Borussia Mönchengladbach: Schürrle klaut Gladbach den Sieg
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 15.10.2011 - 17:37Mönchengladbach (RP). André Schürrle hat Borussia Mönchengladbach den Sieg im "kleinen" rheinischen Derby geklaut. Nach Toren von Marco Reus und Patrick Herrmann, die zugleich die Besten beim Sieger waren, sah Gladbach beim 2:2 schon wie der sichere Sieger aus.
Doch ein herrlicher Drehschuss des Nationalspielers kam Bayer zu einem unverdienten Punktgewinn – und das in Unterzahl, weil Gonzalo Castro wegen Meckerns Rot sah. Die "Werkself" hatte nach dem 1:0-Führungstor durch Stefan Reinartz nicht mehr viel zu bieten. Nur die gute Leistung von Torwart Bernd Leno und Schürrles Schusskraft verhinderten die Niederlage.
Borussias Trainer Lucien Favre hatte Marco Reus für den verletzten Igor de Camargo in die Spitze beordert, für ihn spielte Patrick Herrmann auf dem rechten Flügel. Reus und Herrmann gehörten dann auch zu den auffälligsten Borussen, wobei Herrmann eine Anlaufphase brauchte. Ein anderer indes, der wieder in der Startelf stand, hatte Probleme: Havard Nordtveit, für den Thorben Marx weichen musste. Der junge Norweger wirkte jedoch unsicher, er produzierte zu viele Fehlpässe.
So kam Bayer im Mittelfeld zu konstruktiven Aktionen nach vorn. Das Team von Robin Dutt wirkte in der Anfangsphase abgeklärter, spielte sich mit durchdachten Ballstafetten geschickt nach vorn. Daher war die 1:0-Führung, die Stefan Reinartz nach 21. Minuten schaffte, verdient. Eine Ecke von Michal Kadlec hatte Michael Ballack mit dem Kopf vor das Tor verlängert, Borussias Defensive war ungeordnet, Reinartz schob aus kurzer Distanz ein.
Reus kurbelt Gladbachs Spiel an
Danach jedoch kam Gladbach immer besser ins Spiel. Vor allem Marco Reus, dem Bernd Leno den Ball schon nach zwei Minuten in aussichtsreicher Position vom Fuß geschnallt hatte, wollte sich mit dem Rückstand nicht abfinden. Der Neu-Nationalspieler setzte sich immer wieder in Szene, war aber im Abschluss glücklos. In der 39. Minute zielte er nach einem gekonnten Sololauf knapp vorbei, in der 42. Minute stand er nach einem guten Pass Juan Arangos frei, doch Bernd Leno reagierte schnell und hielt – wie auch eine Minute später, als es Herrmann von halblinks versuchte. Da Mike Hanke in der 37. Minute das Lattenkreuz getroffen hatte, war die Leverkusener Führung zur Pause durchaus glücklich.
Michael Ballack, der sein Team zunächst dirigierte, dann aber wie alle anderen abtauchte, war sichtlich unzufrieden, kurz vor der Pause "ermeckerte" er sich eine Gelbe Karte. Ansonsten hatte Leverkusen im zweiten Teil der ersten Halbzeit nicht viel zu bieten. Borussias Problem der letzten Partien, die Chancenverwertung, wurde abermals zum Hemmnis. So auch in der 47. Minute, als Reus wieder allein auf Leno zulief, aber wieder am Leverkusener Torwart scheiterte.
Bayer war weiterhin vor allem auf die Verwaltung der Führung aus – und hatte das Glück auf seiner Seite. Mike Hanke schoss in der 57. Minute mit links am langen Pfosten vorbei – freistehend. In der 61. Minute dann kam Simon Rolfes für Ballack – der frühere "Capitano" des DFB wurde von Gladbachs Fans mit Pfiffen verabschiedet.
Castro sieht Rot
Gladbach spielte nach wie vor leidenschaftlicher – und belohnte sich in der 65. Minute dann auch: Juan Arango, der erst am Freitag zurückgekehrt war von seiner Länderspielreise, spielte einen Zuckerpass in den Lauf von Reus. Der behielt die Nerven, umkurvte Leno und schob den Ball unter dem Jubel der Nordkurve zum hoch verdienten 1:1 ins Tor. Nun durfte der frühere Borussen-Star Allan Simonsen, der im Stadion war, wieder hoffen, dass sein Tipp wahr wurde: "Gladbach gewinnt mit einem Tor Unterschied", hatte der kleine Däne vor dem Spiel gesagt.
Bayers Nerven lagen blank. Die Leverkusener brachten viel Härte ins Spiel – und in der 68. Minute sah Gonzales Castro Rot, weil er Schiedsrichter Wolfgang Stark verbal anging. Ansonsten waren es die Borussen, die für Aufregung sorgten, weil sie bemüht waren um das zweite Tor. Das fiel in der 71. Minute. Wieder war es Arango, der die Situation mit einem feinen Pass einleitete, dieses Mal schloss Herrmann ab – er lupfte den Ball über Leno hinweg ins Netz zum 2:1. Kurz vor Schluss aber zielte Schürrle genau – 2:2.
Es bleibt dabei: Gladbach kann gegen Bayer nicht gewinnen. Schon 20 Spiele ist Borussia gegen Leverkusen sieglos. Auch, weil Bernd Leno in letzter Sekunde noch einmal gegen Reus glänzend hielt.
Statistik
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dante, Daems - Nordtveit (69. Marx), Neustädter - Herrmann (74. Bobadilla), Arango - Reus, Hanke. - Trainer: Favre
Leverkusen: Leno - Balitsch, Reinartz, Schwaab, Kadlec - Ballack (61. Rolfes), Lars Bender - Castro, Schürrle, Sam (68. Derdiyok) - Kießling. - Trainer: Dutt
Schiedsrichter: Wolfgang Stark (Ergolding)
Tore: 0:1 Reinartz (20.), 1:1 Reus (65.), 2:1 Herrmann (72.), 2:2 Schürrle (87.)
Zuschauer: 52.858
Rote Karte: Castro wegen Beleidigung des Schiedsrichterassistenten (68.)
Gelbe Karten: Arango (2), Stranzl - Reinartz (2), Ballack (2), Balitsch (4), Kießling (3)
Torschüsse: 20:8
Ecken: 4:3
Ballbesitz: 55:45 Prozent
Fouls: 4:18
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