Borussia Mönchengladbach: So macht Favre Gladbach stark
VON ANDRÉ SCHAHIDI BERICHTET AUS BELEK - zuletzt aktualisiert: 12.01.2012Borussia Mönchengladbach (RP). Unsere Reaktion erklärt die Arbeit des Trainers auf dem Platz. Der Schweizer ist noch immer ein großer Techniker und legt Wert auf Details. Favre ändert selbst die Haltung der Arme seiner Spieler im Sprint.
Die Bewegungen sind immer noch wie aus einem Guss. Wenn Lucien Favre im Lauf einen Ball hinter dem Standbein entlangzieht oder einen schnellen Haken schlägt, sieht er urplötzlich nicht mehr aus wie ein 54-Jähriger. Er wirkt wie einer von denen, die er trainiert. Anfang bis Ende zwanzig, Fußballprofi. Lucien Favre weiß, was er tut. Borussias Trainer hat dem Team den Erfolg gebracht. Und die Grundlagen dafür legte er im Training. Auf seine ganz eigene Weise.
Anstrengend, aber mit Spaßfaktor
Favres Übungen sind anstrengend, aber machen Spaß. Und vor allem sind sie modern. Kaum einmal wird ohne Ball gespielt, fast immer elf gegen elf auf verschieden großen Räumen. Ob es um Ballbesitz, Flügelspiel oder Aufbau geht, Favre bezieht immer möglichst die ganze Mannschaft ein. Manchmal lässt er sogar eine Elf ohne Gegenspieler antreten. Ein Spielzug wird dann so lange perfektioniert, bis er sitzt – und im Spiel auch trotz Gegenwehr funktioniert. Fast nie sind zwei Übungen die gleichen. Favre modifiziert sie, er entwickelt jede Übung weiter. Bis sie einzig seine Handschrift tragen.
Mit Favre verlängern?
Borussias Vize-Präsident Rainer Bonhof kann sich vorstellen, den bis 2013 datierten Vertrag mit Trainer Lucien Favre vorzeitig zu verlängern. "Eigentlich gibt es keine Notwendigkeit, aber wir werden uns sicher demnächst auch in diese Richtung unterhalten", sagte gestern Bonhof der RP. Und stellte klar: "Nur weil sich zwei Spieler verändern wollen, bricht bei uns doch nichts zusammen."
Seine Trainingspläne hütet er deshalb auch wie einen Schatz. Sie sind sein Kapital, um Spieler zu besseren Fußballern zu machen. Denn Favre kann jede Übung, die er trainieren lassen will, in Perfektion vormachen. Und das kann der ehemalige Spielmacher und Supertechniker auch im fußballerischen Ruhestand sogar immer noch besser als einige seiner Spieler. Einzig Marco Reus ist noch schneller, noch präziser – ansonsten muss sich der Schweizer vor kaum einem seiner Schützlinge verstecken.
Favre ändert Kleinigkeiten. Er hat Dante erklärt, dass er ohne Ballbesitz fast auf den Zehen stehen soll, um im Bedarfsfall schneller antreten zu können. Er brachte Marco Reus bei, wie man an der Fußstellung des Gegners erkennt, an welcher Seite man ihn umspielen kann. Favre ändert selbst die Haltung der Arme seiner Spieler im Sprint. Alles für diese paar Prozent Verbesserung, die, wenn es eng ist im Spiel, den Unterschied machen sollen.
Favre ist ein aktiver Trainer. Vorgänger Michael Frontzeck sah sich, nach englischem Vorbild, als Teammanager. Er beobachtete von der Seitenlinie, sprach kaum während eines Trainings. Es ist ein anderer Stil. Favre jedoch ist immer in Bewegung. Wenn sich seine Mannschaft warm macht, läuft auch er ein paar Runden. Der Schweizer gestikuliert, nimmt sich immer wieder Spieler beiseite. Um Kleinigkeiten zu ändern. Er führte die Taktiktafel am Trainingsplatz ein. Man kann etwas noch so oft erklären – doch sehen ist immer besser.
Egal, welchen Spieler man fragt, sie alle sind voll des Lobes über die Arbeit des Trainers. Und wenn ein Alexander Ring als Neuzugang sagt: "Ich bin hier, damit der Trainer mich besser macht und mir zeigt, was er drauf hat", dann ist das Werbung – für Borussia. Und für Favre.
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