borussias neuer Rechtsverteidiger Paul Stalteri weiß aus Fulham, wie eine Rettung funktioniert. "Man muss an sich glauben", sagt er. Derweil forscht sein Trainer in Maspalomas nach der passenden Spielvariante für das Team.
Paul Stalteri weiß, wie wichtig es ist, sich nicht aufzugeben. Als er Anfang 2008 von den Tottenham Hotspurs an den FC Fulham ausgeliehen wurde, hatte sein Interims-Arbeitgeber fünf Punkte Rückstand auf einen rettenden Rang in der Tabelle der englischen Premier League.
"Bei den Buchmachern war die Quote für unseren Klassenverbleib 100:1", erinnert sich Stalteri, Borussias neuer Rechtsverteidiger. "Aber wir haben nie aufgehört, an uns zu glauben", sagt der 31-Jährige. Die Geschichte nahm ein gutes Ende. Fulham, das zuvor drei Jahre ohne Auswärtssieg war, gewann in der Schlussphase der Saison sogar dreimal in der Fremde und war gerettet.
Keine Kommunikationsprobleme
Diese Episode aus seinem Fußballerleben will Stalteri wiederholen bei Borussia. Hier sind es nur zwei Punkte, die Gladbach vom Karlsruher SC trennen, der Platz 15 inne hat. Der würde zur Rettung reichen. Stalteri, der neben der Erfahrung aus England auch die aus 151 Bundesligaspielen für Werder Bremen mitbringt, soll eine Hauptfigur bei der Mission Rettung sein.
Nicht allein trainiert
Dienstag Morgens trainierten die Borussia in zwei Gruppen jeweils zweieinhalb Stunden: zunächst im Kraftraum, dann im Estadio Municipal. Nachmittags war das Training in Vecinario.Nicht allein Vier norwegische Leichtathletinnen drehten am Dienstag während Borussias Training im Stadion ihre Runden \- wie 13 übergewichtige Aktivurlauberinnen.
Abbruch Dante verletzte sich am Nachmittag am Oberschenkel und brach das Training ab.
Er soll rechts hinten dicht machen und über den Flügel Akzente nach vorn setzen. Kommunikationsprobleme befürchtet der Kanadier in der "belgisch" dominierten Abwehr (Torwart Bailly, Daems, Dante, der von Standard Lüttich kam) nicht: "Wir alle sprechen Englisch. Und ich hatte in der Schule Französisch."
Die defensive Viererkette ist ein fixes Element in den Taktik-Planungen von Hans Meyer. Was sich davor abspielt, das hat der Trainer noch nicht festgelegt: Ein Vierermittelfeld im Rautenformat mit Zweierangriff? Oder doch die doppelte Drei, in der Zentrale und im Angriff? "Beide Systeme, das 4-4-2 und das 4-3-3, haben Vor- und Nachteile. Entscheidend ist, dass man die richtigen Spieler für ein System hat", sagt Meyer.
Die Woche in Maspalomas soll nähere Erkenntnisse bringen, welche Variante die der "neuen" Borussia sein wird. "Bei drei Spitzen in der klassischen Variante braucht man zwei starke Außenstürmer", weiß Meyer. Marko Marin und Karim Matmour könnten den Job übernehmen, wobei Dribbler Marin immer eine Tendenz zur Mitte hat. Den richtigen Stürmer für das 4-3-3 hat Meyer jedenfalls: Rob Friend, den 1,95 Meter großen Kanadier. "Er ist ein echter Zentralstürmer", sagt Meyer.
Setzt er auf zwei Spitzen, würde Friend entweder Roberto Colautti, Oliver Neuville oder Matmour zur Seite stehen. Dann braucht Meyer zwei Außenbahnspieler, die aus der Tiefe die Angreifer versorgen, und einen "Zehner", Marin wohl, oder Alex Baumjohann. Die "Sechs" wird in beiden System-Fällen Tomas Galasek sein – allein oder im Doppelpack.
"Er ist dafür vorgesehen", sagt Meyer. In verschiedenen Spielformen wird die Taktik in Maspalomas im Training einstudiert und in den Spielen gegen Zürich (morgen) und Donzek (Samstag) erprobt. "Wichtig ist, dass die Balance zwischen den Mannschaftsteilen stimmt, egal in welchem System. Aber wir haben genug Zeit", findet Meyer.
Auch für Entspannung. Freitag will der Trainer den Seinen einen freien Nachmittag gönnen. "Wenn man eine Woche lang fast ohne Pause trainiert, muss man auch mal abschalten können", sagt Meyer.
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