Borussia Mönchengladbach: Nordtveit, der Musterschüler
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.02.2011Borussias junger Norweger machte beim 2:1 gegen Schalke ein starkes Spiel. Schon vor dem Spiel hatte der "Sechser" geahnt, dass Gladbach siegen würde.
Havard Nordtveit hat nicht gut geschlafen. Das tut er nie, wenn er ein Fußballspiel hinter sich hat. Wenn er im Bett liegt, beginnt das Kopfkino: Die Szenen des Tages rauschen erneut durch sein Hirn. "Ich spiele das Spiel noch einmal", sagte der Norweger. Nun war die Partie gegen Schalke, die Nordtveit und die anderen Gladbacher 2:1 gewonnen haben, eine, die ihm zumindest keine Albträume beschert haben dürfte. Schließlich gab es den ersten Heimsieg der Saison. Und es war vor allem in der ersten Halbzeit ein richtig gutes Spiel des Tabellenletzten. Und er, Nordtveit, gehörte zu den Besten. Weswegen er eigentlich rechtschaffen müde hätte sein müssen, allein aufgrund des Laufpensums, das der skandinavische "Sechser" an diesem kalten Februar-Abend runterspulte.
Kapitän Daems
Filip Daems bleibt Borussias Kapitän. "Eine Veränderung war und ist kein Thema", sagte Lucien Favre. Er habe sich vor dem Spiel gegen Schalke nicht festgelegt, weil er erst alle Spieler kennenlernen wolle, sagte der Trainer.
"N & N" überzeugen erneut
"Havard hat eine gute Leistung gebracht", sagte Trainer Lucien Favre, der im defensiven Mittelfeld auf Nordtveit und Roman Neustädter setzte: N&N zeigten schon beim 1:0-Sieg in Frankfurt und in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart, dass sie gut harmonieren. Damit setzt Favre die Idee fort, die sein Vorgänger Michael Frontzeck für die Rückrunde angedacht hatte, aber aufgrund diverser Verletzung und daraus folgender Verschiebungen Nordtveits kaum umsetzen konnte. "Wir verstehen uns außerhalb des Platzes auch gut, das hilft, denn es ist wichtig für diese Position, eine gute Kommunikation untereinander zu haben", sagte Nordtveit.
Der lange Neustädter wirkt eleganter, Nordtveit ist eher einer vom Typ Fleißarbeiter. Seine Tacklings sitzen – wie das, mit dem er den enteilten Schalker Jefferson Farfan einholte und stoppte. "Das war eine sehr wichtige Aktion", sagte Lucien Favre. Nordtveit kann sich festbeißen an einem Gegenspieler, er kann Situationen entschärfen, weil er richtig steht. Zudem spielt Nordtveit zuweilen ausgezeichnete lange Pässe oder treibt den Ball kraftvoll nach vorn. Für einen, der erst 20 ist, wirkt er sehr abgeklärt.
Nordtveit kommt aus der Fußballschule von Arsenal London. Diese ist geprägt vom Stil des Cheftrainers Arsene Wenger – und der ist einer, den Lucien Favre sehr schätzt. Nordtveit ist eine Art Musterschüler: Technisch versiert, zweikampf- und willensstark – exakt die Fußball-Mixtur, auf die der Schweizer im Abstiegskampf setzt. Nordtveit ist einer von den vier Neulingen, die im Winter geholt worden sind, um mehr Stabilität zu bringen. Sechs Spiele hat er gemacht für Gladbach, aber schon drei verschiedene Jobs gehabt: rechter Verteidiger, Innenverteidiger und eben den des "Sechsers". Letzterer ist, was er favorisiert.
Dass Nordländer das Gladbacher Spiel von hinten raus organisieren, ist nicht neu. In der Aufstiegsmannschaft von 2001 war es Peter Nielsen, an dessen Spielweise die Nordtveits ansatzweise erinnert: Schneller ist der junge Mann, aber ebenso spektakulär unspektakulär wie es Nielsen war. Nordtveit war mit einer gewissen Sicherheit ins Spiel gegangen. "Als ich am Sonntag aufwachte, hatte ich das Gefühl, dass wir gewinnen", berichtete er. Darum brachte ihn auch das frühe 0:1 nicht aus der Ruhe. "Wir hatten ja noch 88 Minuten Zeit", wusste er. Die nutzte Borussia, um das Spiel zu drehen und zu gewinnen: "Gegen Schalke, ein Champions-League-Team, das gibt viel Selbstvertrauen. Jetzt wissen wir: Es geht."
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