Borussia Mönchengladbach: Reus, das Vorbild
VON KARSTEN KELLERMANN BERICHTET AUS BAD WÖRISHOFEN - zuletzt aktualisiert: 29.06.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Marco Reus ist ein richtig guter Fußballer, aber bescheiden, trotz seiner Raketen-Karriere. Darum orientieren sich Borussias Nachwuchsspieler an dem 21-Jährigen. Er spricht über das Geheimnis seines Erfolgs.
Marco Reus hält nicht gern große Reden. So gesehen kam es ihm entgegen, dass er zuletzt zum dritten Mal sein Nationalmannschafts-Debüt wegen einer Verletzung verschieben musste. "Wenn einer debütiert hat, muss er einen Vortrag halten. So etwas habe ich schon in der Schule nicht gern gemacht", sagt Reus. Mit Bundestrainer Joachim Löw hat er verabredet, weiter seine Leistung zu bringen, "dann wird es beim nächsten Mal klappen", sagt Reus.
Die seltsame Pechsträhne beim DFB-Team passt nicht zum Rest der wundersamen Geschichte des Geschwindigkeitsfußballers. Als Zweitligaspieler kam er 2009 aus Ahlen und startete bei Borussia durch wie eine Rakete. In seiner ersten Bundesligasaison schoss er acht Tore, in seiner zweiten zehn. Die Fans wählten ihn zum Spieler der Rückrunde. "Das macht mich natürlich stolz", sagt Reus, der seit Montag im Trainingslager in Bad Wörishofen ist.
DFB-Pokal am Freitag
Regensburg Zur ersten Runde im DFB-Pokal tritt Borussia am Freitag, 29. Juli, um 20.30 Uhr beim Drittligisten SSV Jahn Regensburg an. Die Partie beim Klub nahe der tschechischen Grenze wird beim Pay-TV-Sender Sky live übertragen. Das "Schlagerspiel" am Montag ist Braunschweig gegen Bayern München.
Training Heute üben die Borussen wieder dreimal: um 7.30 Uhr ist ein Lauf, um 10.15 und 16.15 Uhr sind die Einheiten auf dem Platz.
21 Jahre ist der gebürtige Dortmunder alt – und schon ein Vorbild. Für die vielen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs nämlich, die mit dabei sind im Trainingslager: Dennis Dowidat (21), Julian Korb (19), Niklas Dams (21), Janis Blaswich (20) und Alexander Bieler (19), von dessen Trainingslager-Debüt Lucien Favre angetan ist. "Natürlich ist Marcos Werdegang ein Anreiz", sagt Dowidat. Der Linksfuß ist erstmals dabei. Da Juan Arango, Reus' Pendant auf den linken Außenbahn, erst Mitte Juli von der Copa America zurückkommt, könnte Dowidat die Chance haben, in den Kader zu rutschen, zumindest gilt er als Option für den Job.
"Soweit denke ich nicht, ich will mich aber empfehlen", sagt Dowidat. Das ist ein bescheidener Ansatz. Bescheidenheit zeichnet auch Reus aus. Große Worte sind seine Sache nicht, er will kein Popstar sein, sondern ganz einfach nur spielen. Das tut er so gut, dass er in der neusten Version des Fifa-Fußballmanagers zum besten Borussen programmiert wurde. Etwas verlegen macht ihn das, das spürt man. Auch die vielen Angebote, die ihm nachgesagt wurden, ließen ihn kalt. Reus ist ein Wohlfühlspieler, darum schloss er einen Wechsel zeitig aus. "Nur wenn ich mich wohl fühle, kann ich 100 Prozent Leistung bringen", sagt er. "Und bei Borussia fühlte ich mich vom ersten Tag an wohl."
Reus hat seinen Vertrag bis 2015 verlängert, es wurde eine astronomische Ablösesumme festgeschrieben: 2012 wären es 18 Millionen Euro. Vor der vergangenen Saison bot Wolfsburg 15 Millionen Euro. Das bringt den Rotblonden nicht aus der Ruhe. "Ich habe ein Umfeld, das hält mich auf dem Boden", sagt er. Sein Erfolgsgeheimnis: "Ich habe hart gearbeitet und hatte etwas Glück. Vor allem muss man an sich glauben, dann traut man sich mehr zu." Als Fußballer will er seine Technik und seine Schnelligkeit weiter verbessern. Ansonsten wäre über einen Rhetorikkurs nachzudenken. Um auf die Rede nach dem DFB-Einstand vorbereitet zu sein.
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