Borussia Mönchengladbach: Tore erwünscht, Gelb verboten
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 11.05.2011Marco Reus ist mit zehn Treffern und neun Vorlagen Borussias Lebensversicherung im Abstiegskampf. Doch der 21-Jährige hat auch neun Verwarnungen kassiert. Eine Sperre würde für die möglichen Relegationsspiele gelten.
Borussia wie "Rocky"
Klang des Erfolgs Mit "Eye of the Tiger", der Hymne aus dem Boxer-Film "Rocky", bringen sich die Borussen vor Spielen in Stimmung.
Rückkehr Die ausgeliehenen Raúl Bobadilla (Saloniki), Marcel Meeuwis (Rotterdam) und Michael Bradley (Aston Villa) kommen bald zurück. "Boba" will sich in Gladbach durchsetzen, Meeuwis wird gehen müssen. Aston Villa hat bei Bradley eine Kaufoption bis Ende Mai.
Fussball Es war ein typischer Reus, dieses Tor. Der Pass von Mike Hanke passte genau, der Rotblonde flitzte los, geradewegs hin zum Ziel, und schoss dann hinein ins Vergnügen. 2:0 für Gladbach gegen Freiburg, das große Abstiegsfinale in Hamburg war gebucht. Schon zuvor in Hannover hatte Reus den Siegtreffer erzielt, insgesamt traf er zehnmal und bereitete neun Tore vor. Damit ist der 21-Jährige rein statistisch Borussias Lebensversicherung im Abstiegskampf.
Reus selbst mag indes keinen Personenkult, schon gar nicht um seine Person. "Ohne meine Mitspieler hätte ich das nicht geschafft", sagt der junge Mann artig. Die Borussen wollen den Aufschwung als Gesamtkonstrukt verstanden wissen, als gelungene Teamarbeit und nicht als Heldenepen Einzelner. "Marco erfüllt seine Aufgaben gut. Aber ohne die zehn Anderen wäre er nichts", sagt Vizepräsident Rainer Bonhof. Sportdirektor Max Eberl, der Reus 2010 für nicht mal eine Million Euro vom Zweitligisten Ahlen geholt hatte, kennt die Qualitäten des aktuellen Vorzeige-Borussen ("Schnelligkeit, Technik, Spielintelligenz"), verweist aber ebenfalls energisch darauf, dass er es ohne die Kollegen nicht richten könne. Trainer Lucien Favre hat sichtlich Freude an seinem Jung-Star, mag aber auch nur ungern "über einzelne Spieler sprechen".
Und doch ist Favre froh, dass Reus zuletzt jenseits seiner Tore keine Farbe ins Spiel brachte. Beim 0:1 in München hatte Reus zum neunten Mal Gelb gesehen, die zehnte Verwarnung würde bedeuten: Reus muss aussetzen. "Marco weiß, dass er keine Gelbe Karte mehr kriegen darf, das wäre nicht gut", sagt Favre. Gegen Köln, Mainz, Dortmund, Hannover und Freiburg ging alles gut. "Meistens habe ich ja wegen Meckerns Gelb gesehen. Aber ehrlich gesagt achte ich darauf im Spiel nicht", gesteht Reus. So war es wohl die nötige Intuition, nichts zu tun, was den Schiedsrichter stören könnte. Auch in Hamburg muss er aufpassen. Wenn die Borussen in die Relegation müssen (19. und 25. Mai, derzeit wäre Bochum der Gegner), werden Gelbsperren aus der regulären Saison mitgenommen. Darum gilt für Reus: Tore erwünscht, Gelb verboten.
In Hamburg kann sich Borussia ohne Wenn und Aber retten. Oder sie kann die Relegation buchen. Sie kann aber auch direkt absteigen. Darum will sich Reus mit allem, was nach Hamburg kommt, noch nicht beschäftigen. Vor allem nicht mit all den Gerüchten, wohin er wechseln könnte bei einem Abstieg. Bleibt Borussia indes Bundesligist, wäre ein Wechsel wohl kein Thema mehr. Reus' Vertrag wurde während der Hinrunde bis 2015 verlängert. "Das hat er ja nicht aus Jux und Dollerei gemacht", sagt Eberl. Reus mag Fragen zu dem Thema nicht. "Wir gewinnen einfach das Spiel am Wochenende, dann wird alles gut", sagt er. Ein neuerlicher typischer Reus-Treffer könnte helfen, dem Anspruch gerecht zu werden.
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