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Borussia Mönchengladbach: Mitglieder-Aufstand bei der Hauptversammlung

VON KERSTIN DE HAAS UND KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 05.06.2009 - 12:41

Mönchengladbach (RPO). Präsident Rolf Königs war der Verlierer bei Borussias Mitgliederversammlung. Von Rücktritt wollte er aber nichts wissen. Die Gewinner der langen Nacht waren Max Eberl und Michael Frontzeck.

Bei der Mitgliederversammlung im Borussia-Stadion wurde offen der Rücktritt von Präsident Rolf Königs gefordert. Foto: ddp

Es war 23.50 Uhr, als Andreas Heinen die Versammlung für beendet erklärte. Borussias Ehrenratsmitglied war zum Moderator des Mitgliedertreffens bestimmt worden, wie in den Jahren zuvor. Doch erging es ihm wie Trainer Hans Meyer in der vergangenen Saison: Es war sein schwerster Job. Denn auf gewisse Art probten die Mitglieder (2234 waren es in der Spitze, kurz vor Mitternacht noch knapp 700) den Aufstand.

Rechtsanwalt Heinen, wegen seiner stoischen Ruhe gut geeignet für den Job als Versammlungsleiter, musste die Borussia-Mitglieder ein ums andere Mal zur Ruhe mahnen und auf die Hauptregel des Abends verweisen: „Wir wollen fair miteinander umgehen.” Auch Heinen selbst musste eine Niederlage einstecken: im „Wahlkampf” um eine Satzungs-Änderung gegen Michael Weigand vom Fanklub Preußen 93.

Aufsichtsrat wird von Versammlung gewählt

Von nun an sind alle sieben Aufsichtsrats-Mitglieder von der Hauptversammlung zu wählen. Bislang waren es nur vier, die übrigen drei wurden von den Gewählten bestimmt (kooptiert). „So wird die Situation deutlich verbessert, es ist eine der wenigen Chancen für die Mitglieder, mitbestimmen zu können”, sagte Weigand.

Das Votum der zu dem Zeitpunkt noch anwesenden Mitglieder war eindeutig zu seinen Gunsten. Derweil saß Rolf Königs mit versteinerter Miene auf dem Podium. Der Präsident hatte im Zentrum der Kritik gestanden: „Wirtschaftlich gebe ich Ihnen eine Eins, sportlich ein Sechs”, hatte ein Redner gesagt ­ und Applaus bekommen.

Königs sichtlich getroffen

Danach forderten einige sogar offen den Rücktritt des Chefs. Königs war sichtlich getroffen. „Es hat sich gelohnt, dass man sich dafür einsetzt”, sagte er knapp und zynisch nach fünf Stunden Versammlungsmarathon. Bei der Entlastung des Präsidiums hatte es einen deutlichen Denkzettel gegeben: 822 Stimmen dafür, 422 dagegen, 96 Enthaltungen.

Schon zu Beginn war klar, dass es nicht der gewohnt jubellastige Abend werden würde: „Ein weiterer Ja-Sager im Gefolge des Königs” hatten Fans auf ein Banner vor dem Stadion geschrieben. Es war wohl der neue Trainer Michael Frontzeck gemeint. Der jedoch nahm den Ball auf, und ging wie Sportdirektor Max Eberl, offensiv auf die Kritiker zu: „Ich verspreche euch, wir werden in der nächsten Saison eine gute Mannschaft stellen.”

Eberl machte seinen Glauben an die Entscheidung für Frontzeck klar: „Sachlich, fachlich und charakterlich” sei dieser der passende Mann für den Job, und es sei keineswegs „Klüngel”, der dem Ex-Borussen den Job bescherte: „Mein Kopf hängt da auch daran. Es geht um Borussia und um nichts anderes”, sagte Eberl. Notfalls gehe er auch mit seinem Trainer in die Zweite Liga, „aber darüber reden wir nicht. Wir wollen uns in der Bundesliga etablieren.”

Frontzeck soll das Team, das viel Potenzial habe, konsolidieren und langfristig in der Liga halten. „Wir wollen Kontinuität”, sagte Eberl. Er machte bei seinem ersten Lagebericht als Sportdirektor eine gute Figur: Eberl war souverän, aber nah am Volk: Wie Michael Frontzeck suchte er teilweise die direkte Ansprache, nahm Zwischenrufe gekonnt auf und schaffte es so, die schon da aufkommenden Unmutsäußerungen noch zu ersticken. „Unterstützen Sie uns auf unserem Weg”, bat er die Fans um Geduld. Es gab Applaus.

„Max ist ein harter Hund, und mit Michael haben wir noch einen dazu bekommen”, sagte Vize-Präsident Rainer Bonhof. Auch er punktete bei den Mitliedern. Denn Bonhof ist die so lange geforderte Kompetenz im Präsidium. Als solche stellte er sich auch vor den ins Kreuzfeuer geratenen Königs. „Wenn wir nächstes Jahr hier sitzen, können Sie mir die Fragen zur sportlichen Entwicklung stellen”, sagte Bonhof. Auch er wurde beklatscht. Königs nicht.

Neuer Stürmer soll kommen

In den Jahren zuvor hatte der Präsident es immer geschafft, als Redner die Borussen auf seine Seite zu bringen. Dieses Mal gab es nur Hurra-Rufe, als er verkündete, Borussia habe die Lizenz ohne jegliche Auflage erhalten. Einen neuen Hauptsponsor konnte er ebenso wenig verkünden wie einen Namensgeber für das Stadion. Und auch keinen konkreten Neuzugang. Allerdings, das gab Max Eberl bekannt, seien die Verhandlungen mit dem jungen argentinischen Stürmer Raul Bobadilla kurz vor dem Abschluss.

Eberl und Frontzeck waren die Gewinner der langen Nacht im Stadion, auch wenn „wir da oben ganz schön gefroren haben”, wie Eberl gestand. Rolf Königs war der Verlierer. So heftig und scharf war er noch nie kritisiert worden, nicht einmal in den Abstiegsjahren. Doch passte all das zu einer Saison voller „Stimmungsschwankungen und voller Debatten”, wie der frisch bestätigte Aufsichtsratschef Hermann Jansen sagte. Und deshalb war es auch Andreas Heinens schwerster Job.

Quelle: rpo

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