Borussia: Schinkenwurst und Wirbelwind
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 11.04.2007Marko Marin und Moses Lamidi haben als erste aus Borussias Jugend-Internat den Sprung in die Bundesliga geschafft. Acht weitere Talente leben dort. „Internats-Mama“ Birgit Lintjens stellt die Zukunft des Klubs vor.
Roland Virkus ist zufrieden. „Seit drei Jahren gibt es unser Jugend-Internat. Jetzt haben mit Moses Lamidi und Marko Marin zwei Spieler aus dem Internat den Sprung in die Bundesliga geschafft. Das ist eine sehr gute Quote “, sagt der Leiter des Fohlenstalls im Borussia-Park. Zwölf Plätze gibt es im Internat, zehn sind derzeit belegt. Roland Virkus, nebenbei auch Trainer der U15, ist für die pädagogische Ausbildung zuständig, die Trainer für die sportliche Entwicklung der Talente. „Internats-Mama“ Birgit Lintjens, die sozusagen die legitime Nachfolgerin von Mathilde Steinbrück („Tante Titti“) ist, die sich einst rührend um das Wohl der Gladbacher Fohlen sorgte, bereitet hingegen die Internatsschüler auf das Leben vor. Lintjens lebt mit ihrem Mann Wolfgang im Internat. Sie kennt also Borussias Zukunft wie kein anderer. In der Rheinischen Post stellt die 51-Jährige ihre „Jungs“ ganz persönlich vor.
Dennis Dowidat (17)
„Dennis, der Stürmer der U17 ist, ist seit Oktober 2006 bei uns. Er ist ein Guter, Lustiger und sehr pfiffig. Ich nenne ihn meine rheinische Schinkenwurst, weil er ein ganz typischer Rheinländer ist. Er kommt aus Düsseldorf und ist leicht, locker und unkompliziert.
Moses Lamidi (19)
„Moses ist ein ganz herzlicher Kamerad, der immer für seine Freunde da ist. Er ist sehr kinderlieb. Moses ist ein richtiger Familienmensch. Nur der Küchendienst ist nicht sein Ding. Aber in den letzten Wochen hat er öfter mal den Handstaubsauger rausgeholt und Krümel weggesaugt. Im Sommer wird er uns leider verlassen, weil er in den Seniorenbereich wechselt. Darum ist Moses auf Wohnungssuche. Wir sind natürlich alle ganz stolz auf ihn, weil er der erste aus dem Internat ist, der den Sprung in die Bundesliga geschafft hat.“
Fabian Bäcker (16)
„Er war einer der ersten, die bei uns eingezogen sind. Fabian ist jetzt Angreifer in der U17. Als er zu uns kam, war er 14 und stand anfangs schon immer mit gepackten Koffern bereit, wenn seine Eltern ihn abgeholt haben. Seine Familie ist ihm sehr wichtig. Sein Vater ist Pfarrer, aber ganz so fromm ist Fabian nicht. Er hat das Zimmer gegenüber der Vorratskammer. So kann er immer, wenn er Hunger hat, zugreifen. “
Eric Schaaf (16)
„Eric spielt in der U17. Er ist am 10. Juli 2006 eingezogen. Eric bekommt viel Besuch von seiner Familie. Sein Opa sagt immer zu mir: ,Passen Sie gut auf meinen Jungen auf.’ Eric ist sehr kameradschaftlich.“
Tony Jantschke (17)
„Tony kommt aus Dresden. Von dort kennt er das Internatsleben schon, denn mit zehn Jahren kam er in das Internat von Dynamo. Das merkt man. Er ist sehr selbstständig, kann sich toll organisieren und hat alles gut im Griff: Den Fußball, er spielt in unserer U17, die Schule und seine privaten Sachen. Tony ist hier der Partylöwe. Und, das sagen viele, unser Schönster.“
Joachim Ball (16)
„Jojo ist Torwart der U17. Er ist ein bisschen anders als die anderen hier, etwas reifer und zurückhaltend. Er ist ein blitzgescheiter Junge, aber sehr in sich gekehrt.“
Oliver Stang (18)
„Oliver ist Verteidiger in der U23. Wie Moses muss er im Sommer ausziehen, weil er in den Seniorenbereich wechselt. Mit 1,93 Metern ist Oliver der Längste im Internat. Er ist ein ganz, ganz Lieber und sozusagen der heimliche Internats-Chef. Er ist sehr zuverlässig und kümmert sich um alles. Allerdings ist er auch einer von denen, die am lautesten Musik hören. Ich werde sehr traurig sein, wenn er geht.“
Fabian Großeschallau (19)
„Fabian ist von Anfang an an dabei und spielt jetzt in der U19. Er kam vom SC Verl und ist ein echter Westfale: sehr zuverlässig und bodenständig. Ich würde sagen, er ist der Kopf des Internats und unser Musterschüler. Den würde ich gleich adoptieren. Er ist ganz sanft, aber mental sehr stark. Er weiß genau, wann er den Mund halten muss und wann nicht. Er versucht immer zu vermitteln, hilft mir am meisten von allen und hält alle ein bisschen zusammen. Leider wird auch Fabian uns im Sommer verlassen.“
Patrick Schaaf (17)
„Patrick, der in der U19 spielt, ist einer vom alten Schlag, so würde ich es nennen. Denn er hat Charaktereigenschaften, die viele Jugendliche heute nicht mehr haben. Patrick ist aber auch unsere Wundertüte. Als ihn seine Mutter brachte, sagte sie: ,Frau Lintjens, Sie müssen auf dies und das achten.’ Patrick ist am meisten von allen verletzt und krank. Letztes Jahre hatte er eine ganz seltsame Krankheit und kriegte dazu noch die Masern. Er ist ein kleiner Unglücksrabe. Er ist ein wenig tollpatschig. Und der Internats-Clown. Patrick bringt uns immer wieder zum Lachen.“
Marko Marin (18)
„Marko ist der Kleinste im Internat, aber momentan wohl der Bekannteste, nicht erst seit dem ersten Bundesligaspiel. Als er gerade bei uns war, habe ich ihn mit zum Hähnchenholen genommen. Der Mann im Imbiss fragte: ,Du bist doch nicht etwa DER Marin?’ Allüren hat Marko aber keine. Er ist ein liebenswerter Chaot. Keiner sucht so oft nach seinem Handy wie er. Wenn er in der Stadt unterwegs ist, ruft er mich oft an und fragt, woher er gehen muss. Er ist ein richtiger Mama-Junge. Aber er geht ganz leicht durchs Leben, bekommt alles richtig gut hin, egal ob Fußball oder Schule, die ihm sehr wichtig ist. Marko ist ein Pfiffikus. Nur mit der Ordnung tut er sich etwas schwer. Er hat viel Temperament und kriegt im Moment die meiste Fanpost. Vor allem von Mädchen. Marko ist ein kleiner Frauenschwarm, er hat richtig viele Groupies.“
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