Mönchengladbach: 311-Tonnen-Trafo: Auf 240 Rädern durch die Stadt
VON CHRISTIAN HENSEN - zuletzt aktualisiert: 28.05.2010 - 15:10Mönchengladbach (RPO). Für viele Autofahrer im Raum Rheydt hieß es am Donnerstagabend: Warten. Ein Schwertransporter beförderte einen Transformator vom Areva-Werk ins Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf. Transportkosten: Im sechsstelligen Bereich.
Wenn spät abends um 23 Uhr Bewohner die Gardinen zur Seite schieben, Autofahrer anhalten (müssen) oder Fußgänger ihre Fotohandys zücken, dann muss es sich beim Motiv um etwas Besonderes handeln. Doch hier bahnt sich keine Berühmtheit den Weg durch die Stadt, sondern ein gigantischer Schwertransporter.
Mit einem 311 Tonnen schweren Transformator beladen, macht er sich auf den Weg vom Schorch-Gelände auf der Breitestraße zum etwa 30 Kilometer entfernten Braunkohlekraftwerk Frimmersdorf (Rhein Kreis Neuss). Seine Beschaffenheit in Zahlen: 80,15 Meter lang, insgesamt 587 Tonnen schwer und bewegt von 240 Rädern, verteilt auf 30 Achsen.
Der Energie-Transformator
Hersteller Das französische Energietechnik-Unternehmen Areva, Konzernmutter von Schorch, hat den Transformator für RWE hergestellt.
Leistung 1.000 Mega-Volt-Ampere. Das reicht für eine Millionen Staubsauger. Der Kraftwerksstrom wird durch den Transformator für die Haushalte gedrosselt.
Kosten Rund drei Millionen Euro.
Es ist kurz vor 22 Uhr, als der Transportleiter Olaf Weltz letzte Absprachen mit Jürgen Nauß von der Verkehrsüberwachung der Gladbacher Polizei trifft. Wochenlang wurden Gutachten eingeholt, die Strecke überprüft, Brückenstatiken und Kurvenradien gemessen. Jetzt ist der Weg frei. „Zehn Kilometer geht es durch die Stadt Richtung Giesenkirchen, bevor ab Lidberg die Neusser Kollegen übernehmen“, sagt Polizeisprecher Jürgen Lützen. „Wir rechnen mit einer Ankunftszeit von 6 Uhr, wenn alles nach Plan läuft“, teilt Transportleiter Weltz mit.
Zwei Mitarbeiter der Firma Westfracht aus Essen, die von Areva mit dem Transport beauftragt wurde, stehen während der gesamten Fahrt draußen auf dem Hänger und steuern die Haupt-Achsen per Hand. Bewegt wird der Schwertransport durch ein Schub- und ein Zugfahrzeug.
Die sind nicht nur für den Antrieb notwendig, sondern können auch gedreht am Transporter angebracht werden. „Auf diese Weise können wir die Fahrtrichtung aus dem Stand ändern und so Hindernisse umfahern“, erklärt der verantwortliche Transportführer Detlef Knauer. Auf der Odenkirchener Straße kommt er gleich zum Einsatz. In Windeseile bringen die Männer Hölzer vor dem Bordstein an, legen schwere Stahlplatten auf der Wiese des neuen Teilstücks an der Duvenstraße aus. In die so verbreiterte Kurve muss der Transporter einbiegen, um danach in umgekehrter Fahrtrichtung über die Kreuzung in die Schlachthofstraße zu gelangen. Das gelingt.
Aber schon in der nächsten Rundung muss ein Schild entfernt werden. Haarscharf manövrieren die Fahrer des beteiligten Frachtunternehmens Kübler Spedition aus Schwäbisch Hall den Koloss an der Ampel vorbei. Sie steht. Um 0.30 Uhr konnte der Transporter „ohne jegliche Probleme oder verursachte Beschädigungen“ an die Neusser Kollegen übergeben werden, wird später die Polizei zu Protokoll geben. Morgen wird ein zweiter Schwertransporter über den gleichen Weg rollen.
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