Mönchengladbach: 30 Meter Rheydt in Indien
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 05.10.2011 - 10:06Mönchengladbach (RPO). Weil das Stück Oberheydener Straße nicht auf den Platz passte, kippte der Künstler Gregor Schneider es um 90 Grad. Und irgendwie passt das irritierende Ding aus Rheydt wirklich gut zwischen die Hochhäuser von Kalkutta.
In Kalkutta steht die Welt auf dem Kopf. Okay, nicht die ganze Welt, aber ein 30 Meter langes Stück Straße. Und das ist nicht etwa irgendein x-beliebiger Straßenabschnitt, sondern ein Teil der Unterheydener Straße. Das hat der Mönchengladbacher Künstler Gregor Schneider nach Indien gebracht.
Genauer nach Kolkata, wie die bengalische Bezeichnung für die Millionen-Metropole im Osten des Landes ist. An der „echten“ Unterheydener Straße 12 in Rheydt steht Gregor Schneiders „Haus u r“, das er 2001 in den deutschen Pavillon der Biennale in Venedig transferierte. Für diese Arbeit erhielt er damals den Goldenen Löwen.
Laternen und Kanaldeckel
Nun also nicht das Haus, sondern die Straße. „Die Straße passte nicht auf den Platz, deshalb mussten wir sie um 90 Grad kippen“, sagt der Künstler. Nun steht das Monument, das den beziehungsreichen Titel „It’s all Rheydt 2011“ trägt, irgendwie irritierend, irgendwie aber auch richtig – wie ein eigenständiges Hochhaus – aufrecht zwischen den Wolkenkratzern – mit Straßenlaternen, Halteverbotsschild, Gehwegen links und rechts und zwei Kanaldeckeln inmitten der Fahrbahn.
„Das ist eine Melange aus Unzusammenhängendem“, sagt Susanne Titz. „Und dennoch passt alles.“ Unterm Strich: Rheydt passt nach Kalkutta. Die Chefin des Museums Abteiberg ist gerade erst aus Indien zurückgekehrt – und voller Begeisterung von dem, was sie dort gesehen und erlebt hat.
Sie berichtet von den Durga Puja-Feierlichkeiten, zu denen Millionen Inder in die Stadt strömen, um die Göttin Durga zu verehren. Deren Statuen werden während des Festes, das am vergangenen Wochenende eröffnet wurde und eine Woche lang dauert, auf so genannten Pandals aufgestellt. „Jeder Stadtteil, jedes Viertel hat ein eigenes Pandal“, sagt Susanne Titz. Ein ganz besonderes steht in der monumentalen Arbeit von Gregor Schneider.
Ebenso, wie er Wert darauf legte, dass einheimische Handwerker die Straße bauten, ließ er indische Künstler die Skulpturen im Inneren gestalten. „Die sind wirklich beeindruckend“, sagt Susanne Titz: aus Lehm gearbeitet, lackiert und mit Silber versehen. „In der Unterheydener Straße stößt man auf Indien.“
Monatelang hat Gregor Schneider an „It’s all Rheydt 2011“ gearbeitet und arbeiten lassen. Am Ende wird, so der Künstler, das Ganze in den Ganges geworfen. „Das geschieht mit allen Skulpturen, die für die Pandals geschaffen wurden“, sagt Susanne Titz. „Sie wurden aus Lehm aus dem Ganges geformt, dahin kehren sie zurück und bleiben im Fluss.“
Bei Gregor Schneider sieht das etwas anders aus. „Ich ziehe das Ganze dann wieder (aus dem Ganges) raus uns bringe es mit dem Matsch den Figuren, Dreck und heiligem Wasser zurück nach Rheydt“, kündigt er an. „Ich bin mir sicher: Daraus wird etwa neues entstehen! Alles wird sich wiederholen!“
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