Mönchengladbach: 23 unter einem Kirchendach
VON SEBASTIAN DALKOWSKI - zuletzt aktualisiert: 08.06.2010Mönchengladbach (RPO). Die Bauarbeiten in der ehemaligen Herz-Jesu-Kirche haben begonnen. Bis zum Herbst 2011 sollen dort auf vier Ebenen 23 Wohnungen entstehen. Durch die Nutzung von Erdwärme werden die Nebenkosten im Vergleich zu anderen Wohnungen geringer sein.
Von außen sieht die Herz-Jesu-Kirche in Pesch aus wie eine normale Kirche, im Inneren aber ist sie eine große Baustelle: Der Boden wurde herausgerissen, ein neues Fundament gelegt. Lange Plastikrohre stapeln sich neben Erdhügeln, die Säulen sind mit Plastikfolien geschützt. In der Mitte steht ein kleiner Bagger. Der Umbau der früheren Herz-Jesu-Kirche hat begonnen. Bis Herbst 2011 sollen dort auf vier Ebenen und 1600 Quadratmetern 23 Wohnungen entstehen. Von außen allerdings wird man dem Gebäude das nicht ansehen. Dort bleibt sie nahezu unverändert.
Mitte 2006 war bekannt geworden, dass der Sparhammer des Bistums in Pesch zuschlagen würde. Herz Jesu musste mit St. Bonifatius Hardterbroich und St. Josef Hermges fusionieren. Die Pescher Kirche – dreimal so groß, deshalb auch dreimal so teuer im Unterhalt wie die Hardterbroicher – wurde aufgegeben, die Gläubigen aufgefordert, die nahegelegene Filialkirche in Hardterbroich zu besuchen. Damals wurde nicht nur heiß diskutiert, es flossen auch viele Tränen. Es half nichts: Seit dem 1. April 2007 gehören die ehemaligen eigenständigen Gemeinden Hardterbroich und Pesch zu St. Josef Hermges. Gemeinsam bilden sie die Gemeinschaft der Gemeinden Mönchengladbach-Ost.
Nun wird in den nächsten anderthalb Jahren ein Haus im Haus entstehen, erklärt Georg Wilms, Geschäftsführer des Unternehmens Schleiff Denkmalentwicklung, das bereits ein Kloster zu einem Bürogebäude umgebaut hat. Dieses Haus im Haus basiert auf einer Holzkonstruktion, die nach und nach im Inneren entsteht und nicht wie üblich einfach fertig angeliefert werden kann. Schließlich passte die Konstruktion nicht durch die Flügeltüren. Zudem lässt sich der Bau so schnell wieder rückgängig machen. Das ist Vorschrift, falls die Kirche irgendwann einmal doch wieder als Kirche genutzt werden sollte.
Auch andere Dinge müssen beim Bau beachtet werden, schließlich ist die Kirche mehr als ein Gebäude aus Stein, wie Wilms sagt. So muss jeder Bauschritt mit der Denkmalbehörde abgestimmt werden. Sobald aus einer Kirche ein Wohnhaus wird, muss auch der Brandschutz beachtet werden. Wilms kündigt an, dass die Nebenkosten im Vergleich zu normalen Wohnungen geringer sein werden. Geheizt wird mit Erdwärme, Regen- und Grauwasser werden aufbereitet.
Dass das Konzept bei den Gemeindemitgliedern ankommt, beweist eine Anekdote, die Wilms erzählt. Als die Baupläne im Herbst vergangenen Jahres vorgestellt wurden, erzählte eine Rentnerin von ihren Erinnerungen an die Kirche. Als diese geschlossen wurde, ging sie angesichts des unklaren Schicksals zum Einkaufen häufiger einen Umweg, um nicht an der Kirche vorbeigehen zu müssen. Seitdem sie aber wisse, dass das Gebäude nicht abgerissen werde, sondern Wohnungen entstehen, brauche sie diesen Umweg nicht mehr.
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