Borussia Mönchengladbach: Reus zeigt Größe
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 23.12.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Der 22-Jährige ließ sich von Schalker Fußtritten oder sonstigen Attacken nicht provozieren, sondern antwortete sportlich: mit einem Doppelschlag. Selbst für seinen kleinen Trick beim 3:1 entschuldigte sich der Stürmer hinterher.
Lucien Favre schüttelte nur mit dem Kopf, von Gegenspieler Christian Fuchs gab es noch eine kleine Standpauke, doch so wirklich wollte man Marco Reus nun wirklich nichts verübeln. Natürlich war er unnötig, der kleine Trick, mit dem Borussias Aushängeschild den Ball zum 3:1 gegen Schalke 04 über die Line des verwaisten Gäste-Tores brachte. Es war jedoch die einzige klitzekleine Entgleisung des 22-Jährigen in einem Spiel, in dem gerade er zuvor so richtig einstecken musste.
"Ich hätte das nicht machen müssen", sagte Reus selbstkritisch nach Abpfiff. "Aber es war so viel Brisanz in der Partie ..." Allerdings. Spätestens nach dem niederträchtigen Fußtritt von Jermaine Jones auf den lädierten Zeh war mächtig Feuer drin, in diesem Achtelfinalduell zwischen Gladbach und Schalke. Spielerisch nicht, dafür nämlich präsentierten sich die Gelsenkirchener über weite Strecken viel zu desolat. Aber das Maß an Nickligkeiten – vor allem seitens der Schalker – war schon beträchtlich. Zwei Platzverweise für die Gäste waren die nur logische Konsequenz des Geschehens.
So geht es weiter
Trainingsbeginn 3. Januar 2012, 15 Uhr
Trainingslager vom 5. bis 12. Januar in Belek (Türkei)
Rückrundenauftakt Freitag, 20. Januar, 20.30 Uhr: Borussia – Bayern München
Viertelfinale im DFB-Pokal: Hertha BSC Berlin – Borussia; Holstein Kiel – Dortmund; Stuttgart – Bayern und Hoffenheim – Fürth (7. und 8. Februar 2012)
"Das zeigt ein wenig, wie viel Respekt Schalke uns als Mannschaft entgegengebracht hat", bemerkte Reus ironisch. Er und seine Mitstreiter gaben jedoch die richtige Antwort – auf dem Platz. Rund 70 Minuten dominierten sie den Gegner mit dem einzigen Makel, dass sie bis zum Anschlusstreffer von Julian Draxler eben "nur" 2:0 führten. "Ich weiß auch nicht, warum wir nach dem Platzverweis gegen Huntelaar nicht richtig weiter gedrückt haben", sagte Stürmer Mike Hanke. "Aber so etwas passiert im Fußball ja immer wieder."
Eine einhellige Meinung hatten die Mannschaftskollegen jedenfalls zum Verhalten von Jermaine Jones. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagte zum Beispiel Marc-André ter Stegen. Nur das Opfer selbst hielt sich merklich zurück. "Wenn er meint, er hat das nötig, dann soll er das machen", sagte Reus nur. Auf dem Platz ließ er sich zu keiner Revanche-Aktion hinreißen, sondern schoss lieber zwei Tore. "Solch ein Weitschuss gelingt auch nicht alle Tage", befand der Doppeltorschütze zu seinem Treffer zum 2:0.
Marco Reus hat spätestens am Mittwoch unter Beweis gestellt, welche Reife er als Fußballer inzwischen erreicht hat. Er lässt sich von Nebengeräuschen und Provokationen nicht anstecken. "Reus will nur spielen", heißt es gerne. Aber das wäre zu einfach, ihn als unbekümmerten Jungen darzustellen. Marco Reus hat durchaus eine Meinung zu vielen Themen, und wenn er sie äußert, klingt sie auch immer erstaunlich fundiert. Er tut es nur nicht immer.
Genau das ist die Stärke des 22-Jährigen. Er glänzt nicht durch Worte, sondern lässt Taten sprechen. Das ist gut für ihn. Und für Borussia.
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