Borussia Mönchengladbach: Seltsame Erfahrung für Reus
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 04.04.2011Der rotblonde Borusse war in München der Beste seines Teams. Dann aber spielte er einen entscheidenden Fehlpass vor dem 0:1. Trainer Lucien Favre entlastete jedoch seinen Stürmer.
München Marco Reus winkte ab. Nein, er wollte nicht reden über die Szene, die Borussias 0:1-Niederlage beim FC Bayern einleitete, über diesen blöden Fehlpass, der den Herren Robben und Ribéry den Weg freimachte zum Tor des Tages. Dass Reus danach einen der großen Koffer aus der Kabine zum Bus tragen musste, gemeinsam mit Havard Nordtveit, hatte indes nichts zu tun mit diesem bösen Schnitzer.
"Wir machen viele kleine Fehler, ein paar zu viele", gestand Lucien Favre. Doch er meinte nicht Reus allein, denn einer wie Favre sieht das große Ganze einer Situation, und ganz so eindeutig war die Gemengelage vor dem einzigen Tor an diesem sonnigen Frühlingstag in München dann doch nicht. Sicher, Reus, bis dahin bester Borusse, hat Robben den Ball in den Fuß gespielt. Doch die Kollegen hatten sich weder vorher angeboten, noch hatte nachher einer das Geschick, das Unheil zu stoppen, bevor es vollends seinen Lauf nahm.
So geht es weiter
Alle gesund von kleineren Blessuren abgesehen hat kein Spieler ernsthafte Verletzungen aus dem Spiel in München mitgenommen.
Training Heute haben die Borussen frei, morgen um 16 Uhr üben sie wieder.
Nächste Spiele Sonntag, 10. April, 15.30 Uhr, gegen 1. FC Köln, Freitag, 15. April, 20.30, in Mainz
Ein kleiner Rempler hätte geholfen
"Mit einem taktischen Foul hätte man das lösen können", regte Martin Stranzl an. Damit wollte der Österreicher nicht zur grober Unsportlichkeit aufrufen, sondern zu mehr Geschick in der Defensivarbeit. Ein kleiner Rempler kann große Wirkung haben, wenn einer mit so viel Tempo unterwegs ist wie Robben oder Ribéry. Doch ließen alle Gladbacher "Robbery" gewähren – und hatten den Salat.
Szenen wie diese sind es, die Favre meint, wenn er von "taktischen Fehlern" spricht. "Marco hat zwar den Fehlpass gespielt, hat aber keine Schuld. Er hatte den Gegner im Rücken. Der Ballbesitzer ist immer auf seine Mitspieler angewiesen, die müssen dann da sein", entlastete Favre Reus. Aber es war keiner da. So bekam Reus' seine "Meriten" für dieses Tor zugeschustert, weil Passivität nun mal weniger auffällig ist als misslungene Aktionen.
Zuvor hatte Reus gezeigt, warum Klubs wie Dortmund und, so ist zu hören, der FC Bayern an ihm interessiert sein sollen. Flink und wendig, in manchen Situationen rotzfrech, setzte er den Bayern zu. Favre hatte den Rotblonden als zweite Spitze aufgeboten, weil er offenbar erkannt hat, dass Reus seine Qualitäten auf dieser Position am besten entfalten kann. Dass er dieses Mal Mike Hanke an seiner Seite hatte statt Mo Idrissou (der, später eingewechselt, am Ende eine Großchance zum 1:1 vergab), war eine Variation, die zu Reus passt wie jede andere. Für Reus war das Spiel eine seltsame Erfahrung. In ein, zwei Szenen war er knapp dran, Held des Tages zu werden, so aber fragten sich am Ende alle: "Was macht denn der Reus da?" In der vergangenen Saison, da war er als Überraschungsdurchstarter der Liebling aller, jetzt soll er ein Retter sein mit seinen 21 Jahren. Eine große Bürde, die Reus nicht allein tragen kann auf seinen schmalen Schultern. In München aber, da haben sie ihn allein gelassen in der entscheidenden Szene.
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