Borussia Mönchengladbach: Reus überragt alle
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 26.09.2011 - 14:31Mönchengladbach (RP). (RP). Einem grandiosen Solo des Westfalen ging Gladbachs Siegtreffer zum 1:0 gegen Nürnberg voraus, den Daems mit einem Elfmeter erzielte. "Er spielt wie auf der Playstation", sagt Trainer Favre über seinen wertvollsten Profi.
Es gibt Fußballer, über die gesagt wird, sie könnten ihre Gegenspieler auf einem Bierdeckel austricksen. Lucien Favre, der Trainer von Borussia Mönchengladbach, hat nun eine edlere Variante dieser Metapher erfunden. "Wow", sagte der Schweizer, als er auf den Sololauf von Marco Reus angesprochen wurde, der in der Konsequenz das 1:0-Siegtor der Gladbacher gegen Nürnberg brachte. Und dann griff sich Favre eine Serviette und zeichnete mit den Fingern nach, wie Reus es gemacht hat. Was Favre in imaginären Linien aufmalte, dürfte Javier Pinola in der Nacht als Albtraum heimgesucht haben. Dem Argentinier lief Reus an der rechten Außenlinie davon, erst schnurstracks die Linie entlang, dann – schwups wurde die Richtung geändert – parallel zum Strafraum, ein Doppelpass mit Igor den Camargo und hinein in die Gefahrenzone. Dort wusste sich Pinola nicht anders zu helfen, als Reus einen Schubser zu geben – was in diesem Tempo unweigerlich zum Sturzflug führte. Filip Daems verwandelte seinen zehnten von zehn Elfmetern für Gladbach.
"Fantastisch" fand Lucien Favre die Aktion seines wertvollsten Spielers. Er garnierte das Lob mit einem Blick, den man sonst von Kunstliebhabern kennt, die ein außergewöhnliches Gemälde betrachten: entzückt, fasziniert, beeindruckt. Tatsächlich war das, was Reus gegen den "Club" zeigte, nahe daran, meisterlich zu sein. Er war an fast allen gefährlichen Situationen beteiligt, und es gab viele davon.
Hätte er eine seiner Chancen genutzt, hätte sich der schmale Westfale das Prädikat "Weltklasse" verdient. Doch dreimal fehlte die Präzision bei seinen Schüssen, und in der 85. Minute waren es die Fingerspitzen des Nürnberger Torwarts Alexander Stephan, die die Krönung des Reusschen Opus verhinderten. "Sicher hätte ich ein Tor machen müssen. Aber es ist egal, wir haben gewonnen, und nur das ist wichtig", sagte Reus – wie immer im total unaufgeregten Tonfall. Man könnte meinen, er habe unglaublich viel fußballerisches Talent, aber etwas zu wenig Emotion in die Wiege gelegt bekommen. Seine Teamkameraden indes berichten, dass der gebürtige Dortmunder ein fideler Zeitgenosse sei, mit dem man viel Spaß haben könne.
"Woody" nennen sie ihn, angelehnt an den Zeichentrickvogel Woody Woodpecker. Der ist blitzschnell wie Reus, ein wenig ähnelt sich der Laufstil der beiden. Für Favre ist das Phänomen Reus nur so zu erklären: "Er spielt wie auf der Playstation." Tatsächlich wirkt es manchmal, als habe jemand Reus programmiert: Er "wedelt" die Gegner auf engstem Raum aus und rennt ihnen weg, als wären sie im Zeitlupenmodus unterwegs. Die Nürnberger hatten das Pech, auf einen Reus in Höchstform zu treffen. "Ich hatte zuletzt nicht so gut gespielt, darum hatte ich mir etwas vorgenommen", sagte er.
Reus in dieser Form kann jeder Klub der Welt gebrauchen. 18 Millionen Euro ist er wert im nächsten Sommer, auf diese Summe hat Borussia die Ablöse festgeschrieben. Für Gladbach jedoch ist Reus unbezahlbar. Seine Tore waren das Lebenselixier im Abstiegskampf. Und nun trägt Reus entscheidend dazu bei, dass aus dem Fast-Absteiger ein Team geworden ist, das "im Moment eine der besten Mannschaften der Bundesliga ist", wie Nürnbergs Trainer Dieter Hecking findet. 16 Punkte, nur drei Gegentore, viermal zu 1:0 gewonnen: "Das ist ein toller Start", findet Favre.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum









