Mönchengladbach: 73 Einsprüche gegen Biogasanlage
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 08.09.2010Mönchengladbach (RPO). Die Dorfinteressengemeinschaft Wanlo will die Anlage verhindern. Der Beckrather Heimatverein hält sich aus den Diskussionen heraus. Das sorgt für Kritik. Denn ein Großteil der Maistransporte belastet drei Straßen in Beckrath stark. Bis Freitag können Bürger Stellung nehmen.
Beckrath Es gibt mittlerweile 73 Einsprüche gegen die von der NVV und 80 Landwirten geplante Biogasanlage in Wanlo. Außerdem liegt dem NRW-Landtag eine Petition vor, mit der Gegner das Zehn-Millionen-Projekt verhindern wollen. Das Vorhaben könnte jetzt aber auch zum Zankapfel zweier Dorfvereine werden. Es gibt eine Interessenkollision zwischen der Dorfinteressengemeinschaft Wanlo und dem Heimatverein Beckrath. Der Grund: Die Beckrather weigern sich, die Bürgerinitiative Wanlo zu unterstützen. "Wir sehen unsere Aufgabe darin, uns vorrangig auf sozialem Gebiet zu engagieren. Aus dem politischen Geschäft halten wir uns raus. Das war bereits vor Jahren so, als Wanlo als Standort einer Müllverbrennungsanlage im Gespräch war. Und das halten wir auch dieses Mal so", sagt Fritz Moll, Vorsitzender des Denkmalpflege- und Heimatvereins Beckrath.
Knackpunkt ist Beckrath
Fakt ist aber auch: Der weitaus größte Teil der Maistransporte geht nicht durch Wanlo, sondern durch Beckrath. Davon sind vor allem die Straßen Am Tömp, Heinrich-Korsten-Straße und An der Wey betroffen. Zwar wird der Großteil der für die Biogasanlage benötigte Mais, der von rund 280 Hektar Anbaufläche stammt, über die Autobahnen 61 und 46 angeliefert. Knackpunkt aber sind und bleiben die Mengen, die durch Beckrath müssen.
Im Herbst entscheiden Gladbachs Politiker, ob die Biogasanlage in Wanlo gebaut wird. Die NVV hat bereits mit 80 Landwirten eine Gesellschaft gegründet, die als Betreiber auftritt. Die Bauern investieren in das Projekt rund 1,5 Millionen Euro. Dies rechnet sich trotzdem für sie: Denn sie verpflichten sich, vertraglich 20 Jahre lang Mais zu einem relativ festen Preis zu liefern. Da die Biogasanlage wirtschaftlich arbeiten wird, profitieren sie auch von der Rendite, die sie für ihre Einlage erzielen. Noch bis Freitag können Bürger ihre Einsprüche geltend machen. Diese Stellungnahmen müssen im Bebauungsplanverfahren berücksichtigt werden.
Um die Anlage zu verhindern, erwartet Günter Klingen, Anwohner der Straße Am Tömp, mehr Unterstützung durch den Beckrather Heimatverein (360 Mitglieder). Klingen macht sich vor allem Sorgen um die Kinder, die zur Schulbus-Haltestelle und zum Spielplatz wollen. "Während der Maisernte muss mit rund 700 Großfahrzeugbewegungen und weiteren 350 Fahrten gerechnet werden, weil die Gärreste auf Felder gebracht werden", rechnet Klingen vor. Allerdings ist der Zeitraum, in der Mais angeliefert wird, relativ überschaubar: In der Erntezeit September/Oktober geht die NVV davon aus, dass Ernte und Anlieferung maximal zwei Wochen dauern. Alle neun Minuten soll nach den Berechnungen der NVV ein voller Schlepper den Acker verlassen, 96 Hektar Maisfläche seien in etwa drei Tagen abgeerntet.
Anwohner Klingen hat noch eine ganz andere Vermutung. Er fürchtet, dass der Beckrather Heimatverein wegen einer Spende der NVV befangen sein könnte. Für den Vereinsvorsitzenden Fritz Moll ist das eine böse Unterstellung: "Die NVV hat 27 Vereine bedacht. Wir haben uns vor Monaten dafür beworben und 300 Euro bekommen, weil wir den Platz vor der Turnhalle herrichten. Das als Bestechung zu werten, ist doch lächerlich."
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