Borussia Mönchengladbach: Reus will für Borussia kämpfen
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 09.01.2012 - 15:53Belek (RP). Im Trainingslager in der Türkei bekräftigt der Offensivspieler, sich bis zur letzten Partie für seinen Noch-Arbeitgeber einzusetzen. Die Gerüchte um weitere Abgänge beim Vierten der Bundesliga reißen nicht ab.
Eigentlich hat sich doch gar nichts geändert. Marco Reus sitzt lässig in einem Sessel im Mannschaftshotel, die Beine übereinandergelegt. Er wirkt entspannt. Der 22-Jährige ist mit Borussia im Trainingslager in Belek und macht das, was er immer macht. Er trainiert, schreibt Autogramme und führt den Klub mit zwei Vorlagen zum 3:2-Sieg im ersten Testspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Doch bald wird er diese Dinge bei Borussia Dortmund tun. Und dieser Wechsel ist irgendwie der Auslöser dafür, dass die euphorisierte Gladbacher Fußball-Welt gehörig ins Wanken geraten ist. Spekulationen sind plötzlich Tür und Tor geöffnet – und in der Heimat mehrt sich die Angst, das "Borussia-Märchen" könnte eines ohne Happy-End sein.
Marco Reus wirkt nicht so, als würden ihn Gedanken dieser Art belasten. "Wir lassen uns nicht beeinflussen, denn wir sind eine gute Truppe", sagt er. Eine Truppe, die, so Reus, noch einiges vorhat. Am 20. Januar spielt Borussia gegen die Bayern. "Und wir wollen ihnen mehr Paroli bieten als noch im Hinspiel." Damals siegte Gladbach wohlgemerkt 1:0 in der Allianz-Arena. "Die ersten vier Spiele nach der Winterpause, die werden wichtig für uns", sagt er. Am 18. Spieltag geht es nach Stuttgart, dann nach Wolfsburg, und danach wartet Berlin im Pokal-Viertelfinale. "Ich denke, dann wissen wir, in welche Richtung es gehen wird."
Die nackten Fakten sprechen sowieso nicht für einen jähen Absturz. Borussia ist Tabellenvierter in der Liga und hat einen äußert komfortablen Zehn-Punkte-Vorsprung auf einen Nicht-Europapokalplatz. Der Verein wird in der kommenden Saison bislang ganz sicher zwei Spieler verlieren. Den Star, der kaum zu ersetzen ist, für den es aber ein beeindruckendes Schmerzensgeld von 17,5 Millionen Euro gibt. Und Roman Neustädter, der ablösefrei geht, für den es aber adäquate und bezahlbare Alternativen geben wird. Es sind die Gerüchte, die die Stimmung trüben. Um Trainer Lucien Favre, Juan Arango und Dante ranken wildeste Abschieds-Szenarien. Im britischen "Independent" tauchte Havard Nordtveit plötzlich auf einer Einkaufsliste des FC Liverpool auf.
Es sind Probleme, die teilweise hausgemacht sind. Durch Favre zum Beispiel, der sich zu einem turbulenten Zeitpunkt dazu entschied, öffentlich Druck auf die Vereinsführung auszuüben, weil er Angst um künftigen Erfolg hatte. Dabei sind hochkarätige Abgänge gar nicht so wahrscheinlich. In Juan Arangos Vertrag ist eine automatische Verlängerung bei einer bestimmten Anzahl von Spielen enthalten, die er, so er sich nicht schwer verletzt, sicher erreichen wird. Im Fall Dante sagt Sportdirektor Max Eberl: "Wir hatten vergangenes Jahr gute Gespräche. Natürlich möchte er einmal international spielen. Aber ich habe das Gefühl, dass er sehr zufrieden ist mit dem Weg, den wir eingeschlagen haben."
Reus muss das alles sehr bald nicht mehr tangieren. Doch so ist er nicht. Er verspricht, sich bis zuletzt für Borussia zu zerreißen. Und auch er weiß, dass Erfolg die einfachste Möglichkeit wäre, Spekulationen zu ersticken. "Wir profitieren alle davon, wenn wir gut spielen." Wenn man ihm in die Augen schaut, während er diese Worte sagt, weiß man: Er meint es ernst.
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