Borussia Mönchengladbach: Yuki Otsu und sein Schatten
VON ANDRÉ SCHAHIDI - zuletzt aktualisiert: 27.07.2011Borussia Mönchengladbach (RP). Dolmetscher Yu Nishimura soll helfen, damit sich Borussias neuer Japaner in Deutschland einleben kann. Das Fußball-Talent spricht kein Englisch oder Deutsch. Seine spielerischen Qualitäten sind indes unbestritten.
Der Schatten hat einen Namen: Yu Nishimura. Sein Beruf: Japaner. Das klingt merkwürdig – aber die Herkunft befähigt den 37-Jährigen dazu, seine Aufgabe zu erfüllen. Er soll nämlich auf Yuki Otsu aufpassen, Borussias neuem Japaner. Nishimura wird dem Talent helfen, sich in Deutschland zurechtzufinden. Vor allem wird er Dolmetscher sein. Denn Otsu spricht kein Englisch. Und sein Deutsch beschränkt sich bislang auf "Tag".
Dass Nishimuras neue Aufgabe gar nicht so einfach wird, zeigt gleich der erste Arbeitstag am Borussia-Park. Die Vorstellung seines Schützlings gerät unfreiwillig komisch, denn aus irgendeinem Grund lautet zunächst jede Antwort, die Nishimura für Otsu auf egal welche Frage gibt: "Ich möchte für die Mannschaft alles geben." Im Laufe der Zeit spielt sich das neue Tandem besser ein, und man erfährt doch ein bisschen was über Borussias Neuen. Dass der Name "Yuki" Mut bedeutet, zum Beispiel. Oder dass er das Erdbeben von Fukushima im Zug erlebte. Dass Shinji Kagawa für japanische Nachwuchsspieler ein großes Vorbild sei. Und dass er seine Dribblings und seine Technik als Stärken sieht.
Einsatz in Regensburg?
Pokalspiel Ob Yuki Otsu direkt zu Borussias erstem Pflichtspiel im Pokal nach Regensburg reisen wird, ließ Trainer Lucien Favre noch offen. "Wir werden sehen, wie er trainiert."
Kein Spitzname "Die Fans nennen mich nur Yuki", sagt Otsu. Aber es gab einen Fangesang: "Yuki Otsu – nicht zu stoppen"
Glaubt man dem Youtube-Video, das über Otsu existiert, ist Letzteres keine Untertreibung. Am Ball ist der Japaner stark. Und in seinem bislang einzigen Spiel für Borussia hat er bewiesen, auch gegen körperlich robuste Gegner mithalten zu können. "Die Bundesliga habe ich nicht so wirklich verfolgt", lässt Otsu über seinen Dolmetscher ausrichten. "Ich werde mich zuerst an den Fußball hier gewöhnen müssen."
Borussia hatte den schmächtigen Japaner schon seit zwei Jahren im Fokus. "Er braucht seine Zeit, in der Liga anzukommen", sagt Sportdirektor Max Eberl. "Die Zeit geben wir ihm." Und deshalb wurde ihm Nishimura an die Seite gestellt. Seit 1994 lebt dieser in Deutschland, war 2003 Reporter bei einer japanischen Sportzeitung, nachdem Hamburg Naohiro Takahara verpflichtete. Zuletzt arbeitete Nishimura in einem japanischen Restaurant in Frankfurt. Bis Spielerberater Thomas Kroth, der auch Kagawa zur Seite steht, anrief und ihm den Umzug nach Mönchengladbach schmackhaft machte.
Nun soll Nishimura helfen, damit sich Otsu in Deutschland wohl fühlt. Berührungsängste scheint es nicht zu geben – am ersten Tag probierte der 20-Jährige gleich mal Leberkäse und Spiegelei. Bei Sushi-Hunger ist Düsseldorf ("In Japan schmeckt es aber besser") mit seiner großen japanischen Gesellschaft nicht weit. Und Deutsch-Unterricht soll Otsu auch bekommen. Schnellstmögliche Akklimatisierung ist das Ziel. Für Nishimura hat die Sache einen klitzekleinen Haken. Denn je besser Otsus "Schatten" seinen Job macht – desto früher ist er ihn wieder los.
Jetzt weiterlesen und die Rheinische Post testen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum












