Mönchengladbach: 200 Grundschüler spielen Schach
VON ARMIN KAUMANNS - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012Mönchengladbach (RP). Matt in nur vier Zügen: Dies gelang An-Phi Dang gegen seine Gegnerin. Nicht immer ging es so schnell bei der Niederrhein-Meisterschaft im Schach für Grundschulmannschaften. Die unter Zehnjährigen kämpften engagiert um den Sieg – und manchmal halfen sogar Omas und Opas mit.
odenkirchen Oma Olga ist kaum zu halten. Irgendetwas wie "Matt" oder "nicht der Turm" sprudelt aufgeregt zwischen reichlich Osteuropäischem über ihre Lippen. Sie gestikuliert, schimpft auf den Schiedsrichter, will beinahe handgreiflich werden. Ihr Enkelkind sitzt an einem der 76 Schachbretter in der Burggrafenhalle und murkst mit Dame und Turm um den gegnerischen König herum. Es ist zum Haare raufen, weil der Knabe den Mattweg nicht findet. Bis die Partie endet, wird im Fanblock noch manches Mal entsetzt das Gesicht abgewendet. So ist das, wenn Grundschüler Schach spielen.
Die Spannung ist groß
Ergebnisse
Favoritensieg Unter 39 Schulen setzten sich am Ende die Favoriten durch.
Erster wurde die GGS Van-Gogh-Straße aus Duisburg-Rheinhausen,
Zweiter die GS Tonstraße Duisburg
Dritter die Franz-Vaasen-GS Düsseldorf.
Qualifikation Sie sind dadurch für die NRW-Meisterschaften qualifiziert.
Die beste Gladbacher Schule, die GGS Hockstein, belegte den 7. Platz.
Knapp 90 Prozent der rund 180 Jungen und Mädchen, die zur erstmals im Schachverband Niederrhein ausgerichteten Grundschul-Meisterschaft aus Heinsberg, Kleve, Issum, Duisburg, Düsseldorf und vielen anderen Gemeinden nach Mönchengladbach gereist sind, kennen das Schachspiel von Eltern, Großeltern oder Geschwistern. Einige nehmen an Schulschach-AGs teil, keine zwanzig Kinder spielen in einem Schachverein. Nur einer, Daniel Szegledi aus Duisburg, die Nummer 2 der aktuellen Verbands-Rangliste, hat eine internationale Wertungszahl. Viele der anderen Kinder sind froh, dass sie die Züge kennen.
Deshalb erklärt Verbands-Jugendspielleiter Wolfgang de Cauter aus Heinsberg erst einmal die Regeln. Dass man eine Figur ziehen muss, wenn man sie anfasst, was man macht, wenn der Gegner einen falschen Zug ausführt, wozu die Schiedsrichter nütze sind. "Arm hoch und Uhr anhalten", heißt sein Rat bei Unstimmigkeiten. Das spricht er per Mikrofon ins Gemurmel, das nur natürlich ist, wenn knapp 200 Kinder mit Betreuern auf engem Raum versammelt sind. Als aber die erste Runde ausgelost ist, an allen Schachbrettern zwei Kinder sich gegenübersitzen, wird es ganz still im Saal. Die Spannung ist groß vor dem Kampf um die Pokale, die mit anderen Sachpreisen rund um das "Allerheiligste" des Turnierleiters aufgestellt sind. Blinkende Metallpreise auf Sockeln, nach Größe sortiert bilden sie eine regelrechte kleine Armee unter dem an die Wand projizierten Tabellenstand.
In sieben Runden, bei denen die Spieler je 15 Minuten Bedenkzeit für ihre Partie haben, wird ermittelt, wer sich Grundschulmeister Niederrhein nennen und zur NRW-Meisterschaft fahren darf. An-Phi Dang von der Düsseldorfer Else Brandström-Schule gelingt das Kunststück, seine Gegnerin in vier Zügen matt zu setzen. Die hat das noch gar nicht richtig begriffen, da steht schon die 1 auf dem Zettel des Schiedsrichters. Der Neunjährige strahlt verschmitzt, der Trick hat funktioniert.
Nebenan wird noch heftig gekämpft. Etliche Mannschaften haben einheitliche T-Shirts übergezogen, wie die drei Teams aus Issum: Das weiße Schachbrett auf hellblauem Grund soll die Gegner einschüchtern. Sportdezernent Dr. Gert Fischer, selbst begeisterter Schachspieler, hatte zur Begrüßung den Nachwuchs gemahnt, aus der Ruhe Kraft zu schöpfen. Seine Erfahrung: "Der gewinnt, der die Ruhe bewahrt." Neben ihm steht Organisator Wilfried Pesch vom Rheydter Schachverein und Bürgermeisterin Renate Zimmermanns, die öffentlich bedauert, nicht Schach spielen zu können. Die Burggrafenhalle gefällt sich im Karnevalsschmuck, im Eck werden schon Würstchen gewärmt. Und weil keiner an muslimische Essgebote gedacht hat, wird im benachbarten Supermarkt der Vorrat an Geflügelwürstchen aufgekauft. Etliche Kinder tollen auf dem Flur herum, schnappen kurz mal klirrend kalte Luft vor der Tür. Dann geht's frisch wieder ans Schachbrett.
Gegen 16.30 Uhr steht der Gewinner schließlich fest. Doch auch für die Besiegten ist der Tag in Mönchengladbach ein einmaliges Erlebnis.
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