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Borussia Mönchengladbach: "Versuchen, die Chance zu nutzen"

zuletzt aktualisiert: 05.03.2011

Borussias Sportdirektor Max Eberl spricht über den Abstiegskampf, das Spiel heute gegen Hoffenheim, Juans Arangos Problem, Trainer Lucien Favre und die harsche Kritik an seiner eigenen Person

Borussias Sportdirektor Max Eberl räumt im Gespräch auch eigene Fehler ein.  Foto: RPO
Borussias Sportdirektor Max Eberl räumt im Gespräch auch eigene Fehler ein. Foto: RPO

In Wolfsburg hat Borussia die Chance verpasst, einen wichtigen Schritt nach vorn zu machen im Abstiegskampf.

Eberl Das ist richtig. Wie gegen Stuttgart. Und wir haben auch nicht die Leistung gezeigt, die im Abstiegskampf nötig ist. Nur in den letzten 20 Minuten haben wir dagegen gehalten, da war ein Punkt sogar noch möglich. Aber das Glück, das zum Beispiel Bremen an diesem Spieltag hatte, hatten wir nicht. Wir hatten es uns aber auch nicht verdient.

Gegen Schalke spielte die Mannschaft grandios, in Wolfsburg sehr schlecht. Hat das Team zwei Gesichter?

Eberl Das ist extrem gesagt, aber wir haben das ja nicht zum ersten Mal gesehen. Wir haben gegen Schalke alles gezeigt, was nötig ist: mannschaftliche Geschlossenheit, die Aggressivität, in die Zweikämpfe zu kommen und darüber auch spielerische Akzente zu setzen. Das sind elementare Dinge. Und die müssen wir immer in die Waagschale werfen. Die Mannschaft will manchmal zu viel Fußball spielen. Da können wir mit einem Team wie Wolfsburg, das eigentlich um den Einzug in die Champions League mitspielen sollte, nicht wirklich mithalten. Schade ist, dass wir in der Schlussphase gesehen haben, was möglich gewesen wäre.

Ist es auch eine Frage der Einstellung der Spieler?

Eberl Das sehe ich nicht. Wir haben es ja bis zum Ende versucht und hatten auch die Chance zum 2:2. Es ist nicht mehr zu ändern. Wir müssen jetzt auf Hoffenheim schauen und versuchen, unser Heimspiel zu gewinnen.

Gegen Hoffenheim hat Borussia ...

Eberl ... noch nie gewonnen, ich weiß. Das müssen wir ändern.

Danach geht es zu Werder Bremen, einem direkten Konkurrenten.

Eberl Richtig. Unser Problem ist, dass wir gegen die direkten Konkurrenten leider nicht gewonnen haben: Stuttgart, St. Pauli, Wolfsburg. Das weckt den Anschein, dass wir nicht vorankommen. Aber dennoch haben wir aufgeholt: sechs Punkte auf Kaiserslautern, acht Punkte auf Frankfurt, drei Punkte auf Bremen und zwei auf Wolfsburg. Wer erwartet hat, dass wir nach der Hinrunde mit nur zehn Punkten die Sache schnell regeln, der war blauäugig. Es sind noch zehn Spieltage. Und wenn wir an diesen möglichst oft unser gutes Gesicht zeigen, werden wir es schaffen.

Hoffenheim ist spielstark. Liegt so ein Gegner den Borussen besser?

Eberl Wir haben in der Hinrunde in Sinsheim in der ersten Halbzeit ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht. Durch die Roten Karten haben wir uns geschwächt. Wichtig ist, dass wir so konzentriert verteidigen und die Ordnung in der Defensive halten wie gegen Schalke. In der Offensive haben wir unsere Qualität. Aber es geht nur, wenn wir es als Team machen. Nicht der Einzelne macht die Mannschaft stark, sondern die Mannschaft den Einzelnen.

In Sinsheim trat sich Juan Arango vom Platz. Er ist einer, der polarisiert: Gegen Schalke spielte er überragend, in Wolfsburg kam gar nichts von ihm. Hat Borussia ein Arango-Problem?

Foto: RPO

Eberl Noch mal: Es ist nicht ein Einzelner, der das Team gut oder schlecht macht. Aber jeder Einzelne muss seinen Teil dazugeben, damit das Team funktioniert. Juan ist ein sehr guter Fußballspieler, und er hat uns in der vergangenen Saison sehr geholfen, dass wir ordentlich da standen und gute Spiele gemacht haben. Er war vor dem Schalke-Spiel auch schon gegen Leverkusen im Pokal stark. Diese Dinge werden immer vergessen. Aber durch seine Körpersprache signalisiert er nicht nach außen: Ich will unbedingt etwas bewegen. Das ist das Problem.

Waren die Erwartungen zu groß? Arango kam für 3,5 Millionen Euro, sollte Führungsspieler sein, der "Hurrican". Meist ist er nur ein laues Lüftchen.

Eberl Arango hat seine fußballerischen Qualitäten bewiesen. Den Spitznamen "Hurrican" haben ihm die Medien verliehen, nicht wir. Es ist schade, dass man sich so auf ihn einschießt.

Als Führungsspieler taugt er nicht. Arango spricht kein Deutsch, auch nach eineinhalb Jahren nicht, er wirkt oft lustlos.

Eberl Wie gesagt: Seine Körpersprache ist problematisch. Aber es gibt doch verschiedene Arten, ein Führungsspieler zu sein. Gerade die kreativen Spieler sind oft ruhiger, so ist es auch bei Mesut Özil. Andere sprechen mehr und können dadurch ein Team führen. Als diese Art Führungsspieler haben wir Arango nicht geholt.

Sie haben bei der Spielersuche viel Wert auf den Charakter gelegt. Bei Bobadilla, Arango und Bailly darf man diese Charakterstärke zumindest anzweifeln. War es ein Fehler, den Charakter so zu betonen?

Eberl Der Charakter ist wichtig, vor allem ist die richtige Mischung im Kader wichtig. Wenn man einen Transfer macht, gibt es immer Argumente, die dafür oder dagegen sprechen. Und dann muss man entscheiden, ob es passen kann oder nicht. In einem Kader mit 25 Spielern hat man 25 verschiedene Charaktere, die muss man so zusammenfügen, dass es funktioniert.

Ein Problem sind die Außenverteidiger. Tobias Levels und Filip Daems spielen fehlerhaft. Hätte man da in der Winterpause reagieren müssen?

Eberl Grundsätzlich sage ich auch hier: Wenn die Mannschaft es insgesamt defensiv gut macht, haben die Einzelnen weniger Probleme und sehen besser aus. Wir haben uns auf den Positionen verstärkt, auf denen wir aufgrund der Geschehnisse der Hinrunde den größten Bedarf gesehen haben. Durch die vielen Verletzungen wäre es ein Risiko gewesen, keine Innenverteidiger zu holen. Mit Martin Stranzl und Havard Nordtveit haben wir nun Alternativen. Michael Fink kam als Ersatz für Michael Bradley und Mike Hanke für Raúl Bobadilla. Wir haben unsere Qualität erhöht, das hat die bisherige Rückrunde gezeigt. Darüber hinaus wollten wir den Kader nicht aufblähen. Wir haben die Außenverteidiger-Position jeweils doppelt besetzt mit Levels und Jantschke für rechts und Daems und Wissing für links. Und Sebastian Schachten kann auf beiden Seiten spielen. Das ist eine logische Zusammenstellung.

Reicht die Qualität dieser Spieler für die Bundesliga?

Eberl Sie haben die Qualität für die Bundesliga schon nachgewiesen und helfen dem Team.

Lucien Favre muss nun aus dem vorhandenen Kader das Beste machen...

Eberl Wir haben uns entschieden, in der Rückrunde mit Michael Frontzeck weiterzumachen und es war richtig. Nach den Niederlagen gegen Stuttgart und in St. Pauli mussten wir aber reagieren. Favre ist ein Trainer, der auf Details Wert legt, und ich glaube, es waren eben diese Kleinigkeiten, die dazu geführt haben, dass wir im Moment ganz unten stehen.

Favre muss aufbauen und retten zugleich. Geht das?

Eberl Zunächst ist es seine Hauptaufgabe, den Klassenerhalt zu schaffen. Er wird aber den Ansatz, den wir haben, fortführen. Darum ist er der richtige Trainer in unserer Situation. Ein Feuerwehrmann hätte uns nicht weitergebracht.

Sie selbst werden hart kritisiert, viele wollen ihren Rücktritt. Wie gehen Sie damit um?

Eberl Mit sachlicher Kritik kann ich umgehen, der muss man sich stellen. Wenn die Dinge aber unsachlich und persönlich werden, macht man sich schon Gedanken, um was es eigentlich geht. Ich denke, man darf schon erwarten, dass die Arbeit, die man macht, im Gesamten bewertet wird und nicht nur am aktuellen Ergebnis gemessen. Natürlich haben wir nicht alles richtig gemacht, sonst würden wir nicht da unten stehen. Aber es kann jetzt auch nicht alles falsch sein, was vorher war. Es ist erst ein paar Monate her, als wir für unsere gute und schnelle Transferpolitik gelobt wurden. Ich fand das damals genau so überzogen wie jetzt die Kritik an der Kaderzusammenstellung. Wir müssen, trotz aller Strömungen um uns herum, die Nerven bewahren und versuchen, die Chance, die wir objektiv haben, noch zu nutzen. Wir dürfen uns nicht durch Grabenkämpfe auffressen lassen.

Es sind NOCH zehn Spiele – aber auch NUR zehn Spiele. Es wird sehr eng, fast erscheint es als ein Wunder, sollte sich Borussia noch retten.

Eberl Wir wussten, dass es sehr schwer wird. Natürlich wollen wir möglichst schnell raus aus dem Schlamassel, aber es wird bis zum Ende gehen. Darüber müssen wir uns im Klaren sein. Die Vereine, die als Erste die Nerven verlieren, werden es nicht schaffen.

Quelle: RP

 
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