Mönchengladbach: Agentur versprach erotische Kontakte
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 11.05.2010Mönchengladbach (RPO). Gewerbsmäßigen Betrug in 101 Fällen soll der Chef einer "Seitensprungagentur" im September 2004 begangen haben. In Zeitungsanzeigen soll der Angeklagte (44) kostenlose erotische Kontakte mit sexwilligen Frauen ohne finanzielle Interessen angeboten haben.
Doch die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Agentur gar nicht genug "sexwilllige Frauen" zur Verfügung standen. Enttäuschte Kunden zeigten den Vermittler an.
Er sei gelernter Einzelhandelskaufmann und arbeite bereits als 23-Jähriger als selbständiger Kaufmann, so der Angeklagte. Zur Zeit lebe er allerdings von seinem Vater, der ebenfalls in der Partnervermittlung tätig sei.
Der Mönchengladbacher, der sich am Montag vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts offensichtlich um den Eindruck eines seriösen Kaufmannes bemühte, verfolgte den Vortrag des Staatsanwalts aufmerksam, aber gelassen. Laut Anklage soll der Ex-Agenturchef allein im September 2004 einen Gesamtschaden von 10 386 Euro verursacht haben.
Auf Zeitungsanzeigen des Angeklagten meldeten sich Interessenten aus Mönchengladbach und bundesweit. Riefen die Kunden die angegebene Mobilfunknummer an, landeten sie im Callcenter des Angeklagten. Geringfügig beschäftigte Call-Center-Mitarbeiterinnen erfassten die Daten der Anrufer, deren sexuelle Vorlieben und ihren Frauentyps. Die Kunden erfuhren Namen und Alter der Frauen.
Die Anrufer sollen Vermittlungsgebühren von 90 Euro bis zu 195 Euro gezahlt haben, ist der Staatsanwalt überzeugt. Auf diese Weise soll der Angeklagte 101 Vermittlungsverträge abgeschlossen haben. Doch nach den Geldüberweisungen gab es bald die ersten Kundenbeschwerden. Entweder war die "Mitgliederbetreuung" unerreichbar oder deren Rufnummer besetzt.
Das sah der Angeklagte ganz anders. Man habe "einige hundert Adressen" gehabt. Aber das sei "ein ständiges Kommen und Gehen" gewesen. Doch die Frage des Gerichts "Wie groß war der Pool im September 2004?" konnte der 44-Jährige gestern auch mit Hilfe seines Laptops nicht beantworten. Er verzettelte sich in Einzelheiten und machte Kunden für das Scheitern der Vermittlungen verantwortlich.
Die Männer hätten sich nicht an die Anrufzeit gehalten, die die Frauen gefordert hätten. Am Ende musste der Mönchengladbacher versprechen, bis zum Freitag eine Bestandsliste der Agentur zu besorgen. Hilfe bei der Aufklärung der pikanten Betrugsfälle erhofft sich die Erste Strafkammer auch von den früheren Call-Center-Mitarbeiterinnen. Allerdings müssen sie wegen geänderter Adressen neu geladen werden.
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