Mönchengladbach: 900 Aktive sorgten für Kultur
VON DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 09.11.2009Mönchengladbach (RPO). Die dritte Ausgabe von "nachtaktiv" war ein großer Erfolg. Einige der 36 Veranstaltungsorte waren überfüllt, auch Schräges fand sein Publikum. Gut 4000 Menschen, so die erste Schätzung, wollten Kultur erleben.
"Auf in die Nacht" oder "Raus aus der Kiste" – so lautete wahlweise das Motto, als es Samstag zu dunkeln begann. In der dritten Kulturnacht seit dem Debüt 2005 wurde Mönchengladbach für etwa acht Stunden zur kulturellen Hochburg. Kaum eine andere Stadt konnte bei der Anzahl von 200 Kultur-Veranstaltungen mithalten.
Das Eintrittsbändchen, das jeder trug, der das einmalige Eintrittsgeld von neun Euro entrichtet hatte, war der rote Faden durch die Nacht der schönen Künste. Auch der schrägen Künste, muss ergänzt werden. Denn das riesige, weitverzweigte Kreativnetzwerk in der Vitusstadt trieb die eigenwilligsten Blüten.
3. Kulturnacht
Veranstaltungsorte 36 Institute, Häuser und Privatinitiativen
Organisation Schätzungsweise 350 Beteiligte
Programmgestalter Etwa 500 Künstler aller Sparten
Koordination Kulturbüro Mönchengladbach
Sponsoren Stadtsparkasse, NVV AG, Marketing-Gesellschaft
Kunstwerke geraten in Krimis
Etwa im Museum Abteiberg. Eine junge Frau mit Sopransaxofon, Nadine Jagusch, schreitet voran, spielt improvisierte Melodien, mal jazzig, mal schlicht unterhaltsam, mal geheimnisvoll orientalisch. Eine dichte Traube Menschen folgt der "Rattenfängerin" bereitwillig überallhin durch das Haus. Jagusch und das Autorenduo Jutta Chrisanth und Anja Puhane machen Halt vor Robert Fillious hölzernem Wandbild mit montierten Buchstaben "Allgemeine Semantik". Chrisanth liest einen kurzen Krimi, der in Paris spielt und Namen und Begriffe aus dem Wandbild zitiert. So werden die Kunstwerke, insgesamt acht werden die Autorinnen im Verlauf des Abends einbeziehen, zu Requisiten von Mordgeschichten.
Szenenwechsel: Im Kunstverein MMIII in den Boetzelen-Höfen hat ein Querdenker seinen großen Auftritt: Der Kunstverein präsentiert das Ausstellungsprojekt "Der Mythos-Grill" von und mit Matthias Schamp. Der Bochumer, der schon 2005 beim Art Saturday mit einer Aktion auf der Hindenburgstraße für Aufsehen gesorgt hatte, eröffnet "eine weitere Filiale meines Mythos-Grills". Der ist von der griechischen Antike ebenso inspiriert – darauf deuten die auf Holz gemalten dorischen Säulen an den Wänden hin – wie von zeitgenössischen Pommesbuden. Der 45-jährige Schamp wirbt mit gewinnendem Lächeln für seine skurrile Philosphie, die einen Fritteusen-Farbkreis und Materialbilder aus Hunderten aneinander montierter Pommes-Gabeln enthält.
"Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz", zog Koordinator Thomas Hoeps erste Bilanz. Schon kurz nach 19 Uhr habe ihn der erste Veranstalter angerufen, weil er Nachschub an Eintrittsbändchen brauchte. Einige Einrichtungen verkrafteten den Ansturm kaum. Etwa 900 Menschen trugen zum Gelingen aktiv bei.
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