Borussia Mönchengladbach: Zwei Tore: Reus beschenkt Favre
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.10.2011 - 17:40Mönchengladbach (RPO). Lucien Favre hat am Mittwoch Geburtstag. 54 Jahre alt wird Borussias Trainer, und das nur wenige Tage bevor er mit seinem Team zurückkehrt an die alte Wirkungsstätte nach Berlin. Zuvor aber wollten ihm die Gladbacher ein vorzeitiges Geschenk machen in Form eines Sieges gegen Hannover 96 und den damit verbundenen drei Punkten.
Und weil Marco Reus vor 51.036 Zuschauern nicht nur gewohnt gut spielte, sondern auch vor dem Tor wieder effektiv war, gelang das auch. Der Doppelpack des 21-Jährigen brachte den Borussen einen 2:1-Erfolg. Es war der erste „Dreier“ nach drei sieglosen Partien. Somit reist Favre mit 20 Punkten auf dem Konto am Samstag zu seiner „Ex“ Hertha BSC in die Hauptstadt.
„Es war ein effektives 2:1 ohne den ganz tollen Fußball“, ordnete Sportdirektor Max Eberl das Spiel ein. „Nach drei Spielen ohne Sieg und nur einem Punkt war es wichtig, wieder zu gewinnen“, sagte Kapitän Filip Daems. „Elf Spiele, 20 Punkte, wir sind solide, aber es ist auch ein Wunder. Man darf nicht vergessen, wo wir herkommen. Dieser Sieg war sehr wichtig“, sagte Favre. Für seinen Doppeltorschützen Marco Reus freute er sich. „Marco hat mit links und mit rechts getroffen, das freut mich“, sagte der Trainer.
Neben Reus' Treffern war auch das Interesse des FC Bayern an Reus, das der Rekordmeister zuletzt mal dementiert und mal bestätigt hat, Gesprächsstoff. „Wenn die Bayern Interesse dementieren, dann heißt das, dass sie den Spieler wollen. Aber es ist doch normal, dass die Bayern an einem Spieler wie Marco interessiert sind. Ich hoffe jedoch, dass er noch einige Jahre für uns spielt“, sagte Favre. Max Eberl hätte das Thema gern vom Tisch: „Die Bayern will 2012 im Champions-League-Finale in München spielen. Darauf sollten sie sich konzentrieren und nicht über Spieler reden, die ihnen dabei nicht helfen können. Die Saison dauert noch fast acht Monate, da kann viel passieren“, sagte Eberl.
Favre wechselte mal wieder auf der „Sechs“. Nachdem beim Pokalspiel in Heidenheim Thorben Marx den Vorzug vor Havard Nordtveit bekommen hatte, war es nun wieder umgekehrt, der Norweger spielte mit Roman Neustädter, der Konstante auf dieser Position, vor der Abwehr. Tony Jantschke, dem Favre eine Pause gegönnt hatte, war wieder rechter Verteidiger. Ganz vorn waren wieder Marco Reus und der Ex-Hannoveraner Mike Hanke das Angriffsduo. Für Hanke, der im Januar von 96 zu Borussia gewechselt war, war es „ein besonderes Spiel“. Dass sich der bislang torlose Torjäger seinen ersten Treffer gerade für dieses Spiel wünschte, versteht sich von selbst.
Den ersten Torschuss der Partie gab indes Patrick Herrmann ab, der wieder auf dem rechten Flügel spielte. Doch in der 5. Minute verzog er aus halbrechter Position. Borussia war bemüht, den konterstarken Gegner zu bedrängen: Die Gladbacher störten früh und hatten somit ein klares Übergewicht – 96 kam in der Anfangsphase gar nicht zum Zug. Ruhe und Bedacht hatte Favre von den Seinen gefordert, sie sollten die Geschichte intelligent angehen, Ballverluste vermeiden und versuchen, glasklare Chancen zu schaffen. Letzteres jedoch fiel zunächst schwer gegen die gut organisierte Mannschaft von Mirko Slomka, trotz allen Engagements. So musste eine Standardsituation her, um Ron-Robert Zieler im Tor der Gäste erstmals zu fordern, er lenkte den Schuss den Venezolaners über den Querbalken (15.).
Dann war Zieler machtlos. Marco Reus tanzte Emanuel Pogatetz aus und schoss den Ball mit links in die kurze Ecke. Der Jubel war groß – und auch die Erleichterung bei Reus, der zuletzt wenig kaltschnäuzig gewesen war vor dem Tor. Dieses Mal aber machte der Rotblonde alles richtig und schaffte sein viertes Saisontor. „Steht auf, wenn ihr Borussen seid“, skandierten die Fans und huldigten dem schmalen Star, der passender Weise das Titelblatt des „Fohlenecho“ zum Spiel zierte.
Doch die Freude währte nicht lange. Dante verlor nur fünf Minuten später ein Kopfball-Duell mit Pogatetz und der Österreicher machte seinen Fehler beim 0:1 wieder gut, Marc-André ter Stegen war bei seinem Kopfballtreffer zum 1:1 machtlos, auch wenn er in dieser Situation etwas zögerlich wirkte. „Der Ball kommt rein, zwei Spieler streifen ihn fast, ich habe mich entschieden, ein bisschen vor dem Tor zu bleiben, dann kommt Pogatetzt vor Dante an den Ball, das war schade“, sagte ter Stegen. Es war Hannovers erste echte Aktion in Richtung Borussen-Tor und wahrlich kein Ruhmesblatt für die sonst so sichere Gladbacher Defensive. Nach dem Ausgleich war es wie zuvor: Hannover zog sich zurück und gierte nach dem Konter, Borussia suchte die entscheidenden Lücken im Deckungsverbund des Gegners.
Dabei lagen die Hoffnungen vor allem natürlich auf dem flinken Reus, der mit Einzelaktionen immer wieder Lücken schaffen kann, doch hatte Favre dessen Kollegen auferlegt, den Neu-Nationalspieler im Bemühen um das Tor auch mal zu unterstützen. Juan Arango versuchte es nach 35. Minuten erneut per Freistoß, doch zielte er am Tor vorbei. Borussia Fans gingen derweil in die Unterstützungs-Offensive, sie hüpften auf und ab und sangen laut. Das schien Patrick Herrmann zu beflügeln. Er spielte einen schönen Pass in den Lauf von Reus, doch Zieler parierte gekonnt. Borussia war durchaus bemüht, noch vor der Pause Tor Nummer zwei zu erzielen, doch ging sie zuweilen etwas zu kompliziert zu Werke. So, als Reus in der 44. Minute links durchkam, seine Mischung aus Torschuss und Vorlage auf Mike Hanke jedoch hängen blieb.
Kurz darauf war für Martin Stranzl das Spiel vorbei. Er hatte sich bei einem Zweikampf mit Manuel Schmiedebach am Oberschenkel verletzt. Roel Brouwers kam – und durfte sich Sekunden später mit den Kollegen zunächst wieder auf den Weg in die Kabine machen, denn es war Pause. In dieser gab es wie immer warme Worte aus der „Fan-Box“. Einer der kleinen Fans schickte via Bildschirm eine Botschaft an Marco Reus: „Lieber Reus, geh' nicht zu den Bayern“, sagte er. Erst mal jedoch ist und bleibt Reus Borusse. Und als solcher machte er sich auch im zweiten Durchgang daran, seinen Teil zum Vorabgeschenk für Lucien Favre beizutragen.
Und wie: Erst konnte Zieler einen Reus-Versuch abwehren (50.), eine Minute später brüllten Borussias Fans wieder: „Danke, Marco!“.Flach in die linke Ecke sauste der präzise Rechtsschuss des Gladbachers zum 2:1 hinein ins Netz. Zuvor hatte Marc-André ter Stegen, der zweite Jung-Borusse mit Helden-Faktor, einen durchgeflutschten Freistoß von Christian Pander, dem besten Hannoveraner, mit einem Reflex über das Tor gelenkt (46.). Borussia Führung war verdient, weil sie mehr ins das Spiel investierte, Hannover war nach dem Seitenwechsel zwar bemühter, aber wenig zielstrebig. Bis zur 60. Minute war der hoch gelobte Torjäger Mohammed Abdelaoue überhaupt nicht zu sehen. Dann hatte er eine Aktion, jedoch eine unglückliche: Abdelaoue fälschte einen Distanzschuss ins Gladbacher Tor ab, stand dabei aber im Abseits.
Das war ein wenig der Weckruf für die bis dahin zu passiven Gäste. Sie waren nun mehr bemüht, ins Spiel zu kommen. Es war nun mehr Betrieb in Borussias Gefahrenzone, auch, weil die Gladbacher sich etwas zu weit zurückzogen und nun ihrerseits auf den entscheidenden Konter setzten. Ganz sicher jedoch wirkte die Abwehr nicht, daher kriselte es nun ein ums andere Mal vor dem Tor. Glück hatte Gladbach, als Filip Daems einen Schuss des eingewechselten Didier Ya Konan abblockte (65.). Wenig später schoss Abdelaoue über das Tor. Gleiches taten Juan Arango auf der anderen Seite in der 71. Minute und auch Mike Hanke sechs Minuten danach.
Hanke war bemüht, doch abermals glücklos. Zu wenig zog es ihn ins Sturmzentrum, so dadurch der kleine Patrick Herrmann oft allein war – und zwangsläufig bei hohem Bällen überfordert war. Hanke wäre eher der Mann im Strafraum, doch mied er diesen seltsamerweise konsequent. Acht Minuten vor dem Ende war klar, dass Hanke weiter ohne Tor blieben würde, denn Raúl Bobadilla kam für ihn. Da die Borussen nicht nachlegten, blieb es eine Zitterpartie. Roel Brouwers verdiente sich in der Schlussphase einigen Sonderapplaus der Fans, als er immer wieder einen Fuß dazwischen brachte, wenn die Bälle durch den Strafraum flogen. Da auch die anderen Borussen geschickt verteidigten als es darauf ankam, blieb Hannovers Anrennen am Ende folgenlos. Borussia siegte 2:1. Dank Reus und am Ende dem nötigen Glück, das sich die Gladbacher jedoch verdient hatten mit einer insgesamt engagierten Leistung.
„Im ersten Durchgang waren wir gut, wir hatten 63 Prozent Ballbesitz, im zweiten Durchgang haben wir vergessen zu spielen. Da waren wir vielleicht etwas zu überhastet. Aber Hannover ist eine sehr gute Mannschaft, das haben wir gesehen. Das 2:1 war sehr, sehr gut für uns und Schluss“, sagte Favre.
Statistik
Mönchengladbach: ter Stegen - Jantschke, Stranzl (44. Brouwers), Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter (69. Marx) - Herrmann, Arango - Hanke (82. Bobadilla), Reus. - Trainer: Favre
Hannover: Zieler - Chahed, Haggui, Pogatetz, Christian Schulz (88. Eggimann) - Schmiedebach, Lala (56. Ya Konan) - Stindl, Pander (69. Rausch) - Schlaudraff, Abdellaoue. - Trainer: Slomka
Schiedsrichter: Thorsten Kinhöfer (Herne)
Tore: 1:0 Reus (21.), 1:1 Pogatetz (26.), 2:1 Reus (51.)
Zuschauer: 51.036
Beste Spieler: Reus, Herrmann - Pander, Stindl
Gelbe Karten: - Schmiedebach (5), Ya Konan, Stindl (4)
Torschüsse: 17:16
Ecken: 5:5
Ballbesitz: 53:47 Prozent
Fouls: 13:15
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