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Mönchengladbach: Absolventen verlassen die Stadt

VON MICHAEL BRÖCKER UND GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 14.05.2007

Mönchengladbach (RPO). Zu unflexibel, zu mutlos, zu fixiert auf Marken – der Mode- und Textilnachwuchs musste sich bei der Messe

„MG zieht an“ Kritik anhören. Bei den Berufswünschen der Absolventen spielen Gladbacher Firmen kaum eine Rolle.
Vertriebsmann Tim van Kempen (links) zeigte Besuchern auf der Modemesse in der Hochschule, wie Alberto Hosen macht.   Foto: RPO
Vertriebsmann Tim van Kempen (links) zeigte Besuchern auf der Modemesse in der Hochschule, wie Alberto Hosen macht. Foto: RPO

Sie sind ideale Nachwuchskräfte. Jung, engagiert und ehrgeizig. Die Gladbacher Studentinnen Antonia Matic (26), Kathrin Riegel (23) und Verena Müller (25) lernen Textilmanagement an der Hochschule Niederrhein. Und wollen nächstes Jahr einen Job. Doch im Moment finden sie nicht einmal ein Praktikum. „Wir haben uns überall beworben, aber keinen Platz für ein Praxissemester bekommen“, sagt Kathrin Riegel. Egal ob Hugo Boss, Strenesse oder Mexx – nur Absagen. „Die Konkurrenz ist bei großen Marken riesig“, sagt Matic. Vom Aufschwung merken sie nichts.

Woran liegt‘s? Viele Branchenexperten, die bei der fünften Auflage der Mode- und Textilmesse „MG zieht an“ den Weg in die Hochschule finden, sehen die Studenten selbst in der Pflicht. Sie kritisieren die Fokussierung des Nachwuchses auf große Marken. Wer Absolventen nach ihren Job-Wünschen fragt, hört das „Who’s Who“ der Modelabels: Marc O‘Polo, Escada, Boss.

Info

Die Messe

Aussteller 63 Aussteller

Besucher Mehr als 6000 Besucher kamen an beiden Tagen.

Initiatoren Hochschule und Wirtschaftsförderung

Finanziert Land NRW, Europäischer Sozialfonds

Sponsoren u.a. Stadtsparkasse, Bolten Brauerei

Textilmaschinenbauer oder Firmen, die im boomenden Segment der technischen Textilien zuhause sind, gelten bei den Mode-fixierten Studenten als wenig „sexy“. „Dabei kann nicht jeder Designer werden oder ein eigenes Label gründen“, sagt der Gladbacher Peter Boveleth, Vizepräsident des Verbands German Fashion. „Design-Ingenieure und Techniker werden dagegen gesucht.“ Zum Beispiel im Textilmaschinenbau: „Wir können Ingenieursstellen nicht besetzen“, sagt Hermann Selker, Marketingleiter bei Trützschler. Ähnlich äußern sich andere Wirtschaftsvertreter in den Diskussionsrunden, die parallel zu den Präsentationen und Infoständen der 63 Aussteller (neuer Rekord!) angeboten werden.

Der Standort Mönchengladbach steht indes nicht auf der Wunschliste der Absolventen: „Wenn’s unbedingt sein muss, würde ich hier arbeiten“, sagt eine Absolventin, die sich am Stand des westfälischen Modekonzerns Steilmann umschaut, nach einigem Zögern. „Die meisten wollen raus aus der Stadt“, bestätigt auch Antonia Matic.

Dabei gibt es gute Gründe hier zu bleiben. Gladbacher Firmen – von der Tuchfabrik über die Modemacher bis hin zum Hersteller industrieller Textilien wachsen. Mode von Cinque, Van Laack und Ambiente ist weltweit gefragt. Hosenspezialisten wie Gardeur, Alberto und Zerres boomen im Ausland und profitieren etwa von der Sehnsucht der Osteuropäer nach deutscher Markenqualität. Jobangebote finden sich reichlich. Allerdings oft im Exportgeschäft. Und das setzt Flexibilität und die Lust aufs Ausland voraus. „Hier hapert’s leider oft bei deutschen Studenten“, sagt Selker. Gerard Küsters, Geschäftsführer von Oerlikon Saurer Textile, ergänzt: „Das ist schwierig. Unsere Kunden sitzen in der chinesischen Provinz. Da kann man einen Kulturschock manchmal nicht vermeiden.“

Quelle: RP

 
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