Borussia Mönchengladbach: Trotz allem: "Ein Traumjob"
VON O. E. SCHÜTZ - zuletzt aktualisiert: 25.08.2010Jan-Ingwer Callsen-Bracker galt mal als große deutsche Abwehrhoffnung. Seit Sommer 2008 ist er bei Borussia – und ein Riesenpechvogel. Jetzt ist er bei den Gladbachern aussortiert. Doch die Hoffnung gibt er nicht auf: Es geht immer weiter.
Jan-Ingwer Callsen-Bracker
Geboren: 23. September 1984 in Schleswig
Vereine: TSV Bollingstedt, SV Bonn-Beuel 06, Bayer Leverkusen (2002 - 2008), Borussia Mönchengladbach (seit 1. Juli 2008)
Einsätze: 43 Bundesliga (36 für Bayer, 1 Tor, 7 für Borussia), 51 Regionalliga (43 für Bayer, 2 Tore, 8 für Borussia), 2 U290-Nationalmannschaft, 5 U21-Nationalmannschaft
Marktwert: (laut Transfermarkt.de): Juni 2007 1 Million Euro, aktuell 350.000 Euro
Es hat ihn mächtig gebeutelt in den beiden vergangenen Jahren. Dauernd verletzt, auch dann kaum Einsätze, wenn er mal gesund war, , nun ganz aussortiert bei Gladbachs Profis. Und banges Warten, ob sich vielleicht doch noch ein Verein bis zum 31. August findet, der den Abwehrspieler haben will. Aber immer noch sagt Jan Ingwer Callsen-Bracker: "Ich habe einen Traumjob." Und auf die bei einem wie ihm eigentlich peinliche Frage, wie es denn gehe: "Mir geht's gut. Ich bin gesund, und das ist das Wichtigste."
Warum sie nicht mehr mit ihm planen, das haben ihm Sportdirektor Max Eberl und Trainer Michael Frontzeck nicht gesagt, als den 25-Jährigen zu Saisonbeginn zu sich riefen und ihm mitteilten, dass er sich einen neuen Verein suchen könne. "Ich war lange verletzt, deshalb haben sie zwei neue Innenverteidiger verpflichtet, und weil der Kader jetzt zu groß ist, haben sie zu mir gesagt, dass sie den Kader verkleinern wollen. Das war's. "
Luhukay und Ziege gefeuert
Warum es ihn, Paul Stalteri und Gal Alberman getroffen hat, darüber muss man also spekulieren. Dass Callsen-Bracker ebenso wie die beiden anderen "nichts verbrochen hat", wie Gladbachs Ex-Trainer Hans Meyer solche Entscheidungen formulierte, darf getrost angenommen werden. Also ist Borussias sportliche Führung wohl nicht überzeugt, dass die drei in der neuen Saison ihre Ansprüche erfüllen würden.
Das war einmal anders. Trainer Jos Luhukay und Sportdirektor Christian Ziege waren von Jan-Ingwer Callsen-Bracker überzeugt, als sie ihn im Sommer 2008 holten. Er hatte auch nicht nur sein nettes Äußeres und vorbildliches Auftreten vorzuweisen: 36 Bundesligaspiele für Bayer Leverkusen, drei Einsätze in der Champions League.
In Gladbach war er zu Beginn auch schnell Stammspieler. Doch dann kam das Pech. Erst war der Knöchel kaputt. Als er wieder fit war, waren Luhukay und Ziege entlassen. "Und der neue Trainer Hans Meyer hatte seine Basisteam mit 13 Spielern, an dem er nichts änderte", musste Callsen-Bracker erkennen, der nur am Saisonende zweimal kurz eingewechselt wurde. Dann kam der nächste neue Trainer. "Ich hatte viel Gutes von Michael Frontzeck gehört, ging hochmotiviert in die neue Saison, habe trainiert ohne Ende – und habe übertrieben."
Hartnäckige Entzündung im Fuß, acht Monate Pause. Dann spielte er achtmal in der U23, achtmal 90 Minuten. "Und der Fuß hat gehalten. Ich war topfit, wollte in der neuen Saison wieder angreifen." Bis zum ersten Trainingstag und der niederschmetternden Nachricht: Er gehörte nicht mehr dazu, darf mittlerweile nur noch mit der U23 trainieren, die sie vereinsintern "Amateure" nennen.
Deren Trainer Sven Demandt lobt zwar Callsen-Brackers vorbildlichen Einsatz, doch spielen lässt er ihn nicht: "Ich weiß nicht, ob er im September noch da ist", sagt er. "Das kann ich nachvollziehen", sagt Callsen-Bracker. So trainiert er, um topfit zu sein für einen neuen Verein. Doch da gibt es keine konkreten Angebote, nur lose Anfragen, obwohl Borussia wohl kaum eine Ablöse für den Mann verlangen kann, der noch ein Jahr unter Vertrag, aber bei ihr nicht mehr gefragt ist. "Die Vereine sagen, ich hätte keine Spielpraxis." Und die bekommt er bei Borussia nicht.
Ein Teufelskreis. Doch den Mut hat er nicht verloren. "Durch diese Phase muss ich durch, mit Verletzungen muss man umgehen. Am Ende weiß man noch mehr zu schätzen, was für einen Superberuf man hat." Und vielleicht tut sich ja noch was bis zum Ende der Transferperiode am Dienstag. Gespräche zumindest gibt es nun jedenfalls.
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