Mönchengladbach: Agentur versprach sexwillige Hausfrauen
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 19.05.2010 - 11:27Mönchengladbach (RPO). Auch am Dienstag verteidigte sich der Ex-Chef einer "Seitensprungagentur" vor der Ersten Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts ebenso redselig, aber wenig überzeugend, wie am ersten Prozesstag. Gewerbsmäßigen Betrug in 101 Fällen und mit einem Schaden von 10 386 Euro wirft der Staatsanwalt dem 44-jährigen Angeklagten vor.
Als ihm der Kammervorsitzende gestern den Text seiner Zeitungsanzeigen vorlas, reagierte der gelernte Einzelhandelskaufmann mit einem puterroten Kopf. Mit Sätzen wie: "Wir sind sexbegeisterte Hausfrauen und suchen geile Kerle – für Sexabenteuer, ohne finanzielle Interessen. Ruf über die Handy-Nummer an", warb die Agentur. Doch die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass gar nicht genügend "sexwillige Frauen" zur Verfügung standen. Interessenten aus Mönchengladbach und bundesweit meldeten sich damals auf die Anzeigen. Bis zu 195 Euro Vermittlungsgebühren sollen sie gezahlt haben. Riefen die Kunden bei der angegebenen Handy-Nummer an, landeten sie im Callcenter des Angeklagten.
Geringfügig beschäftigte Call-Center-Mitarbeiterinnen erfassten die Daten der Anrufer, deren sexuelle Vorlieben und ihren Frauentyp. Das Gericht hielt dem Angeklagten unter anderem den Fall einer Leipzigerin vom September 2004 vor. Die Frau hatte den Anruf eines Mannes aus Zwickau erhalten, der offenbar an erotischen Kontakten interessiert war. Die Leipzigerin reagierte ahnungslos, woher er denn ihre Telefonnummer hätte. Der Zwickauer verwies auf das Callcenter in Mönchengladbach. Auch davon wusste die Frau offensichtlich nichts. Der Angeklagte reagierte auf solche Vorhalte des Gerichts mit unwichtigen Einzelheiten und machte vor allem Kunden für das Scheitern von Vermittlungen verantwortlich.
Doch die Kunden der Agentur waren nicht die einzigen, die sich beschwerten. Auch ein Vetter des Angeklagten war gestern überzeugt; "Der hat mich nur ausgenutzt und betrogen." Der Hartz-IV-Empfänger ließ das Gewerbe des Angeklagten auf seinen Namen eintragen. Aber im Dezember 2006 war die Agentur insolvent. Die Schulden blieben an dem Vetter hängen. Zwei frühere Mitarbeiterinnen des Call-Center konnten sich gestern nicht an Details erinnern. Der Prozess wird fortgesetzt.
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