Mönchengladbach: 42,195 Kilometer durch die Sahara
VON LENA STEEG - zuletzt aktualisiert: 23.02.2011Mönchengladbach (RPO). Ute Müller läuft sich warm, um an einem Benefiz-Marathon durch ein Flüchtlingslager in der algerischen Wüste teilzunehmen. Mit ihrem Lauf sammelt die 31-jährige Gladbacherin Spenden für den Aufbau einer Schule vor Ort. Sie ist so marode, dass sie einzustürzen droht.
Mitmachen
Schule Castilla La Mancha, eine Schule für etwa 1250 Kinder des Flüchtlingslagers in der algerischen Wüste, muss dringend renoviert werden, da sie sonst einstürzt. Das Wiederaufbau-Projekt wird von der UNO-Flüchtlingshilfe in Bonn unterstützt.
Mitlaufen Wer interessiert ist, im nächsten Jahr selbst an dem Lauf in der Sahara teilzunehmen, kann sich bei Ute Müller unter Telefon 0228 6298618 melden oder nähere Informationen im Internet unter www.uno-fluechtlingshilfe.de/sahara-marathon abrufen.
Ihre Trainingswege führen Ute Müller längs der Bonner Rheinwiesen. Mit Blick auf plätscherndes Nass und grasende Schafe ist so ein Halbmarathon schon kein Zuckerschlecken. In der Sahara jedoch, bei sengender Hitze und chronischer Wasserknappheit, wird das Unterfangen erst recht kein Vergnügen.
"Wir werden zwar nicht knietief im Sand durch die Dünen spurten – die Wege sind einigermaßen befestigt – aber verschärfte Bedingungen sind das allemal", sagt Müller. Gemeinsam mit einer Kollegin hat sie sich dennoch zur Teilnahme an dem internationalen Lauf entschieden.
Im Oktober vergangenen Jahres hatte die Gladbacherin ihren Volontärsjob bei der Uno-Flüchtlingshilfe in Bonn angetreten und bei dieser Gelegenheit auch zum ersten Mal von dem Uno-Marathon gehört. "Die Idee fand ich sofort spannend, auch wenn ich zuvor nie etwas von dem Flüchtlingslager gehört hatte", sagt Müller.
Beim Einlesen in das Thema sei ihr bewusst geworden, wie wichtig es ist, mehr Aufmerksamkeit auf das Flüchtlingslager in der algerischen Wüste zu lenken. Dort nämlich leben, seit der Vertreibung aus ihrer Heimat in der Westsahara vor 35 Jahren, etwa 165 000 Saharauis unter extrem schwierigen Bedingungen. Die Grundversorgung des ehemaligen Beduinenvolks kann nur schwer gewährleistet werden, medizinische Hilfe ist ebenfalls rar. Als Zeichen der Solidarität findet deshalb schon zum elften Mal der weltweit einzige Marathon durch ein Flüchtlingslager statt.
Rund 400 Läufer aus der ganzen Welt werden am kommenden Montag mit von der Partie sein. Sie können fünf und zehn Kilometer, Halbmarathon und Marathon laufen. 15 Deutsche gehen an den Start, Ute Müller und ihre Kollegin Sandra Langenbach werden Freitagmorgen in den Flieger steigen und eine Woche lang mit drei anderen Teilnehmern im Zelt einer der Flüchtlingsfamilien leben. "Die Umstellung ist natürlich groß", sagt Müller. "Wegen der Wasserknappheit haben wir uns schon auf Katzenwäsche eingestellt." Und nicht nur in Bezug auf die Körperhygiene wird der Aufenthalt zur Grenzerfahrung werden. Auch die Temperaturen schlagen ordentlich auf den Organismus. Beim Start werden es etwa 15 bis 20 Grad sein, am Ende des Laufs dann über 30 Grad.
Seit Januar trainieren die beiden Kolleginnen dreimal in der Woche für diese Herausforderung, joggten nach Dienstschluss in verschiedenen Laufgruppen den Rhein auf und ab und fühlen sich gewappnet. Moralische Unterstützung bietet ihnen außerdem die Spendenaktion, die sie aus einer Laune heraus im Internet gestartet haben und die zu einem echten Erfolg geworden ist. Verwandten, Freunden und Bekannten erzählten sie von ihrem Vorhaben und baten darum, eine kleine Spende für den Wiederaufbau der Grundschule "Castilla La Mancha" des Flüchtlingslagers, die vom Einsturz bedroht ist, abzugeben. Mittlerweile sind bereits über 2000 Euro zusammen gekommen.
Wer ebenfalls spenden und die beiden Frauen bei ihrem Lauf um die Zukunft der jungen Flüchtlinge unterstützen möchte, kann im Internet auf www.helpedia.de/spenden-aktionen/saharalauf mit wenigen Mausklicks helfen.
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