Borussia Mönchengladbach: Zimmergenossen
VON ANDRÉ SCHAHIDI BERICHTET AUS BELEK - zuletzt aktualisiert: 10.01.2012Borussia Mönchengladbach (RP). Eine Woche Trainingslager heißt auch: Eine Woche mit einem Kollegen das Hotelzimmer teilen. Die Harmonie im Übergangs-Zuhause ist wichtig. Die Mitbewohner müssen sich aufeinander einstellen.
Auf engstem Raum können kleinste Dinge nerven. Telefonierverhalten, Schlafenszeiten, selbst der Gang zum Badezimmer. Steffen Korell weiß, wovon er redet. Als Profi hat er sich mit Willi Landgraf ein Hotelzimmer geteilt, mit Richard Golz, Jörg Stiel – oder dem heutigen Borussia-Sportdirektor Max Eberl. "Wir hatten nie Probleme", sagt Korell. "Aber man muss sich aufeinander einstellen."
Heute ist Korell selbst dafür verantwortlich, wer sich bei Borussia mit wem die kleinen vier Wände im Hotel teilen muss. "Die Jungs müssen sich auf ihre Arbeit optimal vorbereiten können", sagt Korell. "Da spielt die Harmonie auf dem Zimmer eine ganz große Rolle."
Stranzls Privileg
Normalerweise teilen sich Filip Daems und Martin Stranzl bei Borussias Reisen ein Zimmer. In Belek wurden die beiden jedoch schon bald zwangsgetrennt. Daems wurde krank - Ansteckungsgefahr. Und weil der Belgier inzwischen wieder in der Heimat ist, genießt Stranzl das Privileg, ein paar Tage alleine zu schlafen.
Was passieren kann, wenn das nicht so gut funktioniert, davon kann Marc-André ter Stegen ein Lied singen. Der Torhüter teilte sich bei den DFB-Jugendauswahlteams mit seinem Konkurrenten Bernd Leno (heute Leverkusen) ein Zimmer. Die beiden gerieten aneinander und mussten später sogar getrennt werden.
Konkurrenten nicht zusammen
Bei Korell wäre so etwas nie passiert. "Ich würde niemals gleichwertige Konkurrenten um eine Position zusammenlegen", sagt der ehemalige Profi. "Das birgt zu viel Konfliktpotenzial." Und deshalb schläft ter Stegen in Belek mit Patrick Herrmann in einem Zimmer. Und der sagt: "Es ist total entspannt mit Marc."
Es gibt auch ungewöhnliche Pärchen. So teilt sich Ersatzkeeper Christopher Heimeroth ein Zimmer mit Tony Jantschke. "Das passt, trotz des Altersunterschieds", sagt Korell. "Beide sind total umgängliche Typen und verstehen sich gut." Die Regel ist es allerdings nicht, einen jungen und einen alten Spieler zusammenzulegen. Doch es gibt Ausnahmefälle. "Wenn ein ganz junger Spieler bei uns kurz vor seinem Debüt steht, kann es passieren, dass wir ihn in der Nacht vor einem Spiel zu einem alten Hasen legen", sagt Steffen Korell. "Das gibt ihm dann auch etwas mehr Sicherheit."
Dicke Freunde unter sich
Die meisten Zimmerbelegungen regeln sich sowieso alleine. Roman Neustädter und Marco Reus sind dicke Freunde, genau wie Thorben Marx und Mike Hanke. Oder die sprachliche Übereinstimmung, wie im Falle der Brasilianer bei Borussia, entscheidet.
Lucien Favre mischt sich in die Zimmerbelegung nicht ein. Der Trainer hat, wie der restliche Stab auch, ein Einzelzimmer. Das gilt übrigens auch für den langen Niederländer Roel Brouwers. Der Niederländer muss alleine schlafen. "Er hat", sagt Korell und lacht, "einen etwas zu unruhigen Schlaf". Übersetzt heißt das: Er schnarcht.
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