Borussia Mönchengladbach: Ter Stegen wäre bereit – wenn er wieder fit ist
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.03.2011Es gibt ein Liedchen, das Amateurfußballer gern in bierseligen Runden singen: "Wer hat uns des Spiel heut verlorn?" heißt es da. Wenn es um Borussias 0:1 gegen Kaiserslautern geht, dürfte es keine zwei Meinungen geben.
Logan Bailly war es, das sind sich die Diskutanten in den Onlineforen sicher. Dass mancher dem Belgier absichtliches Versagen aus unlauteren Gründen unterstellt, zeigt, wie hilflos die Borussen-Freunde sind, wenn es um nachhaltige Erklärungen geht für das ständige Versagen der Borussen in den entscheidenden Momenten dieser Saison.
Dass Baillys Tolpatschigkeit wohl nicht mehr als eine Anekdote gewesen wäre, wenn die Borussen zu diesem Zeitpunkt 3:0 geführt und am Ende gewonnen hätte, sei nur am Rande erwähnt. Es gab kaum einen schlechteren Zeitpunkt, diesen Fehler zu machen: Das definitive Abstiegsendspiel, die wohl letzte Chance, doch noch ernsthaft teilzunehmen am Abstiegskampf. Doch hat nicht nur Bailly versagt, sondern das Kollektiv: Keiner tat, was erwartet wurde, nämlich alles zu geben in diesem Spiel.
Aber ein Torhüter hat nun mal eine exponierte Position, wenn er Fehler macht, sind diese unverzeihlich. "König oder Bettler", so nannte es Borussias frühere Nummer eins, Jörg Stiel. Das Problem hat nun Lucien Favre: Bailly wackelt, Heimeroth hat er degradiert und die designierte Nummer eins der Zukunft, Marc-André ter Stegen, ist verletzt. Klar: Es ist Wechselstimmung in Teilen der bundesweiten Gladbach-Gemeinde, speziell, was die Torhüter angeht, aber auch allgemein: Das Präsidium soll weg, die halbe Mannschaft und Sportdirektor Max Eberl, den, so lauten die meistgenannten Vorschläge, Stefan Effenberg, Jupp Heynckes (statt Trainer in München zu werden), Berti Vogts oder Armin Veh ablösen könnten.
Eberl aber bleibt, das stellt Vize-Präsident Rainer Bonhof klar. Bleibt die Torwartfrage: Wer steht am 2. April beim Spiel beim FC Bayern im Tor? Würde Borussia die Fans befragen, würde das Votum wohl für den 18 Jahre alten ter Stegen ausfallen: Ein Eigengewächs, ein Gladbacher sogar, eines der größten Torwart-Talente des Landes. In dieser Saison sollte ter Stegen vor allem bei der U23 spielen und sich entwickeln. "Er hat gute Voraussetzungen", sagt Torwarttrainer Uwe Kamps.
Kamps traut ter Stegen die Bundesliga zu. Aber da ist ja auch noch Christofer Heimeroth, die aktuelle Zwei. Oder darf Bailly weiterspielen, den Favre erst nach seiner Inthronisierung als Trainer vor fünf Wochen zurückgeholt hat? Möglich, dass Favre schon da ter Stegen gebracht hätte, doch zog er sich einen Muskelfaserriss zu. Sechs Zentimeter ist der lang und verhindert seit fünf Wochen eine geregelte Trainingsarbeit. "Erst mal will ich gesund werden, dann wieder meine Leistung zeigen und mich im Training anbieten, dann muss der Trainer entscheiden. Der wird das Richtige tun", sagt ter Stegen. Heißt: Er ist bereit, wenn er fit ist.
Derzeit ist ter Stegen im Aufbautraining, nächste Woche will er wieder voll einsteigen. Ob ein Bundesliga-Debüt nach so langer Pause, zumal beim FC Bayern, ein Geschenk wäre, fragte Favre, angesprochen auf den möglichen zweiten Torwartwechsel seiner kurzen Zeit bei Borussia, zurück. Aber hat Borussia noch etwas zu verlieren, was nicht schon längst verloren ist?
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