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Borussia Mönchengladbach: "Nicht zu euphorisch sein"

zuletzt aktualisiert: 10.09.2011

Borussia Mönchengladbach (RP). Interview Ex-Borusse Peter Wynhoff über drei besondere Spiele Borussias gegen den 1. FC Kaiserslautern, die Chancen der Gladbacher heute gegen die "Roten Teufel" und die Situation der Weisweiler-Elf

Lautern ist bedient, Borussia freut sich: (v.l.) Martin Schneider, Peter Wynhoff und Frantisek Straka feiern am 8. Juni 1991 den Treffer von Wynhoff zur 3:0-Führung. Am Ende siegte Borussia 3:2 auf dem Betzenberg.  Foto:  Imago
Lautern ist bedient, Borussia freut sich: (v.l.) Martin Schneider, Peter Wynhoff und Frantisek Straka feiern am 8. Juni 1991 den Treffer von Wynhoff zur 3:0-Führung. Am Ende siegte Borussia 3:2 auf dem Betzenberg. Foto: Imago

Erinnern Sie sich an den 33. Spieltag der Saison 1990/91?

Wynhoff Klar. Wir haben in Kaiserslautern gespielt, und für Lautern war es ein denkwürdiges Spiel. Die Lauterer konnten die Meisterschaft klar machen und es war schon alles für die Meisterfeier vorbereitet. Aber wir haben ihnen die Suppe versalzen, weil wir 3:2 gewonnen haben. Thomas Kastenmeier hat zwei Tore gemacht und auch ich habe getroffen, wir haben 3:0 geführt. Lautern ist dann eine Woche später in Köln Meister geworden.

Mit einem Gladbacher Sieg hat damals niemand gerechnet.

Wynhoff Ach, so sensationell war das gar nicht, auch wenn Lautern am Ende Meister geworden ist. Durch die Situation war unser Sieg eine Sensation, aber wir haben damals auch ganz gut gespielt.

Info

Sahans Rückkehr

Olcay Sahan spielte von 2004 bis 2008 in der Jugend sowie der U23 bei Borussia. Über den MSV Duisburg fand er im Sommer den Weg in die Bundesliga und steht nun, wie auch der zweite Pfälzer Ex-Borusse Oliver Kirch, beim 1. FC Kaiserslautern unter Vertrag. "ich freue mich riesig auf das Spiel", sagt Sahan.

Ist Kaiserslautern für Sie immer ein unangenehmer Gegner gewesen?

Wynhoff Auf dem Betzenberg haben wir ganz gern mal gewonnen, aber dort und bei uns auf dem Bökelberg haben wir uns oft schwergetan. In beiden Stadien war immer eine tolle Atmosphäre und gerade auf dem Betze musste man immer bis zur allerletzten Minute hellwach sein. Wir haben auch 1998 2:0 geführt und dann in der Schlussminute noch 2:3 verloren, das war krass, weil wir tief im Abstiegskampf waren. Danach dachten viele, wir wären abgestiegen. Aber wir haben uns noch gerettet.

In Gladbach gab es 1995 das Pokalhalbfinale zwischen Gladbach und Lautern.

Wynhoff So ein Spiel vergisst man natürlich nicht, weil wir am Ende ja Pokalsieger geworden sind. Es war wieder mal ein sehr enges Spiel und Heiko Herrlich hat er in der 101. Minute das 1:0-Siegtor für uns geschossen.

Jetzt kommt Kaiserslautern wieder nach Gladbach. Was für ein Spiel erwarten Sie?

Wynhoff Es wird sicher schwer für Borussia. Gladbach hat sich schon immer leichter gegen Gegner getan, die oben mitspielen. Lautern kommt sicher nicht hierher, um Hauruck nach vorn zu spielen. Außerdem ist es heute gegen kein Team in der Bundesliga leicht.

Vergangene Saison gingen beide Spiele verloren gegen Kaiserslautern.

Wynhoff Ja. Ich bin gespannt, wie Gladbach mit diesem Spiel umgeht. Lautern wird tief stehen und die Räume eng machen. Da wird es nicht leicht, eine Lücke zu finden. Mal sehen, ob die Borussen das hinkriegen. Das Problem ist, dass viele einen Sieg erwarten. Aber man darf trotz des guten Starts mit sieben Punkten nicht zu euphorisch sein. Es wird auch wieder Spiele geben, in denen es nicht so gut läuft und die verloren gehen. Trotzdem tippe ich 2:1 für Borussia.

Werden Sie im Stadion sein?

Wynhoff Nein, leider nicht. Wir spielen zeitgleich mit der Weisweiler-Elf bei der SG Kaarst. Der Termin steht seit einem halben Jahr fest, lange bevor das Lautern-Spiel terminiert war. Es werden daher sicher einige Leute weniger kommen zu unserem Spiel, weil sie sich Borussia ansehen.

Sie führen mit Karlheinz Pflipsen und Jörg Jung seit 2009 die Geschäfte der Weisweiler-Elf. Wie wichtig ist dieses Traditionsteam für Borussia? Es besteht jetzt seit 20 Jahren.

Wynhoff Ich finde es sehr wichtig. Grundsätzlich haben wir mit dem Klub ja nichts zu tun, weil wir eigenständig sind. Aber wir tragen die Raute auf der Brust und treten somit für den Klub auf. Für viele Fans sind wir der lebendige Mythos, im Moment sind viele dabei, die 1995 den letzten Titel für Borussia gewonnen haben.

Wer könnte aus dem aktuellen Team später in der Weisweiler-Elf spielen?

Wynhoff Die Jungs sind alle noch sehr jung, wer weiß, ob es die Weisweiler-Elf dann noch gibt. Aber es ist ja heute leider etwas anders als früher, da war die Bindung zu einem Verein noch größer. Unser letzter Zugang aus der jüngeren Vergangenheit ist Oliver Neuville. Er lebt ja auch nach seiner Karriere noch in Gladbach, ich weiß nicht, wer von den aktuellen Spielern hier bleiben wird. Diese räumliche Nähe ist entscheidend, ob jemand in der Weisweiler-Elf spielt oder nicht.

Fast alle der ganz großen Borussen waren schon dabei.

Wynhoff Eigentlich alle. Günter Netzer ist heute noch unser Schirmherr. Wir werden ihn bald in Zürich treffen, da wir dort Frau Weisweiler besuchen. Sie hat uns dankenswerter Weise den Namen ihres Mannes für das Team zur Verfügung gestellt.

Sie sagten, dass es die Weisweiler-Elf künftig vielleicht nicht mehr gibt. Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft des Teams?

Wynhoff Wir werden halt alle nicht jünger, und wenn kein Nachwuchs da ist, wird es irgendwann schwierig, eine Mannschaft zusammenzukriegen. Wir haben 20 bis 25 Spiele pro Jahr inklusive der Hallenturniere, bei denen wir mitmachen. Wir kriegen sehr viele Anfragen von Vereinen, die gegen uns spielen wollen, da ist viel Verwaltungsarbeit zu machen. Grundsätzlich gibt es keine Zugangsvoraussetzungen, aber wir wollen schon, dass die Spieler eine Vergangenheit bei Borussia haben. Wir werden sehen, aber es geht bestimmt weiter.

Karsten Kellermann sprach mit Peter Wynhoff. Der heute 42-Jährige machte 1989 und 1999 240 Bundesliga-Spiele für Borussia und 34 Tore.

Quelle: RP


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