Mönchengladbach: 15 Stunden mit Norbert Bude
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 24.08.2009Mönchengladbach (RPO). Zwischen Sitzungen im Rathaus und Seniorenstammtisch in Bettrath, zwischen Millionenprojekten und einer Spielwiese, zwischen Theater und Straßenverkehrsamt: Ein Tag im Leben des SPD-Oberbürgermeisters Norbert Bude: Außerdem: Wie er lebt, wofür er steht und wie seine Chancen sind.
7.01 Uhr Norbert Bude steigt vor seinem Haus in Odenkirchen auf der Beifahrerseite in den silbernen Mercedes. "Morgen, Theo". Am Steuer sitzt Theo Meurers. Bude stehen ein Dienstfahrzeug und ein Fahrer zu. Der Oberbürgermeister wirkt frisch. Dabei ist es selbst für ihn ein ungewöhnlich früher Beginn. Normalerweise fängt er eine halbe Stunde später an.
7.15 Uhr Auf die Minute pünktlich hält der Wagen vor dem Straßenverkehrsamt. Bude kommt als Chef hierher, um mit den Mitarbeitern über ihre Erfahrungen mit der Samstagsarbeit zu reden. Im Stehen bringt sie der Verwaltungschef auf den neuesten Stand. Die 18 Mitarbeiter hören aufmerksam zu. "So, und jetzt setze ich mich erst mal. Dann können wir uns besser unterhalten", sagt Bude. Die Mitarbeiter arbeiten gerne samstags – auch, weil sie dafür einen Bonus bekommen haben. Eine Angestellte berichtet, dass sie auch weiter gerne samstags arbeiten will. "Vielen Dank für Ihre Meinungsäußerung", sagt Bude. Zum Abschluss versichert er: "Es war mir wichtig, Ihre Rückmeldungen zu hören." Der Wagen steht schon auf der Rheinstraße bereit.
8.11 Uhr Rathaus Rheydt. Bis zur nächsten Besprechung bleibt noch etwas Zeit. Bude schlendert über den Markt. Er kommt keine drei Meter, ohne angesprochen zu werden. "Norbert, ich drück die Daumen", sagt ein Bekannter. Eine ältere Frau gibt ihm die Hand. "Sie haben bestimmt viele Termine jetzt." Ein Mädchen mit Ronaldo-Trikot zupft ihrer Begleiterin am Ärmel: "Das ist unser Oberbürgermeister." Bude lächelt und winkt. "Die kenne ich aus ihrem Fußball-Team."
9.02 Uhr Dezernatsbesprechung im Baudezernat. Norbert Bude ist seit dem Ausscheiden von Helmut Hormes kommissarischer Baudezernent. Am Nachmittag ist eine Sondersitzung des Bauausschusses. Die fünf Fachbereichsleiter berichten, welche Themen anstehen. Die frei werdenden Häuser der britischen Soldaten in Windberg. Spielhallen in der Innenstadt. Norbert Bude hat noch eine Bitte. Ein älteres Paar hat sich bei ihm gemeldet. Sie bangen nach dem Starkregen um die Statik ihres Hauses. "Können wir da jemanden rausschicken?"
10.57 Uhr Das Stadttheater an der Odenkirchener Straße. Zwar hat er sich zum Pressegespräch zur Theatersanierung zwei Experten, Hanns-Joachim Schmitz vom Gebäudemanagement und Projektleiter Winfried Comanns als Informations-Geber dazugeholt. Aber Norbert Bude verblüfft beim Rundgang mit technischen Details, weiß zum Beispiel, dass die Myriaden silberglänzender Stablampen an der Decke des Foyers von dem Glasdesigner Dünnebier stammen. Bude erklärt, wie man sich den Namen merken kann: "Denken Sie einfach an dünnes Bier."
12.32 Uhr Der Oberbürgermeister arbeitet schon knapp sechs Stunden – und sitzt zum ersten Mal an seinem Schreibtisch im Rathaus Abtei. Auf ihn warten: fünf Mappen mit Post, drei Unterschriften-Mappen (unter anderem Urkunden für Sieger des Kleingartenwettbewerbs) – und seine Mitarbeiter Bernd Coentges und Annegret Bechinger. Normalerweise ist ihre gemeinsame Bürobesprechung um 8 Uhr. Thema heute unter anderem: der Ablauf der Verleihung des Ehrenrings an den Künstler Heinz Mack.
13.26 Uhr Die nächsten Gäste sind überpünktlich: Architekt Stefan Sieben und die beiden Jugendamtsmitarbeiter Ulrich Baum und Christian Schirmer. Bude hat sie eingeladen, um mit ihnen über eine Spielfläche in Odenkirchen zu beraten. Dass die an der Grünstraße nötig ist, erlebte der OB unlängst hautnah. "Da standen 30 Kinder bei uns zu Hause vor der Tür und wollten mich sprechen", erzählt er. Gemeinsam mit Architekt und Mitarbeitern beugt sich Bude über den Plan. Der Teil eines Grüngürtels soll eventuell zum Spielen frei gegeben werden. Bude leiht sich den Plan aus. "Dann kann ich das den jungen Beschwerdeführern mal erklären."
14.03 Uhr Es bleibt eine gute halbe Stunde für Büroarbeit. Ein langes Telefonat mit Stadtdirektor Bernd Kuckels. Es geht um einen Bauantrag für den Nordpark.
14.59 Uhr Seniorenstammtisch 50 plus der Pfarrgemeinde Herz-Jesu Bettrath. Über 70 Bettrather freuen sich auf ihren Oberbürgermeister – und auf Kaffee und Kuchen. Den lässt auch Norbert Bude nicht stehen. Nachdem ein paar Hände geschüttelt hat, sagt er: "Da steht ja mein Mittagessen." Der Leiter des Stammtisches, Horst Meyer, stellt Bude vor. Ein paar Frotzeleien über Fußball (Meyer ist FC-Köln-Fan), dann geht es los. Bude spricht 20 Minuten, ohne Mikrofon. Er stellt sich ausführlich vor und berichtet über seine Aufgabe. "70 Prozent meiner Zeit verbringe ich in der Verwaltung, 30 mit dem Repräsentieren", sagt er. Danach fordert er die Zuhörer auf: "Lassen Sie uns ins Gespräch kommen." Die haben viele Fragen. Zum Theater im Nordpark, zur Entwicklung in Rheydt, zu einem Supermarkt für Bettrath.
16.57 Uhr Bau- und Planungsausschuss. Bude ergreift sofort das Wort. Der Anlass ist ein trauriger: Ratsherr Bernd Püllen ist bei einem Amoklauf in Schwalmtal schwer verletzt worden. "Gott sei Dank ist er nicht in Lebensgefahr", sagt Bude, um dann Püllen und seiner Familie das Mitgefühl der Ausschussmitglieder auszusprechen. "Wir hoffen, dass er schnell gesund wird und wieder Politik macht", sagt Bude. Die Sitzung beginnt.
18.58 Uhr In das Gebäude der IHK haben die Wirtschaftsjunioren Norbert Bude und vier weitere OB-Kandidaten eingeladen. Norbert Bude weist Karl Sasserath (Grüne) darauf hin, dass man die für den Tunnel an der Steinmetzstraße eingeplanten Millionen nicht einfach für Schule verwenden kann. "Das ist zweckgebunden, und das wissen Sie auch", sagt Bude zu Sasserath. Beim Thema Schulden platzt ihm einmal der Kragen. "Und was machen wir, wenn wegen der Wirtschaftskrise zehn oder 20 Millionen Einnahmen aus der Gewerbesteuer wegfallen? Das können wir überhaupt nicht einsparen!"
21.33 Uhr Die Diskussion ist zu Ende. Es gibt einen Imbiss und Gespräche am Rande. 22.20 Uhr Norbert Bude verlässt die IHK – und macht sich nach gut 15 Stunden auf den Heimweg.
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