Mönchengladbach: 50 Jahre The Lords: Yeah!
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 26.01.2009Mönchengladbach (RPO). Das Café Message rockte total ab: The Lords, die vor 50 Jahren in Berlin erstmals auftraten, machten auf ihrer Jubiläumstour Station in Mönchengladbach. Zur großen Begeisterung der Fans. Die Jungs auf der Bühne brachten ihre Herzen zum Hüpfen.
Was über das Jubiläumskonzert geschrieben werden sollte, ist für Robert Schriefers nach einer Konzertstunde ganz klar. "Schreib, dass es richtig gut ist", ruft der 55-Jährige über den Rand seines Bierglases hinweg. Dabei tanzt er auf der Stelle und singt den Refrain des Liedes, das aus den Lautsprechern schallt, lauthals mit. Mit seiner Begeisterung ist Schriefers nicht alleine. Mit ihm tanzt und singt das Publikum im Café Message. Hier wird gerade der runde Geburtstag der Beat- und Rockband The Lords gefeiert.
Auf Jubiläumstour in Gladbach
"Ich kenne die Lords seit ich geboren wurde", ruft Schriefers durch die allgemeine Lautstärke der Begeisterung. Das stimmt nicht so ganz. Immerhin war Schriefers schon fünf Jahre alt, als die Lords als Skiffle-Band 1959 zum ersten Mal die Rockbühne in Berlin betraten. Auf ihrer Jubiläumstour haben die vier sympathischen Musiker jetzt in Gladbach Station gemacht. 50 Jahre: Für Menschen ist das heutzutage kein Alter. Bei einer Rockband aber ist das eine Seltenheit. The Lords sind eine von zwei Bands weltweit, die auf so eine lange Lebensdauer schauen können; der Methusalem der Branche.
"Mit Lord Jupp habe ich vor 42 Jahren hier in Gladbach die erste Band gegründet", berichtet Rudi Natum zwischen zwei Stücken. Jetzt steht Natum in der Menge der Fans und hottet richtig ab. Umfallen ist nicht möglich, Körperkontakte unvermeidlich; so dicht gedrängt stehen die Gladbacher Lords-Anhänger vor der Bühne und feiern. Hinter der Bar, an der Bühne, hinter dem Mischpult oder in der Ecke, direkt neben den Boxen: Nirgends findet sich jemand, der unberührt und ruhig zuhört. Überall wird getanzt und mitgesungen.
Auf der Bühne wird gerade an Doris Day gedacht. "Für Euch etwas zum Schunkeln von der alten Schachtel", kündigt Lord "Leo" Lietz "Que sera" an. Kurz wird tatsächlich geschunkelt, aber dann drehen die vier Lords wieder auf und bringen ihr eigenes Arrangement des Klassikers. Und Lord Leo beweist eindrucksvoll: Verglichen mit der amerikanischen Schauspielerin, die im April 85 Jahre alt wird, ist er mit seinen 65 Lenzen ein Jungspund. Lord Leo ist der Älteste des Quartetts. Auch Bassist Bernd Zamulo hat seinen 60. Geburtstag bereits gefeiert. Beide haben mit der Band schon in den frühen 60er Jahren internationale Erfolge gefeiert. Sie erlebten den Wechsel von der Skiffle-Band zur Beatband. Damals trugen sie auf der Bühne Prinz-Eisenherz-Frisuren.
Nicht nur die Frisuren, auch die Besetzung hat sich in den letzten 50 Jahren verändert. Heute gehören mit Drummer Charly Terstappen (55) und Gitarrist Jupp Bauer (57) zwei Gladbacher zu den Lords. Und die werden von ihren Fans nochmals extra gefeiert. Bei Terstappens Schlagzeug-Solo fliegt dem Publikum ein Feuerwerk um die Ohren, das nicht nur das Trommelfell, sondern auch die Herzklappen flirren lässt. Der ganze Saal beginnt zu vibrieren, und Terstappen selbst scheint sich in diesem Gewitter aufzulösen. Aus dem Publikum schallt es ihm "Yeah, Yeah,Yeah" entgegen.
Die anderen drei Lords haben das Solo für eine kurze Pause genutzt und sich erfrischt. Jetzt kommen sie wieder auf die Bühne und steigen voll ein. Es wird abgerockt, dass die Herzen hüpfen. Hier zeigt sich der Unterschied zu den zahlreichen Retorten-Bands heutiger Zeit. Die Gentleman auf der Bühne geben alles, das Publikum flippt aus und jubelt. "Ja, liebe Leute, die Sau musste mal raus", fasst Lord Leo die Performance am Schluss zusammen. Yeah, Yeah, Yeah!
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