Mönchengladbach: Abzocker – ein Dauerärgernis
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 27.05.2010Mönchengladbach (RPO). Sie versprechen Gewinne, buchen unberechtigt Geld ab und machen Scheinangebote: Lotteriespiel-Werber machen der Verbraucherzentrale viel Kummer. Die Rheydter Berater bangen um die Finanzierung ihrer Arbeit.
Wirtschaftlicher Abschwung, Kurzarbeit in vielen Branchen, wachsende Arbeitslosigkeit: Die Rezession spiegelt sich in der Arbeit der Verbraucherberatung wider. Aber nicht etwa so, dass die vier Expertinnen der Beratungsstelle an der Bahnhofstraße in Rheydt im vergangenen Jahr weniger zu tun gehabt hätten. Ihre Arbeit ist eher gewachsen, weil die Hilfe insgesamt komplexer geworden ist. "Früher reichten fünf bis zehn Minuten, um ein Problem aus der Welt zu schaffen. Heute dauert die Beratung schon eine halbe Stunde, und daran schließt sich noch ein Rattenschwanz an weiteren Schritten an", sagt die Leiterin der Beratungsstelle, Hanna Masuhr.
Besonders viele Senioren
Rund 26 000 Menschen nutzten im Vorjahr die Angebote der Verbraucherschützer. Darunter waren besonders viele Senioren, die von Gewinnspiel-Werbern abgezockt wurden oder sich im Wirrwarr der Telekommunikations-Verträge verhedderten. Masuhr: "2009 war das Jahr der Lotteriegewinne. Die Anbieter haben es besonders auf Ältere abgesehen. Ihre Methoden sind zum Teil perfide." Aber auch die Telekommunikationsbranche bekommt ihr Fett ab. "Sie nehmen Reklamationen und Beschwerden kaum noch ernst. Erst wenn wir eingeschaltet wurden, bearbeiteten sie die Probleme im Sinne des Kunden", sagt Masuhr. Nicht zuletzt deshalb stieg die Zahl der Rechtsberatungen und -vertretungen im vergangenen Jahr spürbar an.
Für die Kunden der Beratungsstelle hat die stetige Nachfrage eine Kehrseite: Sie müssen sich in der Warteschleife einreihen, um die gewünschten Auskünfte zu erhalten. Und sie hören am Telefon allzu oft das Besetztzeichen, weil die Rheydter Verbraucherschützer im Gespräch sind. "Eigentlich müsste das Team dringend weiter personell aufgestockt werden. Doch daran ist derzeit gar nicht zu denken", sagt Masuhr. Im Gegenteil: Die Beratungsstelle bangt, dass die Finanzierung über dieses Jahr hinaus sichergestellt wird.
"Wir wollen unseren Anteil leisten, wenn das Land der Beratungsstelle weiter Geld gibt", verspricht Oberbürgermeister Norbert Bude. Mit einem Zuschuss von 110 000 Euro trägt die Stadt den größten Anteil am Gesamtbudget von rund 300 000 Euro. Derzeit laufen Gespräche zwischen Stadt und Verbraucherzentrale über einen neuen Dreijahresvertrag. Im aktuellen Sparpaket von Stadtkämmerer Bernd Kuckels steht die Verbraucherzentrale zwar nicht. Aber wenn Mönchengladbach die Phase der Überschuldung erreicht – die Verbindlichkeiten übersteigen das Vermögen der Stadt –, dann ist der Zuschuss der Verbraucherberatung akut gefährdet. In einer zweiten Sparliste hat Kuckels die finanzielle Beteiligung bestrichen.
Wenn die Verbraucherberatung Abstriche machen müsste, könnte die vorbeugende Arbeit gefährdet sein. Mit Schulen und Familienzentren machen die Rheydter Experten derzeit mehrere Projekte. Masuhr: "Sie sind sehr wichtig, weil die Verschuldung junger Menschen erheblich zugenommen hat. Mit diesen Projekten können wir frühzeitig den Hebel ansetzen und entsprechend beraten." Derzeit suchen die Verbraucherschützer nach zusätzlichen Finanzierungsquellen, um diese Leistung sicher zu stellen.
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