Mönchengladbach: Abitur am Berufskolleg
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 11.06.2008Mönchengladbach (RPO). Wer es bis zur Hochschulreife bringen will, muss nicht unbedingt Gymnasium oder Gesamtschule besuchen. Auch an Berufskollegs finden Abiturprüfungen statt. In der Oberstufe werden klare Schwerpunkte gelegt.
Was Jens Dietz (18) am Berufskolleg für Technik und Medien am Platz der Republik macht, nehmen seine Freunde nicht sonderlich ernst: Er büffelt im drei Jahre dauernden Bildungsgang „Berufliches Gymnasium“ für seine Allgemeine Hochschulreife. „Sie sagen ziemlich häufig, dass das ja gar kein richtiges Abitur sei“, erzählt der Zwölftklässler. Denn das Berufskolleg legt in der Oberstufe ganz klar den Schwerpunkt auf die naturwissenschaftlichen und technischen Fächer, und im Zentralabitur bekommen die Schüler dann eigens auf das berufliche Gymnasium abgestimmte Prüfungsaufgaben.
Englisch oder Deutsch müssen zwar drittes oder viertes Abiturfach sein, doch auch hier spielt die Technik eine wichtige Rolle. Die Schüler besprechen wissenschaftliche Texte und lernen technisch orientiertes Vokabular. Jens ist sicher, dass sein Abschluss trotzdem nicht schlechter als zum Beispiel am Gymnasium ist: „Wenn da Abitur drauf steht, ist da auch Abitur drin“, findet er.
Schulwechsel nie bereut
„Technik und Medien haben mich schon immer interessiert“, erzählt der 18-Jährige, der bis zur zehnten Klasse die Gesamtschule Hardt besuchte. Eine Lehrerin riet ihm, „sich neu zu orientieren“, damit er das Abi schaffe. Den Schulwechsel hat Jens bis jetzt nicht bereut. „Mit so vielen Jungs in der Stufe ist es echt super“, sagt er. 37 Schüler besuchen die zwölfte Klasse, drei davon sind Mädchen und haben das gleiche Schwerpunktfach gewählt, wie er: Chemie. Vier dieser Schwerpunkte bietet das Berufskolleg zurzeit noch an, neben dem mittlerweile auslaufenden Angebot für Chemie noch Maschinenbautechnik, Elektrotechnik oder Mathematik und Informatik.
Jens’ Mitschüler Fabian Fetter (18) hat sich für Informatik entschieden, Thomas Lönes (18) für Maschinenbau. So wie Jens mussten auch diese beiden ihre Fachoberschulreife mit Qualifikation nachweisen, um am Berufskolleg zugelassen zu werden. Das heißt, die Schüler müssten auf ihrem Abschlusszeugnis der zehnten Klasse mindestens einen Notendurchschnitt von Drei haben, erläutert die Oberstufenkoordinatorin Sabine Kannen.
Fabian hat dieses Ziel an der Realschule Rheydt-Mülfort erreicht, „ich wollte nie aufs Gymnasium“, sagt er. „Da kennen sich die Schüler ja schon, man ist dann der Neue“, liefert Thomas eine Begründung, und Fabian nickt zustimmend. Außerdem seien die Kurse am Berufskolleg so schön klein, ergänzt er. „Es war auf der Realschule schon so, dass ich in den sprachlichen Fächern nicht so gut war.“ Deshalb habe er sich für das Berufskolleg entschieden. Thomas gefällt besonders auch der praktische Teil der Schule, in der elften Klasse stand zum Beispiel Arbeiten in der Maschinenbauwerkstatt auf dem Stundenplan.
Mit dem am Berufskolleg erlangten Abitur sind Fabian, Jens und Thomas jedoch nicht darauf festgelegt, einen technischen Beruf zu ergreifen. Was genau sie später machen wollen, wissen sie noch nicht. Sie könnten sich damit zum Beispiel auch für ein Germanistik-Studium einschreiben. „Oder Pastor werden“, schlägt Sabine Kannen vor.
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