Borussia Mönchengladbach: Reus macht sich unsterblich
VON KARSTEN KELLERMANN UND ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 26.05.2011Der 21-Jährige hält mit seinem Treffer zum 1:1 in Bochum Borussia in der Ersten Liga. Dabei war bis kurz vor Beginn fraglich gewesen, ob der angeschlagene Stürmer auflaufen konnte. Doch er biss die Zähne zusammen.
Der Held der Saison war längst ausgewechselt, und doch sprintete er wie ein Wildgewordener auf den Platz. Nach dem Schlusspfiff gab es für Marco Reus kein Halten mehr. Der 21-Jährige stürmte los, zu Marc-André ter Stegen, zur Fankurve, zum Feiern. Ausgelassen tanzte Reus - im Trikot von Havard Nordtveit - mit seinen Mannschaftskollegen vor den Fans.
Nur knapp 20 Minuten zuvor war der kommende Nationalspieler auf Knien über den Rasen gerutscht. Soeben hatte er fast ganz alleine Borussia vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit gerettet. 1:0 stand es für Bochum im Rückspiel der Relegation, es drohte die Verlängerung, als Igor de Camargo einen feinen Pass spielte - und Reus mit einem trockenen Schuss den Ball ins rechte untere Toreck beförderte. Es war das Tor zum Klassenerhalt.
Heute letztes Training
Heute vormittag treffen sich die Borussen zum letzten Training dieser Saison. Die genaue Uhrzeit stand gestern Abend noch nicht fest. Die Spieler bekommen danach ihre Trainingspläne für die freie Zeit und gehen dann in den Urlaub. Trainer Lucien Favre wird am Sonntag bei der Mitgliederversammlung im Borussia-Park (12 Uhr) dabei sein.
Er war die Lebensversicherung
Ein Tor, das vielleicht nie gefallen wäre. Denn Reus, der schmächtige Dribbler, wäre dem VfL Wolfsburg vor der Saison 15 Millionen Euro wert gewesen. Es war Borussias Lebensversicherung, das Wahnsinnsangebot abgelehnt und ihn in Mönchengladbach gehalten zu haben. Seine zehn Tore und neun Vorlagen in der regulären Saison schossen Borussia in die Relegation.
Doch spätestens, als er in der 72. Minute mitten ins Herz des VfL Bochum traf und Borussia mit seinem Ausgleich den Klassenerhalt sicherte, vergoldete Reus seinen Marktwert - und machte sich für Borussia unsterblich. Dabei hing sein Auftritt lange an einem seidenen Faden. Nach einer Verletzung im Hinspiel bangte ganz Mönchengladbach um den linken Oberschenkel des Jungstars. Zunächst Muskelfaserriss, dann doch nur eine Verhärtung, waren die Diagnosen. Reus wurde von der medizinischen Abteilung gehegt und gepflegt, und knapp eine Stunde vor Spielbeginn war klar: Er kann spielen.
An seinem Einsatz hat Reus indes zunächst wenig Spaß gehabt. Von den Bochumern wurde der angeschlagene Flügelflitzer als Anschlagsopfer auserkoren: allein in der ersten Halbzeit wurde der 21-Jährige mehrfach weggegrätscht. Einmal auch im Strafraum. Doch das Foul - Reus fiel über ein ausgestrecktes Bein - reichte nicht für einen Elfmeter. Reus rannte, zeigte den Verteidigern den Unterschied zwischen Erster und Zweiter Liga.
Zu oft war im dichtgestaffelten Bochumer Abwehrgestrüpp jedoch kein Durchkommen. Erst gegen Ende der ersten Hälfte kam Borussia - und damit auch Reus - mehr und mehr in die Partie. Seinen ersten Torschrei hatte der Angreifer in der 55. Minute auf den Lippen. Doch nur reflexhaft. Denn eigentlich wusste er, dass er nach der Fallrückzieher-Vorlage Mo Idrissous im Abseits stand. Es sollte nur ein Aufschub sein. Eine gute Viertelstunde später hatte Reus sich für Borussia unsterblich gemacht. Und war froh, dass er auf die Zähne gebissen und so lange durchgehalten hatte: "Es ist etwas Besonderes, in so einem Spiel dabei gewesen zu sein."
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