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Borussia Mönchengladbach: Unbekannter Traumjob

VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 23.07.2010

Bisher gab es den Fanbeauftragten nur in Deutschland. Nun wird er in ganz Europa eingeführt. Borussia ist Vorreiter auf dem Gebiet. Thomas Weinmann referierte daher beim Europäischen Fankongress.

Borussia ist seine Liebe – und sein Beruf: Thomas Weinmann ist Borussias Fanbeauftragter.  Foto: RPO
Borussia ist seine Liebe – und sein Beruf: Thomas Weinmann ist Borussias Fanbeauftragter. Foto: RPO

Thomas Weinmann hat ein Problem. Wenn er sagt, was er beruflich macht, würde die Szene in einem Comic so dargestellt: Über dem Kopf des Gesprächspartners tanzen lauter Fragezeichen. Weinmann ist Fanbeauftragter bei Borussia. "Wenn du sagst, du fährst Taxi, sagen alle: okay. Wenn du sagst, du bist Sozialarbeiter, sagen alle: Das ist nett. Aber wenn du sagst, du bist Fanbeauftrager, fragen alle: Was machst du denn den lieben langen Tag?", sagt Weinmann.

Nun ist es nicht so, dass der 48-Jährige deswegen ein Trauma hat. Ursache für die Unwissenheit ist, dass es den Job des Fanbeauftragten nur in Deutschland gibt, und dies in verschwindend geringer Anzahl: 60 Fanbeauftragte gibt es im Lande. Die Urheberschaft auf diesen Job hat Borussia. Theo Weiß war der erste seiner Art, das war 1988.

Info

Fankongress

2008 Der Europäische Fankongress (EFFC) wird auf Initiative des europäischen Fußballverbandes UEFA ins Leben gerufen. Beim ersten Treffen in London wurde zunächst die Vereinigung "Football Supporters International" (FSI) mit einem vorläufigen Komitee gegründet.

2009 Beim zweiten EFFC in Hamburg wird der Verein "Football Supporters Europe" (FSE) gegründet. Der FSE ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Hamburg.

"Der VfL hat damals die Zeichen der Zeit erkannt und legt bis heute viel Wert auf seine Fans und damit die Fanarbeit. 22 Jahre später ziehen nun die europäischen Vereine nach", sagt Weinmann. Denn: "Die Clubs, die ab der Saison 2012/2013 in der Champions- oder Europa League spielen, müssen einen Fanbeauftragten hauptamtlich im Verein eingestellt haben. Das ist ein Erfolg."

Weinmann hat nun beim 3. Europäischen Fankongress in Barcelona Aufklärungsarbeit betrieben. Er hat einen Workshop geleitet unter dem Titel "Fanbeauftragte als Modell in Europa" und in einer Powerpoint-Präsentation ein Bild dieses Berufes aufgezeichnet. "Der Fanbeauftragte hat eine ganz wichtige Pufferfunktion. Er muss zwischen den Interessen der Fans und dem Verein vermitteln. Er muss eine starke Persönlichkeit haben und beide Seiten verstehen. Unabdingbar ist auch, dass er authentisch bleibt, sonst bekommt er in der Fanszene und im Verein Probleme", hat Weinmann, ein gelernter Diplomkaufmann, seinen Zuhörern gesagt.

Authentisch ist Thomas Weinmann, den die Fans wegen seiner hünenhaften Gestalt "Tower" (Turm) nennen, keine Frage: die tiefe Stimme, der kahle Schädel, das markante Gesicht. Er ist Borussenfan seit einer Ewigkeit, noch immer Schatzmeister des Fanprojekts, für das Fan-Haus zuständig und keiner, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält.

2003 wurde er hauptamtlicher Fanbeauftragter. Einen Gewissenskonflikt hat er nicht, weil er auf der Gehaltsliste Borussias steht: "Nähe zu den Fans muss sein." Er will ein Anwalt der Fans sein, ihre Interessen mit denen des Vereins zusammenbringen. So durften die Fans in Gladbach mitreden beim Bau des Borussia-Parks.

Natürlich ist Weinmann weiter Fan, auch wenn das Hobby zu einem Beruf wird, der mehr bedeutet, als in der Kurve zu stehen und darauf zu achten, dass sich auch alle gut benehmen. "Es geht darum, dass die Spiele friedlich ablaufen – ohne jede Form von Gewalt, Diskriminierung oder Rassismus", sagt Weinmann. Auf keinen Fall sei der Fanbeauftragte ein Feuerwehrmann, der gerufen wird, wenn es brennt, stellt Weinmann klar.

Es gilt, nah dran zu sein an den Fans, Strömungen zu spüren und präventiv zu arbeiten. Viele Konflikte können im Vorfeld verhindert werden durch Gespräche. "Die Fans müssen sich aber vor allem selbst regulieren", ist sein Credo.

Nicht immer funktioniert das, das haben in der Vergangenheit nicht nur die unschönen Geschehnisse rund um die Derbys gegen Köln gezeigt. Weinmanns Vortrag in Barcelona endete mit den Worten: "Es ist kein Beruf wie jeder andere." Es ist Idealismus, eine Herzensangelegenheit, "ein Traumjob" für "Tower".

Quelle: RP

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