Mönchengladbach: 90 Minuten im Fahrstuhl
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 27.02.2010Mönchengladbach (RPO). Als Irmgard Reiss ihren Ohrenarzt in der Rheydter Innenstadt besuchen wollte, blieb sie im Aufzug stecken. Sie bat über den Notruf um Hilfe, doch niemand befreite sie. Das passierte in dem Ärztehaus nicht das erste Mal.
Angst vor Aufzügen
Raumangst äußert sich als Angst vor geschlossenen oder engen Räumen, die in der Konsequenz gemieden werden (Klaustrophobie). Klaustrophobische Ängste sind im Alltag weit verbreitet. Dazu gehört auch die Angst vor Aufzügen.
Platzangst ist die Angst vor weiten, öffentlichen Plätzen, vor großen Menschenmengen, Reisen mit weiter Entfernung von Zuhause oder alleine (Agoraphobie). Panikattacken sind möglich.
Normalerweise nimmt Irmgard Reiss die Treppe. Sie sei ja noch gut zu Fuß, sagt die 64-Jährige. Doch an diesem Morgen des 18. Februar, als sie ihren Hals-Nasen-Ohren-Arzt an der Stresemannstraße in Rheydt aufsuchen wollte, war alles anders. Der Aufzug war nun einmal gerade da, sie stieg ein – und verbrachte die nächsten eineinhalb Stunden in dem Fahrstuhl. Kaum, dass sich das Gefährt in Bewegung gesetzt hatte, blieb es auch schon stecken, und es tat sich gar nichts mehr. Die Tür blieb zu. Was folgte, war eine unglückliche Serie an Pannen.
Irmgard Reiss und ihr Mitfahrer drückten den Notruf-Knopf, am anderen Ende meldete sich die Zentrale des Fahrstuhl-Services. In 15 Minuten sei Hilfe da und würde sie aus ihrer misslichen Lage befreien. Kein Sitz im Aufzug, also blieben sie stehen. Nach 20 Minuten, nach 45 Minuten, und noch einmal nach einer Stunde riefen sie den Notruf. Aber es tat sich nichts. Immer wieder wurden sie vertröstet. "Uns wurde gesagt: Der Monteur arbeite im Maschinenraum, könne den Fehler aber nicht finden", berichtet Irmgard Reiss.
Erst nach 90 Minuten im feststeckenden Fahrstuhl ging die Tür auf. Die Ärzte in dem Haus sind aufgebracht. "Es kann doch nicht sein, dass man nach dem Fehler sucht, aber die Leute nicht herausholt", sagt Dr. Thomas Wacker, Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Zehn Tage vor dem Zwischenfall hatte der Aufzug bereits schon einmal gestanden, damals befreite die Feuerwehr einen Rollstuhlfahrer, der von innen gegen die Tür Alarm geschlagen hatte. Das hatte Irmgard Reiss nicht getan, sie verließ sich auf den Notruf. "In einem Ärztehaus kann so etwas nicht sein", sagt Wacker. Herzpatienten, die in Stresssituationen wirkliche Probleme bekommen könnten, gingen schließlich ein und aus. Bei Irmgard Reiss machte sich der Stress im eingeklemmten Fahrstuhl am Abend bemerkbar, als ihre Ohrenkrankheit erneut ausbrach.
Der Betreiber des Fahrstuhls, ein traditionsreiches Düsseldorfer Unternehmen, bedauerte auf Anfrage der Rheinischen Post den Zwischenfall. "Die Alarmkette hat funktioniert. Es gab offenbar Probleme, den Befreiungsdienstleister, der in einem solchen Fall als erster vor Ort ist, dahin zu bekommen", sagte der Geschäftsführer der Firma. "Das sind Leute außerhalb unseres Unternehmens, die darin geschult werden, Leute aus Aufzügen zu befreien. Mit der Aufzugreparatur haben die nichts zu tun." Doch der Helfer war offenbar nicht in der Lage, Irmgard Reiss zu befreien. "Und das kann nicht sein. Wir warten auf eine Antwort von unserem Dienstleister", sagte der Geschäftsführer. Die Ärzte in dem Haus warten derweil auf eine Stellungnahme ihrer Vermieterin. Irmgard Reiss ist das egal. Für sie steht fest: "Ich betrete keinen Aufzug mehr."
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