Borussia Mönchengladbach: Nur ter Stegen glänzt
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 18.07.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Beim 0:0 gegen den FC Porto spielte Borussia über eine Stunde in Überzahl. Die besten Chancen hatte dennoch der Uefa-Cup-Sieger, doch Borussias Torhüter zeigte eine starke Leistung.
Borussias bester Spieler des Abends kommt völlig durchgeweicht in den Kabinengang, der im heruntergekommenen Niederrheinstadion in Oberhausen schlicht "Stolleneingang" heißt. Fußball heißt hier harte Arbeit, und davon lieferte Marc-André ter Stegen an diesem Abend reichlich.
Sein Anteil am 0:0 der Borussen gegen den FC Porto auf triefnassem Rasen war riesengroß. Gleich mehrfach rettete der 19-Jährige seine Mannschaft vor dem Rückstand, lieferte sich in der Anfangsphase ein Privatduell mit Portos gefährlichstem Angreifer Hulk. Ter Stegen ist in Top-Form, und das schon vor der Saison.
Seine Mitspieler, die müssen jedoch noch nachlegen. An der Spielansetzung kann es nicht gelegen haben. Mit großem Tamtam war der Uefa-Cup-Sieger in den Ruhrpott gereist, brachte eine Armada an Fans, Betreuern und Spielern mit. Fußball in Porto ist Leidenschaft. Und vor allem hohes Niveau. Das bekam Borussia schnell zu spüren. Trotz des schweren Geläufs liefen die Kombinationen des portugiesischen Spitzenklubs flüssig, zu flüssig für einige Borussen. Vor allem die Flügelflitzer Varela und Hulk entwischten der Abwehr immer wieder. Bis sie an Torhüter ter Stegen scheiterten.
Borussia – FC Porto 0:0
Borussia ter Stegen – Jantschke, Stranzl (69. Brouwers), Dante, Daems (69. Wendt) – Nordtveit (69. Korb), Neustädter (82. Marx) – Reus, Rupp – Hanke (69. Bobadilla), de Camargo (82. Herrmann)
Zuschauer 4000 (in Oberhausen)
Gelbe Karten Herrmann / Fernando, Castro
Gelb-Rot Hulk (Porto / 23.)
Die beiden Außenstürmer sind durchaus mit dem zu vergleichen, was Borussia beim ersten Bundesliga-Spiel in München erwartet. Viel langsamer als Arjen Robben oder Franck Ribèry waren Hulk und Varela nicht. Trainer Lucien Favre verbot sich jedoch Vergleiche: "Wir bereiten uns nicht auf München vor. Zuerst kommt Sunderland, dann spielen wir in Regensburg." Und letztlich würde Porto ja ein anderes System spielen als die Bayern.
Aufschlussreich war der Regen-Kick allemal. Bei Elf gegen Elf hoffnungslos unterlegen, kam Borussia nach dem Platzverweis gegen Hulk besser ins Spiel. In der zweiten Hälfte hatten Roman Neustädter, Igor de Camargo und Mike Hanke sogar Chancen, den Siegtreffer zu erzielen. Auf der anderen Seite zeigte sich vor allem ter Stegen. Sehenswert seine Parade gegen Hulks Lupfer, er agierte sicher und in ähnlicher Form, mit der er Borussia in der Schlussphase der vergangenen Saison so manchen Sieg bescherte.
Richtig zufrieden wirkte Trainer Favre nach der Partie jedoch nicht. Auch wenn er betonte: "Ich bin nicht beunruhigt." Nachdenklich dürfte ihn die Leistung der Offensivabteilung dennoch gestimmt haben. Wenig Kreativität, kaum Torchancen. Selbst ein Marco Reus tat sich gegen die flinken Portugiesen schwer. Alternativen sind nicht in Sicht, auch Yuki Otsu und Joshua King, die nun kommen, sind eher Akteure für die Bank.
Favre beschwert sich nicht. "Geben Sie uns ein paar Millionen, dann kaufen wir andere", sagt er, während er sich ein Lächeln abringt. "Ich wusste, was mich hier erwartet, deshalb bin ich nicht überrascht. Wir brauchen noch Zeit." Zwei Wochen hat er noch. Dann wird's ernst.
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