Borussia: Reus! Gladbach bleibt erstklassig
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRE SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 25.05.2011 - 22:35Als alles vorbei war, gab es kein Halten mehr. Borussias Fans brüllten sich die Freude aus dem Leib und der Mann des Abends verschwand unter einem Menschenhaufen: Marco Reus ist seit gestern Abend der größte Held der jüngsten Gladbacher Vereinsgeschichte. Mit seinem Tor zum 1:1 im zweiten Relegationsspiel beim VfL Bochum machte er das Rettungswunder perfekt.
Die erste gute Nachricht gab es für die Borussen-Fans vor dem Anpfiff. Reus, mit zehn Toren schon während der Saison die Lebensversicherung der Gladbacher, war fit. Die muskulären Probleme waren auskuriert, so dass Trainer Lucien Favre eben die Elf aufbieten konnte, die auch im Hinspiel begonnen hatte.
Erstmal aber war es der VfL Bochum, der, lautstark angespornt von seinen Fans, die Initiative ergriff. In der dritten Minuten hatten die Freunde des Zweitligadritten den Torschrei auf den Lippen, doch der Kopfball von Marcel Maltritz klatschte an die Querlatte. Bochum zeigte, dass der Wille groß war, das 0:1 aus dem Hinspiel flott wettzumachen. Borussia mühte sich, Ruhe und Ordnung ins Spiel zu bringen und lauerte auf günstige Kontermöglichkeiten.
Stimmen zum Spiel:
Trainer Friedhelm Funkel (VfL Bochum):
"Wir waren über 180 Minuten ein gleichwertiger Gegner und haben uns die Anerkennung verdient. Die etwas glücklichere Mannschaft ist letztlich in der Bundesliga geblieben. Dazu herzlichen Glückwunsch."
Trainer Lucien Favre (Borussia Mönchengladbach):
"Das ist phantastisch. Die Mannschaft hat Charakter gezeigt. Wir haben immer daran geglaubt, was wir können. Meine Spieler haben schnell verstanden, was ich wollte."
„Hier regiert der VfL“, brüllten Bochums Fans, um den Borussen klar zu machen, dass es kein Spaziergang werden würde zur endgültigen Rettung. Das Team von Friedhelm Funkel brachte ein, was es hat: Energie und Kampfkraft – und erarbeitete sich damit erst mal Vorteile. Borussia wirkte beeindruckt, kam kaum zu einem ordentlichen Spielaufbau. Favre missfiel das, er gestikulierte an der Außenlinie.
Dann bebte das Stadion an der Castroper Straße. Und das, weil ein Borusse traf – ins eigene Tor. Christoph Dabrowski flankte und Havard Nordtveit stolperte den Ball zum 1:0 über die Linie. Das Hinspielergebnis war nach 24 Minuten egalisiert. Bochum war euphorisiert, Borussia konsterniert. Die Nervenschlacht hatte nun eine ganz neue Qualität, nun waren beide Teams nur noch ein Gegentor vom Ende der Hoffnung entfernt. Die Gastgeber gingen die Geschichte nicht eben zimperlich an, vor allem Marco Reus bekam das zu spüren.Der ultimative Existenzkampf wurde das Kampfspiel, das Bochum wollte.
Dann hatte Borussia Pech, als ein Kopfball des fleißigen, aber wenig geordneten Mo Idrissou an die Latte flog. Es war nach 41 Minuten die erste echte Torgelegenheit der Borussen.
Wochenlang waren die Gladbacher auf den Punkt da in ihren Endspielen. Nun, da es um alles ging, fehlte der Zugriff auf das Spiel. Auch, weil Funkels Team vieles richtig machte. Sie ließen die individuellen Qualitäten des Gegners nicht zur Entfaltung kommen. Und waren gierig auf den Aufstieg, das war spürbar. Nur mühsam rackerten sie sich ins Spiel. Bochums Fans reagierten ungehalten, als sie spürten, dass die Gäste aktiver wurden: Als Marco Reus eine Ecke ausführen wollte, flogen Bierbecher (59.).
Das Spiel hatte nicht das hohe fußballerische Niveau der ersten Begegnung. Lucien Favre schaute mit besorgter Miene zu, brachte dann seinen Tor-Helden des Hinspiels, Igor de Camargo für Idrissou. Das schien seine Kollegen zu inspirieren, auch weil Bochum die Kräfte schwanden. Das nutzte Borussia gnadenlos aus. Matthias Ostrolek klärte de Camargos Kopfball noch auf der Linie, dann aber legte er den Ball entscheidend vor: Marco Reus schoss das 1:1 – in der 72. Minute war alles vorher vergessen. Reus, der schmächtige Kerl mit der großen Geschwindigkeit, machte perfekt, was sich die zuvor von vielen schon abgeschriebenen Borussen redlich erarbeitet haben: den Verbleib in der Bundesliga.
Statistik
Bochum: Luthe - Freier, Yahia, Maltritz, Ostrzolek - Dabrowski - Johansson, Toski - Azaouagh (63. Federico), Aydin, Dedic (75. Saglik). - Trainer: Funkel
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Neustädter, Nordtveit - Reus (85. Matmour), Arango - Hanke (90.+3 Brouwers), Idrissou (68. de Camargo). - Trainer: Favre
Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Tore: 1:0 Nordtveit (24., Eigentor), 1:1 Reus (72.)
Zuschauer: 28.650 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Ostrzolek, Aydin, Dabrowski - Dante
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