Mönchengladbach: 2000 Orden sind 2000 Geschichten
VON CHRISTIAN SPOLDERS - zuletzt aktualisiert: 05.02.2008Mönchengladbach (RPO). Wie viele Orden aus Blech, Aluminium, Kunststoff, Holz und Glas genau in seinem Keller hängen, weiß der Boss des Mönchengladbacher Karnevals-Verbandes nicht genau. „Aber es sind mehr als 2000“, sagt Bernd Gothe. Für die RP wuselte sich der 67-Jährige durch seine Sammlung.
Wenn er viel Zeit hätte, dann würde ihm zu jedem einzelnen Orden eine Geschichte einfallen. Wie viel Zeit genau sich Bernd Gothe allerdings dafür nehmen müsste, weiß er nicht genau. „Da hängen ja mehr als 2000 Orden in meinem Keller“, sagt der Chef des Mönchengladbacher Karnevals-Verbandes (MKV) und gewährt einen Blick in den Flur, in dem an drei übereinander befestigten Balken an der Wand etliche Auszeichnungen an bunten Bändern hängen. Im Raum nebenan baumeln nochmal etwa hundert Orden. Und auch im Büro des Odenkircheners pendeln mehr als 50 Abzeichen der Gladbacher Karnevalsgesellschaften (KG) an einem Ständer. „Das sind die der aktuellen Session, die ich bei Besuchen der jeweiligen KG trage“, sagt Gothe.
Die Prinzenorden
Gothes Orden Den offizielle Prinzenorden von 1985 schmücken Figuren, die Tennis und Hockey spielen – wegen der Hobbys der Gothes. Der inoffizelle zeigt das Foto des Prinzenpaars auf einem Schlitten mitten im Schnee sitzend.
Der Orden 2008 Seit Jahren nutzen die Prinzenpaare Gothes Sammlung als Archiv, um sich für ihren selbst gestalteten Orden inspirieren zu lassen. Prinz Jochen II. und Katja I. entschieden sich für das Logo der Stadtsparkasse und einen Zahn – wegen ihrer Berufe.
Angefangen hat die Flut von Orden vor 22 Jahren. Damals waren Gothe und seine Ehefrau Inge das Prinzenpaar der Stadt. „Der erste Orden, den ich als Prinz bekam, war der vom MKV“, erinnert sich der 67-Jährige an die Proklamation. Und mit jeder Sitzung kamen neue Abzeichen um den Hals – aus Blech, aus Aluminium, aus Kunststoff und sogar aus Holz und Papier. „Schon damals haben wir die Orden alle schön aufgehängt.“
Mit der Zeit ging die Übersicht verloren. Und so muss sich Gothe durch die scheppernde Schar von Orden wuseln, um einige besondere hervor zu kramen. Er entdeckt zwei Mini-Filmrollen mit der Aufschrift „Oscar für die beste ,Nebenrolle’“ von 1985. „Den haben wir bekommen, weil uns ein Fernsehteam auf unser Prinzen-Tour durch Gladbach begleitet hat“, sagt Gothe. Die ovalen Orden sind die der Garde des Oberbürgermeisters. Der Holzschuh mit Flaschenöffner der einer KG aus Vreden. Der Stoffelefant ist der Spaß-Orden einer Besucherin. Der nächste ist ein Hundeknochen vom Prinzenempfang der Polizei von 1999, der gleich neben einem gläsernen Orden hängt, den Hans-Peter Jansen, 2. Vorsitzender des MKV, anfertigen ließ.
„Das hier ist sogar ein ganz besonderes Exemplar“, sagt Gothe und schmunzelt selbst, während er die Geschichte des Ordens erzählt, den er gerade in der Hand hält. Es ist eine von nur zehn Spezialanfertigungen des Prinzenordens von 1986. „Wo die anderen neun, die wir dem Prinzenpaar gegeben haben, geblieben sind, weiß ich aber nicht mehr.“ Auf dem eigentlichen Orden des Prinzenpaares Rolf Göttel und Niersia Doris waren nur der Prinz und eine leere Badewanne zu sehen. „Auf zehn der Orden haben wir dann eine kleine Figur der Prinzessin so befestigt, dass es aussieht, als würde sie in der Wanne liegen“, sagt Gothe. „Aber immerhin hatte sie einen Badeanzug an.“
Und obwohl mit jeder Session fast 150 Orden hinzukommen (allein 70 von allen Prinzenpaaren auf dem Prinzenempfang im Düsseldorfer Landtag, den Gothe seit 13 Jahren moderiert), werden dem MKV-Boss die Ehrungen nicht lästig. „Abends mache ich mir die Mühe und schaue mir die Karnevals-Orden an, um zu sehen, wer welche Ideen hatte und wie sie diese umgesetzt haben.“
Das Prädikat „Besonders wertvoll“ bekommen die selbst in Handarbeit von den Gesellschaften gebastelten Holz-Orden – so wie die des Kirchenchors St. Josef in Rheydt – oder die aus Ton gebrannten – wie die des früheren Altenzentrums. Bernd Gothe dreht sie ein paar Sekunden in der Hand und begutachtet sie. „Das ist wie in alten Fotos blättern“, sagt er schließlich. Und wieder fällt ihm eine Geschichte ein. Eine, von mehr als 2000.
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