Borussia Mönchengladbach: Wichtiges Tor und böse Serien
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 28.01.2012Borussia Mönchengladbach (RP). Igor de Camargos Siegtreffer in der Relegation gegen Bochum ist für Borussias Fans das Tor des Jahres. Der Treffer machte den aktuellen Höhenflug erst möglich. Nun geht es nach Stuttgart – wo seit 1994 nicht gewonnen wurde.
Fussball Lucien Favre schaut nicht zurück. Weswegen er auch dem 0:7, das Borussia in der vergangenen Saison beim VfB Stuttgart passierte, nicht allzu viel Beachtung schenkt. Auch sonst nimmt der Schweizer die Ereignisse der vergangenen Monate als gegeben hin und schaut nach vorn. Igor de Camargos 1:0 gegen den VfL Bochum in der Nachspielzeit des ersten Relegationsspiels indes, das Borussias Fans nun beim gemeinsamen Gewinnspiel von Borussia, deren Hauptsponsor Postbank und der RP zum Treffer des Jahres gewählt haben, ist im Rückblick "eines der wichtigsten Tore des Jahres", sagt Sportdirektor Max Eberl.
Denn der Hackenkick des Brasilianers ebnete den Weg zum Klassenverbleib – und ohne den wäre nicht möglich gewesen, was seither passiert ist in Gladbach: der grandiose Höhenflug auf Rang vier. Es war, rein finanziell, ein Zig-Millionen-Euro-Schuss. Aber auch einer fürs Herz.
Kein neuer Stürmer
Stürmer Raúl Bobadilla ist weg, aber es wird wohl kein neuer Stürmer kommen. "Wir sind offensiv also gut aufgestellt und werden aller Voraussicht nach nichts mehr machen", so Max Eberl
"Wir haben sicherlich in der Hinrunde dieser Saison einige schönere Tore geschossen, aber den Fans ist Igors Treffer wohl im Gedächtnis geblieben, weil er so emotional war", sagt Eberl. Nie zuvor hat der Borussia-Park derart vibriert, in dieser Sekunde ist so viel zusammengewachsen im Borussia-Universum. Bis das Gladbacher Stadion Schauplatz des nächsten Fußballfestes sein wird, dauert es. Erst am 11. Februar spielen die Gladbacher wieder daheim, bis dahin stehen drei Dienstreisen in Serie an. Die Erste führt Favres Team morgen nach Stuttgart, dem Ort des schlimmsten Borussia-Debakels der jüngeren Vergangenheit.
Doch nicht nur dieses 0:7 gab es in Stuttgart, sondern überhaupt nicht viel zu ernten seit 1994. 13 Besuche beim VfB brachten keinen Sieg. Und nun hat der VfB auch noch Vedad Ibisevic verpflichtet. Der Stürmer, der bislang für Hoffenheim spielte, hat seine persönliche Positivserie gegen Gladbach. Achtmal spielte er gegen die Borussen, siebenmal mit "Hoffe", einmal mit Aachen – und verlor nicht einmal (fünf Siege, drei Remis). Zudem schoss er drei Tore gegen Borussia, zweimal war es der 1:0-Siegtreffer.
Max Eberl vermutet aber, dass "Stuttgart Ibisevic sicher nicht nur wegen uns verpflichtet hat". Zudem weist er darauf hin, dass "Serien dazu da sind, gebrochen zu werden". Was das angeht, haben Favre und die Seinen in dieser Saison schon einiges geleistet. Favre indes mag sich zu irgendwelchen statistischen Spitzfindigkeiten nicht äußern. "Wir denken von Spiel zu Spiel, dabei bleibt es", sagt er.
Borussias Ansatz beim VfB? "Wir wollen auf Sieg spielen", sagt Torwart Marc-André ter Stegen. Trotz Negativ-Serie, Ibisevic und 0:7 – oder gerade deswegen. "Es ist ein anderes Team, das antritt, vor allem von der Psyche her", sagt Max Eberl. Wenn all die traurigen Erfahrungen im Schwabenland überhaupt noch eine Rolle in den Köpfen der Profis spielen, dann nur als Extra-Motivation, vermutet der Manager.
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