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Borussia: Robben besiegt Gladbach

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 02.04.2011 - 17:24

In den 1970er Jahren war es meist ein Duell um die Meisterschaft, doch längst liegen Welten zwischen dem FC Bayern München und Borussia. Nun reisten die Gladbacher als ständiger Letzter zum Rekordmeister – und unterlagen 0:1.

Nach einer ausgeglichenen ersten Halbzeit, in der die Mannschaft von Lucien Favre zuweilen sogar recht forsch nach vorn spielte, hielt der Abstiegskandidat dem erhöhten Ansturm der Münchener nach der Pause lange stand – bis Arjen Robben in der 78. Minute traf. Somit wird der dritte Abstieg schrittweise Realität, während der FC Bayern durch den knappen Erfolg auf den dritten Platz kletterte, weil Konkurrent Hannover in Dortmund unterlag.

„Die Mannschaften, die hier in dieser Saison gewonnen haben, Dortmund und Mainz, haben offensiv gespielt. Die anderen stehen mit zehn Mann am eigenen Strafraum“, hatte Bayern-Trainer Louis van Gaal vor dem Spiel gesagt. Und wohl eine Beton-Aufstellung des Tabellenletzten aus Mönchengladbach erwartet. Trainer Lucien Favre löste aber die zuletzt erprobte Dreifach-Sechs auf, setzte die Kämpfertypen Michael Fink und Thorben Marx auf die Bank und installierte statt dessen die spielerische Variante im defensiven Mittelfeld: N & N – Havard Nordtveit und Roman Neustädter. Zudem bot der Schweizer in der Allianz-Arena zwei Spitzen auf. Der flinke Marco Reus unterstützte Strafraumstürmer Mike Hanke. Der erhielt überraschend den Vorzug vor dem bulligeren Mo Idrissou, der zuletzt erste Wahl im Zentrum des Angriffs war und beim 4:1-Testspielerfolg gegen den FC Emmen zwei Tore erzielt hatte.

Gleich zu Beginn zeigten die Borussen, dass sie durchaus den Weg nach vorn suchen wollten. Marco Reus setzte sich bei einem Solo allerdings irregulär ein, Schiedsrichter Christian Dingert entschied auf Stürmerfoul. „Steht auf, wenn ihr Borussen seid“, brüllten die Gladbacher Fans und hatten in der Anfangsphase das phonetische Übergewicht im mit 69 000 Zuschauern ausverkaufen Münchener Stadion.

Die Bayern taten sich schwer, ins Spiel zu kommen – auch, weil die Gladbacher unerwartet forsch auftraten. Van Gaals Ansatz, über massiven Ballbesitz das Geschehen zu beherrschen funktionierte nicht, weil es leicht Fehler im Spielaufbau gab: Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos bekamen die Sache nicht so recht zu packen. Nur Arjen Robben hatte zuweilen zu viel Freiraum, in der 11. Minute verschätzte sich Filip Daems, doch Robbens Schussversuch flog über das Tor. In diesem stand wieder Logan Bailly, dem Favre trotz des unglaublichen Eigentores beim 0:1 gegen Kaiserslautern das Vertrauen schenkte.

Immerhin meldeten sich nach 15 Minuten auch die Bayern-Freunde zu Wort. Und Arjen Robben legte sich 20 Meter vor dem Tor den Ball zum Freistoß zurecht, mit viel Liebe zu Detail. Sein Schuss aber war weniger detailverliebt, der Ball sauste wieder auf die Tribüne. Doch der Niederländer hatte nun den Spaß an diesem Spiel entdeckt. Er narrte erneut Daems, Bailly wehrte seinen Schuss ab und Mario Gomez verpasste den Nachschuss (19.). Nur eine Minute später hatte Robben nach Ribérys Flanke mit einem Kopfball wieder kein Glück. Gladbach hielt aber dagegen. Reus flankte, doch Neustädter kam wenige Meter vor dem Tor nicht richtig an den Ball (21.).

Es war ein durchaus offenes Spiel, eben weil sich die Borussen auch etwas trauten. Wenn es nach vorn ging, dann mit flottem Kurzpassspiel der Marke Favre. Vor allem Marco Reus, der inzwischen wie auch Abwehrmann Dante mit den Bayern in Verbindung gebracht wird (was allerdings für eine fast endlose Reihe von Spielern gilt), hatte sich sichtlich etwas vorgenommen für diesen Tag, an dem beide Teams eigentlich nicht verlieren durften. Die Borussen, um sich ihre gefühlte Chance im Abstiegskampf zu bewahren, und die Bayern, um ihre Champions-League-Ambitionen zu unterstreichen.

Da der Tabellenstand aber die Gladbacher als klaren Außenseiter definierte, waren die Fans der Münchner mehr und mehr unzufrieden mit den Darbietungen der Stars. Als Franck Ribéry einen Ball im Nichts platzierte, statt an den Mann zu bringen, gab es ein erstes Pfeifkonzert (30.). Da klangen die Gesänge der Gladbach-Anhänger weitaus zufriedener. Die rot-weiße Konkurrenz war zudem damit beschäftigt, mit ständigen wechselnden Plakaten den wackeligen Stadion-Partner 1860 München und Bayern-Präsident Uli Hoeneß, der dem Stadtrivalen Hilfe zugesagt hat, zu schmähen. Als Schiedsrichter Dingert dann zur Halbzeit pfiff, rumorte es aber erneut gewaltig dort, wo die „Roten“ saßen.

Als die Seiten gewechselt waren, mühten sich die Münchener um mehr Aktivität. Die Borussen standen nun tiefer, was dem Gegner, insbesondere dem bis dahin fast unsichtbaren Ribéry, mehr Räume gab. Doch nach wie vor war das Spiel der Bayern zu ungenau und zu kompliziert. Gladbach fand offensiv kaum mehr statt, so dass sich mehr und mehr das von van Gaal erwartete Anrennen gegen elf Spieler im eigenen Strafraum einstellte. Das Pressing der Bayern schüchterte die Borussen merklich ein, doch noch hatten sie Glück: Ribéry schoss am langen Pfosten vorbei (53.).

Nach 57 Minuten wurden die Borussen dann doch mal wieder vor Thomas Kraft vorstellig, doch Patrick Herrmanns Pass auf Reus wurde abgefangen. Ansonsten ging es nur in eine Richtung, wobei es vor allem der nur sehr engagierte Ribéry war, der die Bayern-Angriffe initiierte. Arjen Robben auf der anderen Seite war indes kaum noch zu sehen. Ribéry war es dann auch, der in der 67. Minute einen Freistoß herausholte und selbst schoss – aber über den Querbalken den Gladbacher Tores. Mario Gomez' Kopfballversuch flog ebenfalls am Tor vorbei (73.). Im Gegenzug scheiterte der eingewechselte Idrissou an Thomas Kraft (74.).

Wohl dem, der in so einem Spiel einen Robben hat. In der 78. Minute kam der Ball nach der Vorarbeit von Ribéry zu Robben, der ihn dann eiskalt ins Netz beförderte. Borussias Defensive hatte lang gut gestanden, in dieser Szene aber machte sie es dem Torschützen viel zu leicht, zumal Marco Reus zuvor im Mittelfeld einen verheerenden Fehlpass gespielt hatte. So verloren die Borussen das nächste Stück Hoffnung auf das Wunder. Die Bayern-Fans verabschiedeten die Gladbacher verbal bereits in die Zweite Liga.

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STATISTIK:

München: Kraft - Lahm, Luiz Gustavo, Badstuber, Pranjic - Schweinsteiger, Toni Kroos (72. Ottl) - Robben, Thomas Müller (72. Klose), Ribery - Gomez. - Trainer: van Gaal

Mönchengladbach: Bailly - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter (86. Brouwers) - Herrmann (63. Matmour), Arango - Reus, Hanke (72. Idrissou). - Trainer: Favre

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)

Tor: 1:0 Robben (77.)

Zuschauer: 69.000 (ausverkauft)

Beste Spieler: Badstuber, Robben - Dante, Reus

Gelbe Karten: Lahm (3), Robben (3) - Reus (9)

Torschüsse: 15:7

Ecken: 7:4

Ballbesitz: 59:41 Prozent

Fouls: 11:15

Quelle: sid/chk

 
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