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Mönchengladbach: 1983: Beeindruckt von der Lesung Erich Frieds

VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 09.09.2009 - 15:56

Mönchengladbach (RPO). Georg Stadeler war 30, als er eine Lesung von Erich Fried besuchte. Der österreichische Lyriker war anlässlich des Jahrestags der Bücherverbrennung, bei der die Nationalsozialisten 50 Jahre zuvor in Berlin die Werke jüdischer, marxistischer und pazifistischer Schriftsteller vernichteten, von einer Gruppe der Menschenrechtsorganisation Amnesty International nach Krefeld eingeladen worden.

„Er las sowohl Politisches, als auch Liebesgedichte“, erinnert sich der Gladbacher. „Beides hat mich sehr beeindruckt.“

Denn Erich Fried, jüdischer Herkunft und noch vor Ausbruch des Krieges nach London gezogen, war damals 61 und bereits von seiner Krebserkrankung gezeichnet. „Dennoch saß er da oben auf der Bühne des Ricarda-Huch-Gymnasiums und las 200 Menschen zwei Stunden lang vor“, sagt Stadeler. Ruhig habe er da an einem Holztisch mit einem Glas Wasser gesessen, nicht wild gestikuliert, sondern sich mit warmer Stimme mitgeteilt. „Es waren überwiegend Gedichte, die von der Liebe handelten. Dieser Mann war trotz seiner Krankheit noch immer verliebt.“

Besonders die Liebesgedichte hatten es Stadeler im März 1983 dann auch angetan. „Einige waren einfach nur erotisch. Es war schön, so etwas von einem alten Mann zu hören.“ Zuvor hatte er sich kaum Gedanken über Liebe im Alter gemacht. Doch da war er nicht allein. „Erich Fried sagte, dass er diese Gedichte auch seiner Tochter vorgelesen habe. Sie soll nur ,Du Sau!‘ entgegnet haben.“

Nach der Lesung zog Stadeler nicht mit seinen Kumpels um die Häuser, sondern ging heim. „Ich wollte die Gedichte auf mich wirken und nachklingen lassen.“ Seine Erkenntnis: „Gerade bei diesem Anlass, 50 Jahre nach der Bücherverbrennung, habe ich bemerkt, dass Kritisches und Neues, Kreatives und Schönes nicht zu zerstören ist“, sagt Georg Stadeler. „Man kann Gedanken und Gefühle nicht verbrennen.“

Quelle: RP

 
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