Borussia: Reus wird Nationalspieler
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 06.08.2010 - 12:50Als er zum ersten Mal Nationalspieler werden konnte, musste Marco Reus die einladung von Bundestrainer Joachim Löw ausschlagen, weil die Muskeln zwickten. Das war kurz nach der vergangenen Saison zum Länderspiel gegen Malta. Nun ist Reus dabei.
Sein Debüt im DFB-Team wird er am kommenden Mittwoch feiern in Dänemark. Dort tritt der WM-Dritte zum Testspiel an. Dass Reus zum Einsatz kommt, ist anzunehmen, denn der Bundestrainer schont viele WM-Fahrer und daher gibt es Vakanzen in der Offensive.
Überraschend kommt die Einladung nicht, schließlich hatte Löw angekündigt, Reus' Zeit im Nationalteam werde nach der WM kommen. Für den jungen Borussen, der vor etwas mehr als einem Jahr noch in der Zweiten Liga spielte, ist es dennoch ein Ritterschlag. "Marco hat eine gute Saison gespielt und jetzt auch eine gute Vorbereitung gemacht. Die Nominierung ist eine Anerkennung für ihn", sagt Trainer Michael Frontzeck, der mit Löw ausführlich über Reus gesprochen hat, um den nationalen Cheftrainer über den Status quo des 21-Jährigen zu informieren.
"Natürlich freue ich mich sehr über die Einladung", sagt Marco Reus selbst. "Ich hätte ja schon im Mai dabei sein sollen, als die deutsche Mannschaft in Aachen gegen Malta gespielt hat. Damals musste ich leider absagen, weil ich mich im letzten Bundesligaspiel verletzt hatte. Ich war trotzdem einen Tag im Kreis der Mannschaft dabei und freue mich jetzt sehr darauf, wiederkommen zu dürfen. Natürlich weiß ich, dass das auch damit zu tun hat, dass viele WM-Spieler fehlen. Ich hoffe, dass ich zum Einsatz komme und werde dann versuchen zu zeigen, dass ich zurecht eingeladen worden bin", wird er auf Borussias Internetseite zitiert.
Dass Reus durch den Start seiner Nationalmannschaftskarriere die Bodenhaftung verliert, ist indes nicht zu befürchten. "Marco ist klar im Kopf. Und ich glaube auch nicht, dass er in ein Loch fällt nach der tollen letzten Saison", sagt Sportdirektor Max Eberl. "Auf Marko wird jetzt natürlich noch mehr zukommen. Aber ich bin mir sicher, dass er es einzuschätzen weiß", sagt Frontzeck.
Der gebürtige Dortmunder ist keiner mit großen Flausen im Kopf. Er will einfach nur Fußball spielen - und das hat er in der vergangenen Saison mit großer Leichtigkeit und Freude getan. Acht Tore schoss er und bereitete vier vor. Seine geradlinigen Sololäufe schauen so verblüffend leichtfüßig aus, doch ist Reus auch ein fleißiger Arbeiter, der auch defensiv absichern kann.
1,5 Millionen Euro hat Borussia für ihn bezahlt, und im Rückblick ist Sportdirektor Max Eberl damit ein Transfer-Coup gelungen. Laut "Transfermarkt.de" liegt der aktuelle Marktwert bei 5,5 Millionen Euro. Dass er künftig Nationalspieler ist, dürfte ihn noch wertvoller machen.
"Ich werde weiter Gas geben", sagt Reus immer. Er weiß, dass er noch am Anfang steht. Und auch, dass all das Lob, das er nun bekommt, schnell in harsche Kritik umschlagen kann, wenn es nicht läuft. Darum hält er sich zurück mit großen Sprüchen, was ihn in Interviews etwas entemotionalisiert wirken lässt. Im Freundeskreis indes, da ist Reus ein echter Spaßvogel.
Der junge Mann, der seinen Vornamen als Tattoo auf dem Unterarm trägt, wird etwas traurig sein, dass sein Kumpel Kevin Großkreutz, mit dem er in Ahlen ein dynamisches Duo bildete, nicht dabei ist in Kopenhagen. Der Dortmunder gehört zum U21-Aufgebot.
Sollte Reus spielen, wäre er der 34. Borussia-Spieler, der in der deutschen A-Nationalmannschaft ein Länderspiel bestreitet. Der erste war Heinz Ditgens (am 4. August 1936 gegen Luxemburg), der bislang letzte Marko Marin (am 28. März 2009 gegen Liechtenstein). Borussias Rekord-Nationalspieler ist Berti Vogts (96 Länderspiele zwischen 1967 und 1978).
Vier weitere Borussen sind in der nächsten Woche auf Länderspielreise. Juan Arango spielt mit Venezuela am Mittwoch in Panama City gegen Panama, Logan Bailly gehört am selben Tag zum belgischen Aufgebot in Finnland, Michael Bradley spielt ebenfalls am 11. August in East Rutherford mit den USA gegen Rekordweltmeister Brasilien und Karim Matmour mit Algerien gegen Gabun.
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